Schulsozialarbeit an den Grundschulen
Das geht schneller als erwartet

Westerkappeln -

Für die Grundschulen in Westerkappeln soll eine Sozialarbeiterstelle geschaffen werden. Das geht nicht nur schneller als erwartet, sondern auch in größerem Umfang, als es die Lehrer wohl erhofft haben.

Samstag, 06.04.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 07.04.2019, 14:20 Uhr
Schulsozialarbeiter sind auch an Grundschulen zunehmend notwendig.
Schulsozialarbeiter sind auch an Grundschulen zunehmend notwendig. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

„Wir freuen uns. Das ist ja auch eine Wertschätzung für uns“, sagt Beate Helmig, stellvertretende Leiterin der Grundschule Helmig. Ihr Kollegium und die Mitarbeiterinnen des Offenen Ganztags hatten im Januar in einem offenen Brief an die Westerkappelner Ratsfraktionen appelliert, einen Sozialarbeiter für die Schule einzustellen. Der Aufruf ist angekommen. Bereits zum nächsten Schuljahr soll eine Fachkraft die Arbeit aufnehmen. Das geht nicht nur schneller als erwartet, sondern auch in größerem Umfang, als es die Lehrer wohl erhofft haben.

Die CDU-Fraktion wollte auf Grundlage des Briefes Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer damit beauftragen, mit der Schulaufsicht und der Bezirksregierung die Möglichkeit der Einrichtung einer solchen Stelle zu prüfen und möglichst zu realisieren. Über den Antrag ist am Donnerstagabend im Schulausschuss gar nicht erst abgestimmt worden. Denn Politik und Verwaltung sind schon einen Schritt weiter: Dass ein Schulsozialarbeiter kommt, ist so gut wie beschlossen. geklärt werden muss eigentlich nur noch die Frage der Finanzierung.

Andreas Frede , zuständiger Schulrat beim Kreis Steinfurt, erläuterte im Ausschuss, was dabei zu beachten ist. Für Schulsozialarbeit auch in Grundschulen gebe es schon seit über zehn Jahren einen rechtlichen Rahmen in Nordrhein-Westfalen. Im ländlichen Regionen sie diese heute mittlerweile ebenso notwendig, sagte der Schulamtsdirektor mit Hinweis auf geänderte Lebensformen, Familienstrukturen, Rollenbilder, die Inklusion oder eine multikulturelle Gesellschaft.

Wolle die Gemeinde als Träger der Schule einen Sozialarbeiter einstellen, müsse sie die Stelle zur Hälfte mitfinanzieren. Wohl zupass kommt der Kommune (und der Schule), dass in NRW viele Lehrerstellen unbesetzt sind, wenngleich dies im Kreis Steinfurt nur für vier Prozent gilt. Will heißen: Personalkosten werden nicht ausgeschöpft.

Die Stelle eines Sozialarbeiters muss die Schule beim Kreis beantragen, welcher wiederum bei der Bezirksregierung vorstellig wird, erläuterte Frede zum Verfahren. „Wenn wir genügend Personal hätten, würde das sonst zu Lasten der Schule gehen.“ Da es bis mindestens 2025 noch Lehrermangel gebe, schlug der Schulrat vor, die Stelle unbefristet auszuschreiben. Die Gemeindeverwaltung hatte zunächst nur drei Schuljahre vorgeschlagen.

Und auch beim Stellenumfang ging der Ausschuss weiter, als es die Verwaltung angeregt hatte. Diese hatte nur eine halbe Stelle empfohlen. Martin Laumann-Stening (Bündnis 90/Die grünen) plädierte aber für eine Vollzeitstelle. Je mehr und je früher in Schulsoziarbeit investiert werde, desto größer der Nutzen – auch volkswirtschaftlich betrachtet. Schulrat Frede unterstützte das: „Präventiv zu arbeiten, ist ganz wichtig“

In der Sitzungsvorlage war noch von einem Dienstleistungsvertrag mit der Mediencooperative Steinfurt, die auch die Jugendzentren in Westerkappeln betreibt, die Rede. Im Vorfeld des Ausschusses hatte aber offensichtlich die Westerkappelner Elterninitiative für Spielen und Erleben (Wespe) ebenfalls Interesse an einer Kooperation signalisiert. Der Förderverein ist schon mit sozialpädagogischer Arbeit im Offenen Ganztag der Grundschule am Bullerdiek vertreten. Dementsprechend votierte der Ausschuss dafür, die Wespe ins Boot zu holen. Einig waren sich die Politiker überdies darin, dass der/die Sozialarbeiter(in) auch an der Grundschule Handarpe aktiv werden soll.

Bis zur Ratssitzung am kommenden Dienstag müsse jetzt noch der genaue Finanzierungsrahmen geklärt werden, sagte Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer auf Nachfrage. Bislang war die Verwaltung von Kosten in Höhe von 30 000 Euro ausgegangen. Nun kostet es wahrscheinlich das Doppelte. Was davon die Bezirksregierung refinanziert, ist noch unklar.

Kritik am Verfahren gab es lediglich von Ulla Kropf, sachkundige Bürgerin der SPD. Sie habe das Schreiben der Schule als „Brandbrief“ empfunden. „Wir hätten sofort reagieren müssen. Ich bin doch erstaunt, dass das so lange dauert.“

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