Energycoop eG aus Osnabrück stellt Insolvenzantrag
Wieder ein Energieversorger pleite

Westerkappeln/Osnabrück/Tecklenburger Land -

Nach der Pleite der BEV GmbH mit Sitz in München ist erneut ein Energieversorger finanziell in die Knie gegangen. Dieses Mal hat es mit der Energycoop eG aus Osnabrück ein Unternehmen aus der Region erwischt. Davon betroffen sind offenbar auch zahlreiche Kunden aus dem Tecklenburger Land, wie die hiesigen Stadtwerke bestätigen.

Mittwoch, 10.04.2019, 14:08 Uhr aktualisiert: 11.04.2019, 14:54 Uhr
Trotz Insolvenz werden die Kunden der Energycoop eG weiter mit Strom und/oder Gas beliefert. Dafür sprinten die Grundversorger ein.
Trotz Insolvenz werden die Kunden der Energycoop eG weiter mit Strom und/oder Gas beliefert. Dafür sprinten die Grundversorger ein. Foto: Martin Gerten

Die Energycoop eG hat einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Osnabrück gestellt. Mit Beschluss vom 4. April wurde die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet, teilt Energycoop mit.

Die Belieferung mit Strom und Gas an die Kunden wurde zum 4. April eingestellt. Über die lokalen Grundversorger sei die Belieferung mit Strom und Gas aber weiterhin sichergestellt, versichert Energycoop.

Allerdings sei es rechtlich nicht ganz eindeutig, ob mit dem Ende der Belieferung auch zugleich die bestehenden Verträge enden, gibt die Verbraucherzentrale Niedersachsen zu bedenken. Betroffene sollten ihre Verträge daher vorsorglich kündigen.

Außerdem wichtig: Alle Zahlungen an Energycoop, zum Beispiel durch Daueraufträge, sollten umgehend gestoppt werden, raten die Verbraucherschützer. Zudem sollten Kunden den Stand ihres Strom- oder Gaszählers ablesen, dem örtlichen Netzbetreiber mitteilen und am besten per Foto dokumentieren.

Die lokalen Grundversorger, die die Belieferung weiter gewährleisten, stufen die Energycoop-Kunden allerdings in der Regel in den teuren Grundversorger-Tarif ein. In Westerkappeln, Mettingen und Ibbenbüren ist das beispielsweise Innogy, in Lotte sind es die Stadtwerke Osnabrück.

Viele Betroffene suchten nun Rat im Kundenzentrum der Stadtwerke Tecklenburger Land (SWTL), berichtet Vertriebsleiter Marcus Rüdiger. Für ihn kommt die Nachricht vom Energycoop-Aus nicht überraschend: „Viele Energie-Discounter verfolgen eine höchst riskante Einkaufsstrategie und gefährden damit ihr Lieferversprechen an die Kunden”, sagt er.

So spekulierten manche Anbieter auf einen möglichst günstigen Einkaufspreis und kauften den Strom oder das Erdgas, das sie ihren Kunden bereits vertraglich zugesichert hätten, erst nach dem Vertragsabschluss mit dem Endkunden. „Wenn dann aber der Einkaufspreis steigt, bedeutet das für den Energieanbieter unter Umständen die Insolvenz“, so Rüdiger. Denn dann müsse er Strom oder Erdgas an Kunden günstiger verkaufen, als er sie selbst eingekauft habe. Dies sei offensichtlich auch der Fall bei der Energycoop eG, heißt es in einer Mitteilung der SWTL.

Der „Marktwächter Energie”, ein Online-Portal der Verbraucherzentrale, sieht kaum eine Chance, dass Kunden etwaige Guthaben und Boni von energycoop erstattet bekommen. Zwar könnten Verbraucher ihre Forderungen im Rahmen des Insolvenzverfahrens anmelden, die Erfahrung mit früheren Firmenpleiten zeige jedoch, dass Kunden am Ende oft nur einen kleinen Teil ihrer ursprünglichen Forderungen zurückerhielten. Zudem könne es Jahre dauern, bis ein Insolvenzverfahren abgeschlossen ist.

Energycoop soll zuletzt bundesweit rund 45 000 Kunden gehabt haben, beruft sich die Verbraucherzentrale auf die Angaben des insolventen Unternehmens. Arbeitnehmer seien von der Insolvenz nicht betroffen, da die Energiegenossenschaft keine Mitarbeiter beschäftige, meldet der NDR und beruft sich auf Aussagen eines Sprechers der vorläufigen Insolvenzverwalterin, Rechtsanwältin Anna Kuleba von der Kanzlei Schoofs­Partner aus Osnabrück.

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