Quartierskonzept Paradieschen
Viel Papier als Grundlage

Westerkappeln -

So viel kann man festhalten: Für ihren Eigenanteil in Höhe von 18 528 Euro und einen Cent hat die Gemeinde Westerkappeln schon mal eine Menge Papier bekommen. Das sogenannte Quartierskonzept für die Siedlung Paradieschen ist fertig. Auf 161 Seiten kann jetzt jeder nachlesen, wie es energetisch um das Wohngebiet bestellt ist und vor allem, was getan werden könnte, um die in die Jahre gekommenen Gebäude zu modernisieren. Das soll nun in Form eines Sanierungsmanagements angeschoben und begleitet werden.

Mittwoch, 10.04.2019, 15:32 Uhr

Das Quartierskonzept ist Bestandteil des Projektes „Sieben auf einen Streich“. Außer fürs Paradieschen wurden solche Pläne noch für Wohngebiete in sechs anderen Kommunen des Kreises Steinfurt aufgestellt, unter anderem in Mettingen und Ibbenbüren. Das Vorhaben wird aus des Förderprogramms „KfW 432 – Energetische Stadtsanierung“ bezuschusst. Zunächst hatte das mit dem Konzept beauftragte Ingenieurbüro Gertec (Essen) eine Bestandsaufnahme und Potenzialanalyse für die Siedlung gemacht. Involviert waren auch das durch die Entwicklung der Haubreede in Westerkappeln bekannt gewordene Büro „Jung Stadtkonzepte“ (Köln) sowie der Kreis Steinfurt mit dem angeschlossenen Verein „energieland 2050“.

In dem 28 Hektar großen Viertel gibt es 165 Gebäude mit über 200 Wohnungen. Fast des Hälfte des Untersuchungsgebietes nehmen allerdings das Schul- und Sportzentrum einschließlich Freibad, Flüchtlingsheim Hof Schildkamp sowie Fußballplätze und AWO-Kita Am Königsteich ein. Auch das Haus der Diakonie und der Wohnbereich der Ledder Werkstätten wurden dem Quartier zugeschlagen.

Doch was sollen die Gemeinde und vor allem die Betroffenen im Paradieschen mit dem geballten Wissen der Gutachter anfangen? „Jetzt gilt es, die Ergebnisse umzusetzen“, erklärt Sara Dietrich , die das Projekt für den „energieland 2050 e.V.“ begleitet und das Quartierskonzept vergangene Woche zusammen mit Diplom-Ingenieurin Dr. Katrin Scharte (Gertec) dem Umweltausschuss vorstellte. Diese „Phase B“ sei auf drei bis fünf Jahre ausgelegt.

Auf Grundlage der Potenzialanalyse wurden in dem Quartierskonzept verschiedene Themen für künftige Maßnahmen herausgearbeitet. So sehen die Verfasser unter anderem gute Chancen für den Ausbau der Photovoltaik und schlagen vor, das Haus der Diakonie und das Wohnheim der Ledder Werkstätten ans Nahwärmenetz des Schulzentrums anzuschließen.

Für einen Erfolg seien weiche Faktoren als „Türöffner“ wichtig, sagt Dietrich und nennt die Verbesserung des Wohnumfeldes und der Mobilität als Stichworte. „Wenn die stimmen, ist man auch eher bereit, in eine Sanierung zu investieren.“

Um das zu erreichen, müssten die Bewohner motiviert und aktiviert werden. Dreh- und Angelpunkte seien beim Sanierungsmanagement Beratungsangebote und Öffentlichkeitsarbeit. Dazu werde ein neutraler „Kümmerer vor Ort“ installiert. Um den Bürgern möglichst viel Papierkram abzunehmen, soll das Projekt kreisweit gesteuert werden.

Wenn es ein Beratungsangebot gebe, könne dies sicher auch auf andere Siedlungen übertragen und dort genutzt werden, erklärt Katrin Scharte auf Nachfrage von Dieter Mittelberg (SPD).

Rainer Echterhoff ist skeptisch. „Gerade ältere Hausbesitzer werden fragen, ob sich das lohnt. Die Anreize für die Hausbesitzer müssten größer sein.“ Zumal: Senioren hätten oftmals gar keine Chance mehr, von ihrer Bank einen Kredit zu bekommen. „Das ist ein Hemmschuh“, glaubt Echterhoff.

Das will Scharte nicht bestreiten. Deshalb sei im Quartierskonzept ja auch altersgerechtes Wohnen als strategisches Ziel festgeschrieben worden. So seien Vorschläge für Barrierefreiheit oder Vermietung von Gebäudeteilen gemacht worden. „Und kleine energetische Maßnahmen sind nicht so kostenintensiv“, ergänzt die Diplom-Ingenieurin. Ebenso sinnvoll seien Beratungsangebote zum Hausverkauf. „Wenn man solche Lösungen mitdenkt, kann man auch das Thema energetische Sanierung bespielen.“

Der Ausschuss hat am Ende einstimmig empfohlen, sich einem vom Kreis koordinierten Sanierungsmanagement für das Paradieschen anzuschließen. Eigenes Personal muss die Gemeinde nicht einstellen, sondern sich lediglich in den nächsten drei Jahren mit jeweils 5000 Euro beteiligen. Insgesamt soll das Sanierungsmanagement pro Jahr für das Quartier in Westerkappeln 37 000 Euro kosten, wobei wieder ein 65-prozentiger Zuschuss der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) erwartet wird. Investitionszuschüsse gebe es aber keine, betont Dietrich.

Das Quartierskonzept für das Paradieschen hat übrigens 78 663,09 Euro oder rund 489 Euro pro Seite gekostet. Geplant waren ursprünglich gut 87 500 Euro, weshalb auch der Eigenanteil der Gemeinde etwas kleiner ausgefallen ist.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6533783?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F188%2F
Nachrichten-Ticker