Damtier in Gehege gerissen
Wolfsverdacht in Westerkappeln

Westerkappeln -

Geht in Westerkappeln ein Wolf um? Seit dem Wochenende gibt es auf jeden Fall den begründeten Verdacht, dass ein Damwild-Spießer aus einer Zucht in Westerbeck von einem Wolf gerissen wurde. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) ist eingeschaltet. In dessen Auftrag werden zurzeit genetische Spuren vom Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt untersucht.

Montag, 18.03.2019, 15:58 Uhr aktualisiert: 18.03.2019, 16:44 Uhr
In Westerbeck wurde ein junger Damhirsch in einem Gehege gerissen. Von einem Wolf ? Dafür gibt es nach jetzigem Stand jedenfalls einen begründeten Verdacht.In dem Wildgehege in Westerbeck werden rund 50 Damtiere gehalten. Ein sogenannter Spießer ist vergangene Woche daraus gerissen worden.
In Westerbeck wurde ein junger Damhirsch in einem Gehege gerissen. Von einem Wolf ? Dafür gibt es nach jetzigem Stand jedenfalls einen begründeten Verdacht.In dem Wildgehege in Westerbeck werden rund 50 Damtiere gehalten. Ein sogenannter Spießer ist vergangene Woche daraus gerissen worden. Foto: dpa

Der mögliche Wolfsriss hat sich bereits am Dienstag vergangener Woche ereignet. Der Eigentümer des Damwild-Gatters an der Straße Im Hook dachte zunächst, ein wildernder Hund habe den Spießer – so werden die einjährigen Damhirsche genannt – getötet. Nachdem Bekannte den Verdacht geäußert hätten, es könne auch ein Wolf gewesen sein, habe er die Behörden informiert, erzählt der Züchter.

Das war drei Tage später. Und das erschwert möglicherweise den Nachweis, gibt Anja Roy , ehrenamtliche Wolfsberaterin fürs Tecklenburger Land zu bedenken. Sie hat zwar DNA-Abstriche am Kadaver gemacht, dieser habe jedoch schon tagelang im Regen gelegen, wodurch Speichelreste ausgewaschen sein könnten, erläutert die freiberufliche Biologin aus Lienen.

„Ganz von der Hand zu weisen ist der Verdacht sicher nicht“, betont Roy. An dem getöteten Tier war ein laut Fachleuten wolfstypischer Kehlbiss zu erkennen. Die Innereien seien komplett aufgefressen worden, berichtet der Züchter, der wegen der Neugier der Leute nicht namentlich genannt werden möchte.

Kein schöner Anblick: In diesem Zustand entdeckte der Züchter das gerissene Damtier.

Kein schöner Anblick: In diesem Zustand entdeckte der Züchter das gerissene Damtier. Foto: privat

Pfotenabdrücke entdeckt

Das sind Indizien für eine Wolfsattacke, aber noch kein Beleg. „Ich habe schon oft Schafsrisse gesehen, die aussahen wie vom Wolf angerichtet. Tatsächlich waren es dann Hunde“, erklärt Anja Roy. Ende 2017 hatte es so einen Fall in Lengerich gegeben. Nach einem Angriff auf ein Schaf wies das Senckenberg Forschungsinstitut als „Nationales Referenzzentrum für genetische Untersuchungen bei Luchs und Wolf“ nach, dass ein Hund der Übeltäter war.

Die Wolfsberaterin war am Wochenende erneut in Westerkappeln und hat Pfotenabdrücke in dem Gebiet entdeckt und dann Trittgrößen und Schrittlängen vermessen. Diese hat sie ebenfalls ans LANUV geschickt. Erhärte sich der Verdacht, würden die Spuren gegebenenfalls an Wolfsexperten in Sachsen weitergeleitet.

Verhaltenstipps bei einer Wolfsbegegnung

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  • Wie verhalte ich mich richtig, wenn ich einem Wolf in freier Wildbahn begegne? Das NRW-Umweltministerium gibt für den „äußerst unwahrscheinlichen“ Fall folgende Tipps:

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Nicht versuchen, sich dem Wolf zu nähern, ihn anzufassen oder zu füttern!

    Das Bild zeigt „Wolfsflüsterer“ Jos de Bruin im Naturwildpark „Granat“ in Haltern-Lavesum.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Nicht weglaufen, am besten stehen bleiben und abwarten, bis sich der Wolf zurück zieht.

    Foto: Patrick Pleul (dpa)
  • Wenn man selbst den Abstand vergrößern will, langsam zurück ziehen.

    Foto: Bernd Thissen (dpa)
  • Man kann den Wolf auch vertreiben, indem man auf sich aufmerksam macht, zum Beispiel, indem man das Tier laut anspricht, in die Hände klatscht oder mit den Armen winkt.

    Foto: Julian Stratenschulte (dpa)
  • Da Wölfe die Nähe des Menschen mieden, sei es selbst in einem Gebiet, in dem Wölfe ihr Revier haben, äußerst unwahrscheinlich, ein Tier zu Gesicht zu bekommen, betont das Umweltministerium.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Vor allem bei jungen und unerfahrenen Wölfen könne es aber vorkommen, dass die Neugier stärker sei, als die Furcht.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Jede Sichtung eines Wolfs sollte möglichst bald an das zuständige Landesumweltamt gemeldet werden – in NRW unter der Nummer 02361-3050 (werktags) bzw. 0201-714488 (außerhalb der Geschäftszeiten und am Wochenende) oder per E-Mail wolf_nrw@lanuv.nrw.de erreichbar.

