Tagung der Volkskundlichen Kommission Westfalen
Was bleibt von der Bergbaukultur übrig ?

Tecklenburger land -

Bergbaukultur in Westfalen – was bleibt ? Diesen Titel wählte die Volkskundliche Kommission für Westfalen für eine zweitägige Fachtagung, die Freitagnachmittag eröffnet wurde. Als Veranstaltungsort wurde das Ibbenbürener Bergbaumuseum ausgewählt.

Sonntag, 31.03.2019, 14:24 Uhr aktualisiert: 01.04.2019, 15:35 Uhr
In historischem Ambiente: Die Frage „Was bleibt?“ von der Bergbaukultur Westfalen steht im Mittelpunkt einer Tagung.
In historischem Ambiente: Die Frage „Was bleibt?“ von der Bergbaukultur Westfalen steht im Mittelpunkt einer Tagung. Foto: Astrid Springer

Bis Samstagnachmittag gaben Fachvorträge exemplarische Einblicke in Stand und Perspektiven der montanen Überlieferungen Westfalens. Dabei reichten die Themenfelder von der Zeitzeugenbefragung über die Denkmalpflege und Hausforschung bis zur musealen Sammlung und Vermittlung.

Landesrätin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe freute es sehr, dass die Tagung im Bergbaumuseum Ibbenbüren stattfindet. „Das Ende des Bergbaus im letzten Jahr ist bekannt“, sagte Rüschoff-Parzinger. Allerdings würde der Bergbau fast ausschließlich mit dem Ruhrgebiet in Verbindung gebracht. Ibbenbüren wäre da nicht so im Gedächtnis.

Wenn so etwas zu Ende gehe, würden schnell Mythen sprießen und im Bergbau würde wohl immer das Ruhrgebiet vorrangig im Blick sein. Um so wichtiger sei es, da wir „unsere Geschichte brauchen, um unsere Zukunft zu verstehen,“ so Rüschoff-Parzinger, dass auch hier in Ibbenbüren intensiv über das Ende des Bergbaus nachgedacht und überlegt wird, wie die Zukunft aussieht. Lobend hob sie dabei hervor, dass die RAG nach wie vor zu ihrem Standort und der Region stehe.

Die enge Verbundenheit des Bergwerks mit der Region hob Dr. Heinz-Werner Voß , Sprecher der Geschäftsführung der RAG Anthrazit Ibbenbüren, hervor. Auf fast 500 Jahre beläuft sich die Bergbauhistorie in Ibbenbüren, die seit dem 17. August des vergangenen Jahres endgültig zur Geschichte geworden sei. Denn an jenem Tag hobelte die Bergwerksmannschaft die „Letzte Reihe“ Anthrazitkohle.

„Eine Vielzahl von dinglichen Zeugnissen können Sie hier im Bergbaumuseum sehen“, erklärte Voß. Aber neben diesen stellt sich die Frage nach den immateriellen Werten des Bergbaus. „Welche Spuren hat er im Alltag der Menschen hinterlassen?“, fragte Voß. Denn es sei richtig, sich zu fragen, was ohne den aktiven Steinkohlenbergbau noch in der Region verbleiben kann.

Dr. Heinz-Werner Voß: „Aus Bauern im Bergbau wurden im Laufe der Jahrhunderte Bergleute mit Nebenerwerbs-Land­wirtschaft.“

Dr. Heinz-Werner Voß: „Aus Bauern im Bergbau wurden im Laufe der Jahrhunderte Bergleute mit Nebenerwerbs-Land­wirtschaft.“ Foto: Anika Leimbrink

„Wir nehmen dieses Thema sehr ernst. Denn die Bergbautradition ist eine der vier Säulen im Rahmen der Kohlekonversion“, führte Voß weiter aus. Er verwies auf die früh eingeleiteten Schritte im Strukturwandel und die professionelle Begleitung des Themas. Aber auch auf die bereits bestehende intensive Traditionspflege.

Neben den dinglichen Zeugnissen, die nicht nur Dr. Voß, sondern auch Rüschoff-Parzinger ansprach, werden vor allem die Erinnerungen und Geschichten bleiben. Denen widmet die Volkskundliche Kommission seit fünf Jahren ein ganz besonderes Projekt. In einer Landzeitdokumentation interviewte Dr. Thomas Schürmann mehr als 100 Menschen auf dem Ibbenbürener Bergwerk und aus der Region.

Warum diese Langzeitdokumentation so wichtig sei, erläuterte Prof. Dr. Elisabeth Timm, Vorsitzende der Volkskundlichen Kommission. „Es gibt eine Faktenseite und Erfahrungsseite,“ erklärte sie. Durch die Erfahrungsseite, die „wahrgenommene Geschichte“ würden historische Dokumentationen umfassender und realitätsnäher.

Historische Zeugnisse aus dem Steinkohlenbergbau zu bewahren und den Steinkohlenbergbau für die Nachwelt erlebbar zu machen, ist der Ansporn für Christian Israel und sein Team vom Bergbaumuseum. Er begrüßt es sehr, dass das Bergbaumuseum als Tagungsort ausgewählt wurde. „Die Thematik passt hier gut rein, denn die Zukunft der Bergbauhistorie ist auch unser Thema“, so Israel. Mit Freude blickte er auf die Tagung und hofft, dass die Bedeutung der Geschichte des Steinkohlebergbaus dadurch weitergetragen wird.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6508432?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F188%2F
DB Regio weist Vorwürfe zurück
Streit mit der Eurobahn: DB Regio weist Vorwürfe zurück
Nachrichten-Ticker