Debatte über mögliches Baugebiet
Kein wirklich grüner Antrag

Westerkappeln -

Bündnis 90/Die Grünen in Westerkappeln schlagen vor, eine rund 1,8 Hektar Ackerfläche am Hollenbergs Hügel als Bauland auszuweisen. „So richtig grün ist der Antrag eigentlich nicht“, wundert sich nicht nur Wolfgang Jonas (CDU) über den Vorstoß.

Dienstag, 02.04.2019, 15:48 Uhr aktualisiert: 02.04.2019, 15:52 Uhr
Rund 1,8 Hektar ist die Ackerfläche am Hollenbergs Hügel, die der Gemeinde seit fast 25 Jahren gehört und die einige im Gemeinderat gerne als Bauland entwickelt sähen.
Rund 1,8 Hektar ist die Ackerfläche am Hollenbergs Hügel, die der Gemeinde seit fast 25 Jahren gehört und die einige im Gemeinderat gerne als Bauland entwickelt sähen. Foto: Gemeinde Westerkappeln

Ratsherr Martin Laumann-Stening hatte schon recht mit der Einschätzung, dass Bündnis 90/ Die Grünen den einen anderen sicher überrascht habe mit dem Antrag, am Hollenbergs Hügel ein neues Baugebiet auszuweisen. Den Bebauungsplan „Gartenmoorweg“ hatte seine Fraktion nämlich noch abgelehnt. Die große Mehrheit des Bauausschusses konnte oder wollte Laumann-Stenings Argumenten für die Sinnhaftigkeit eines neuen Wohngebietes jedenfalls nicht folgen.

Östlich der bestehenden, früheren Bergarbeitersiedlung besitzt die Gemeinde seit fast 25 Jahren eine rund 1,8 Hektar Ackerfläche, auf de geschätzt etwa 20 Bauplätze geschaffen werden könnten. Im gültigen Flächennutzungsplan ist das Gebiet bereits als Reservewohnbaufläche ausgewiesen. Und die Landesplanung lässt – anders als früher – mittlerweile einen gewissen Spielraum für eine Siedlungsentwicklung an der Stelle.

Laumann-Stening begründete den Vorstoß seiner Fraktion vergangene Woche vorrangig mit finanzpolitischen Erwägungen. Mit den Einnahmen aus Grundstücksverkäufen ließen sich kostenintensive Projekte wie im Schulzentrum oder das Feuerwehrgerätehaus leichter stemmen. Und im Interesse der Grünen sei auch, Geld für ökologische Maßnahmen oder zur Steigerung der Wohnqualität zu akquirieren.

„So richtig grün ist der Antrag eigentlich nicht“, meinte Wolfgang Jonas ( CDU ). Wenn es darum gehe, Wohnraum zu schaffen, gebe es verschiedene Aspekte zu beachten: Gibt es Bedarf ? Ist die Infrastruktur vorhanden ? Und wie sind die ökologischen Folgen ? Die Gemeinde sei in der „glücklichen Lage“, ein Ortsentwicklungskonzept (OEK) in Auftrag gegeben zu haben, sagte Jonas. „Das muss Antworten darauf geben, welche Entwicklung angestrebt wird.“

Michael Puke (SPD) war sich mit Jonas einig. Es sei fraglich, ob es in dem Bereich so großen Bedarf für zusätzlichen Wohnraum gibt. Den Grünen hielt er entgegen, dass die von ihnen angenommenen Mehreinnahmen vermutlich für die Erschließung gebraucht würden. Während die Gemeinde die Bauplätze am Gartenmoorweg für rund 135 Euro pro Quadratmeter verkauft, liegt der aktuelle Bodenrichtwert am Hollenbergs Hügel bei 55 Euro.

Beifall bekam der Antrag der Grünen lediglich von der Bürgergemeinschaft. „Fast jeder versucht, sich hinter dem Ortsentwicklungskonzept zu verschanzen“, kritisierte deren Sprecher Jürgen Schulte. „Nie war es dringlicher Wohnraum zu schaffen als heute.“ Das Baugebiet „Gartenmoorweg“ sei nahezu vollgelaufen, im Westerkappelner Ortskern gebe es keine nennenswerten Flächen mehr. Am Hollenbergs Hügel seien die Baulandpreise günstig, es gebe Grundschule und Kindergarten. „Eine ganze Menge Vorteile“, meinte Schulte und beantragte, die notwendigen Schritte einzuleiten, damit ein Bebauungsplan aufgestellt werden kann.

Dietmar Strecke nannte das einen „Schuss in die Luft in der Hoffnung, dass irgendetwas herunterfällt, was man gebrauchen kann.“ Bauamtsleiter Patrick Lenz gab zu bedenken, dass ein Bauleitverfahren zwei bis drei Jahre dauere. Und zunächst müsse der Bedarf nachgewiesen werden. Genau deshalb brauche die Gemeinde das OEK, betonte Jonas.

Schultes Antrag bekam nur von Laumann-Stening und Hermann Bertmer (SPD) Unterstützung. Die große Mehrheit des Ausschusses will zunächst abwarten, was das OEK zum Bedarf feststellt. „Wir sollten nicht den zweiten vor dem ersten Schritt machen“, sagte Reinhard Fiedler, sachkundiger Bürger der FDP.

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