    Foto: Gunnar A. Pier

Bei Nutztierrissen gebe es in der Regel ein festes Verfahren, erläutert Wilhelm Deitermann , Pressesprecher beim LANUV. „Es helfen oft auch pathologische Untersuchungen weiter, um festzustellen, ob es vielleicht eine andere Todesursache gab.“

Appell an Jäger

Anja Roy wurden im Zuge ihrer Recherchen aus Westerkappeln drei aktuelle Wolfssichtungen gemeldet. „Es gibt auch ein Foto, das ist allerdings sehr schlecht.“ In einem Fall habe eine Reiterin nahe der Düsterdieker Niederung etwa zwei Kilometer vom Damwild-Gehege entfernt einem Wolf – oder einem Hund, der so aussah – gegenübergestanden, ergänzt der Damwild-Züchter.

In dem Wildgehege in Westerbeck werden rund 50 Damtiere gehalten. Ein sogenannter Spießer ist vergangene Woche daraus gerissen worden.

In dem Wildgehege in Westerbeck werden rund 50 Damtiere gehalten. Ein sogenannter Spießer ist vergangene Woche daraus gerissen worden. Foto: Frank Klausmeyer

Wie Wolf oder Hund auf die eingezäunte Wiese, auf der rund 50 Damtiere grasen, gelangt sind, ist offensichtlich geklärt. Der hohe Schutzzaun wurde auf der Nordseite an einer Stelle untergraben. Diese liegt weit weg vom Wohngebäude. Der Züchter, selbst ein Jäger, wundert sich ein wenig, dass nicht Schafe angegriffen wurden, die ganz in der Nähe auf Weiden stehen und weniger geschützt sind.

An einer abgelegenen Stelle des Wildtiergeheges wurde der Zaun untergraben.

An einer abgelegenen Stelle des Wildtiergeheges wurde der Zaun untergraben. Foto: privat

Anja Roy appelliert in diesem Zusammenhang vor allem an Jäger, unter denen ein „Haufen wilder Gerüchte“ kursiere, jede vermeintliche Wolfsattacke sofort zu melden. „Das nicht zu tun, ist unfair gegenüber anderen Tierhaltern.“ Sie selbst habe umliegende Schaf- und Ziegenhalter geraten, wachsam zu sein.

Wolf auf Durchreise?

Im Tecklenburger Land gibt es bislang erst eine bestätigte Wolfssichtung. Das war vor knapp drei Jahren in Ibbenbüren. Nutztierrisse sind dem LANUV aus der Region nicht bekannt. Auch im angrenzenden Landkreis Osnabrück sind bislang keine Nutztierrisse gemeldet worden. Am Abend des Neujahrstages wurde jedoch im Grenzgebiet von Glandorf und Bad Laer ein Wolf von einer Wildkamera fotografiert. Nach Ansicht eines Experten handelte es sich zweifelsfrei um ein so ein Tier. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sei dies ein Durchzügler gewesen.

Wenn es in Westerbeck ein Wolf war, dann hofft auch Dirk Helmich, Vorsitzender des Hegerings Westerkappeln, dass dieser nur auf Durchreise war. Dass Wölfe hier durch die Gegend streiften, sei bislang immer nur ein Gerücht gewesen. „Wir warten jetzt erst mal die Untersuchungsergebnisse ab“, sagt Helmich.

Bis diese vorliegen, könne es sechs bis acht Wochen dauern, bittet LANUV-Pressesprecher Deitermann um Geduld. Wenn sich der Wolfsverdacht bestätige, werde die Öffentlichkeit umgehend informiert. Dass ein Hund den Spießer auf dem Gewissen hat, ist alles andere als unwahrscheinlich, meint Anja Roy. „Wildernde Hunde gibt es noch nöcher.“

Verhalten bei Begegnung mit einem Wolf

Wer einem Wolf begegnet, sollte nicht versuchen, sich diesem zu nähern oder gar anzufassen. Das empfiehlt das Landesumweltamt (LANUV NRW) auf der Internetseite . Allerdings sei es selbst in einem Gebiet, in dem Wölfe ihr Revier haben, äußerst unwahrscheinlich, dass der Mensch einen Wolf zu Gesicht bekommen.

Wölfe meiden die Nähe des Menschen. Vor allem bei jungen und unerfahrenen Wölfen könne es aber vorkommen, dass die Neugier stärker ist, als die Furcht. Das LANUV rät, was in so einem Fall zu tun ist: Nicht weglaufen, am besten stehen bleiben und abwarten, bis sich der Wolf zurück zieht.Wenn man selbst den Abstand vergrößern will, langsam zurück ziehen.Man kann den Wolf auch vertreiben, indem man auf sich aufmerksam macht – laut ansprechen, in die Hände klatschen, oder mit den Armen winken.Jede Sichtung eines Wolfes sollte möglichst umgehend dem Landesumweltamt mitgeteilt werden:  02361/305-0 (werktags), Nachrichtenbereitschaftszentrale,  0201/714488

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