Entwässerung des Königsteichgrabens soll optimiert werden
Nadelöhr sorgt für nasse Füße

Westerkappeln -

Wenn der Regen sturzbachartig vom Himmel fällt, kriegen die Leute in den östlich vom Ortskern liegenden Wohngebieten regelmäßig nasse Füße. Das gilt auch für die Bewohner der Bathmener Siedlung. Einige haben sich schon 2016 schriftlich und mit einer Unterschriftenliste bei der Gemeinde über Überschwemmungen ihrer Grundstücke und vollgelaufene Keller beklagt. Das dafür ursächliche Problem scheint nun erkannt und wird gebannt.

Sonntag, 17.03.2019, 18:00 Uhr
Bei Starkregen werden auch private Grundstücke überschwemmt, wie das Ingenieurbüro Flick berechnet hat. Das gilt insbesondere bei sogenannten 100-jährigen Ereignissen (dunkelblau).
Bei Starkregen werden auch private Grundstücke überschwemmt, wie das Ingenieurbüro Flick berechnet hat. Das gilt insbesondere bei sogenannten 100-jährigen Ereignissen (dunkelblau).

Das soll jedenfalls mit dem Bau eines neuen Durchlasses am Gabeliner Weg erreicht werden. Um die 70 000 Euro muss die Kommune dafür wohl in die Hand nehmen, gibt Heinrich Gomer vom Ibbenbürener Ingenieur-Büro Flick eine grobe Kostenschätzung ab.

Gohmann hat im Auftrag der Gemeinde den Königsteichgraben auf einer Länge von 850 Meter hydraulisch untersucht. Über das unscheinbare, meist geradlinig verlaufende Bächlein wird das Regenwasser aus einem knapp 1,2 Quadratkilometer großen Einzugsgebiet entwässert. Neben den angrenzenden Siedlungen gehört auch das Gewerbegebiet Gartenkamp dazu. Dreiviertel der Fläche sind geplastert, geteert oder zubetoniert.

Trotz eines überdurchschnittlichen Gefälles und einer damit einhergehenden „ordentlichen Fließgeschwindigkeit“, wie Gomer es ausdrückt, staut sich das Wasser im Königsteichgraben schon nach einem kurzem Platzregen und tritt über die Ufer. Das meiste Wasser macht sich zwar auf den angrenzenden Ackerflächen breit, überschwemmt werden nach Berechnungen des Diplom-Ingenieurs aber auch private Grundstücke, insbesondere in der Bathmener Siedlung, die meistens tiefer als die landwirtschaftlichen Flächen liegen. „Ich weiß nicht, welche Architekten das geplant haben“, meint Gomer. Überschwemmungen drohen vor allem bei sogenannten 100-jährigen Regenereignissen, die allerdings durchaus öfter als alle 100 Jahre über Westerkappeln nieder gehen können.

Die Kapazität die Regenkanalisation in der Bathmener Siedlung habe noch Luft nach oben, meint Gomer. Wenn das Wasser über den Königsteichgraben jedoch nicht schnell genug abfließt, droht es aus den Gullideckeln zu strömen.

Das Nadelöhr ist ein Durchlass unter dem Gabeliner Weg. Während der Graben einen sogenannten Abflussquerschnitt zwischen drei und fünf Quadratmetern aufweist, sind es in dem Rohr nur 1,8 Quadratmeter. Mit dem Bau eines neuen Rahmendurchlasses soll dieser Flaschenhals beseitigt werden. Dass einige, wenige Grundstücke am nördlichen Rand der Siedlung dann trotzdem noch überflutet werden, will Gomer nicht ausschließen. Mit dem Bau eines kleinen Erdwalls ließen sich die Gärten aber schützen.

Mit einer Aufweitung des Durchlasses am Gabeliner Weg sollen die Probleme weitgehend gelöst werden – im Hintergrund die Bathmener Siedlung.

Mit einer Aufweitung des Durchlasses am Gabeliner Weg sollen die Probleme weitgehend gelöst werden – im Hintergrund die Bathmener Siedlung. Foto: Frank Klausmeyer

Die Frage, wer so eine Böschung bezahlen müsste, blieb am Donnerstagabend im Bau- und Tiefbauausschuss unbeantwortet. Dieser hat empfohlen, die Planung für einen neuen Durchlass weiter voranzutreiben und das Vorhaben auszuschreiben.

Michael Puke (SPD) kritisierte allerdings, dass von den ersten Eingaben der Anwohner bis zur Beseitigung des Problems vermutlich drei Jahre vergehen. „Das ist den Bürgern nicht vermittelbar.“ Es habe in der Vergangenheit mehrere Gespräche mit den Betroffenen gegeben. „Bis man die Ursache gefunden hat, vergeht auch eine ganze Zeit“, erwiderte Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer (CDU). Ihr Parteifreund Rainer Echterhoff sprang ihr bei und wies mit Hinweis auf die Sanierung der Kanalisation an Ostreußenstraße darauf hin, dass an der Überschwemmungsproblematik in den vergangenen Jahren „intensiv“ gearbeitet worden sei.

Jürgen Schulte (Bürgergemeinschaft), der früher selbst in der Bathmener Siedlung wohnte, begrüßte den geplanten neuen Durchlass zwar, „ich traue dem Braten aber nicht so ganz.“ Bei Starkregen könne die Kanalisation, die laut Gomer schon jetzt „ordentlich ausgelastet ist“, das Wasser vermutlich nicht vernünftig ableiten. „Solche Ereignisse kann man nicht absolut absichern“, gab Echterhoff zu bedenken.

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