Stadtwerke Tecklenburger Land
Das Kind soll bald alleine laufen

Westerkappeln/Lotte -

Ist Ihnen eigentlich bewusst, dass Sie Energieversorger sind ? Ja, Sie sind gemeint. Sie sind – vertreten durch die Gemeinde Westerkappeln oder Lotte – einer von rund 130 000 Miteigentümern der Stadtwerke Tecklenburger Land. Auf jeden Fall ist das ein Anlass, mal zu schauen, wo Ihr Unternehmen aktuell steht.

Samstag, 13.04.2019, 09:00 Uhr
4345 Kilometer lang ist das Stromnetz der Stadtwerke Tecklenburger Land. Ab 2021 will der kommunale Energieversorgung die Leitungen selbst betreiben, im Moment sind sie noch an Westnetz verpachtet.
4345 Kilometer lang ist das Stromnetz der Stadtwerke Tecklenburger Land. Ab 2021 will der kommunale Energieversorgung die Leitungen selbst betreiben, im Moment sind sie noch an Westnetz verpachtet. Foto: Frank Klausmeyer

Natürlich gehört Ihnen nur ein kleines Krümelchen von der großen Torte. Gemessen am Eigenkapital sind das ungefähr 260 Euro.

Die Stadtwerke Tecklenburger Land (SWTE) sind 2014 von den sieben Kommunen Westerkappeln, Lotte, Ibbenbüren, Mettingen, Recke, Hörstel und Hopsten gegründet worden. Die Gemeinde Westerkappeln hat daran einen Anteil von 8,7 Prozent (Lotte 9,1 Prozent). Als strategische Partner wurden aufgrund ihrer Kompetenzen die Stadtwerke Osnabrück und Innogy (früher RWE) mit ins Boot geholt, damit die SWTE nicht gleich in der Startphase ins Straucheln kommen.

Der Aufbau der Stadtwerke

Die Stadtwerke teilen sich auf in eine Energiegesellschaft, die Strom und Gas verkauft, und eine Netz GmbH & Co.KG.. Die Bundesnetzagentur hatte bei der Gründung auf diese strikte Trennung gepocht.An beiden Gesellschaften halten die sieben Kommunen 52 Prozent, haben also die Mehrheit. Beim Vertrieb helfen die mit 33 Prozent als strategischer Partner beteiligten Stadtwerke Osnabrück den SWTE auf die Beine. Den gleichen Anteil hat der Innogy-Konzern an der Netzgesellschaft. An dessen Tochter Westnetz sind die Leitungen und Anlagen bislang verpachtet worden. Den Stadtwerke Osnabrück gehören außerdem 15 Prozent der Netz GmbH, Innogy ebenso viel von der Vertriebssparte.Über diesen Gesellschaften steht eine Holding. Die Dachgesellschaft ist zu 98 Prozent in den Händen der Kommunen. Stadtwerke Osnabrück und Innogy sind hier mit jeweils einem Prozent vertreten.

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Nun aber soll das Kind so langsam ganz alleine laufen. Im kommenden Jahr übernehmen die Stadtwerke das Gasnetz, 2021 folgt das Stromnetz. „Wir haben dafür einen festen Fahrplan, den wir abarbeiten“, sagt Tobias Koch . Der 40-Jährige ist seit Jahresbeginn der erste hauptamtliche Geschäftsführer der Netz GmbH und steht damit für die wachsende Eigenständigkeit des kommunalen Energieversorgers. Der Wirtschaftsjurist gab diese Woche einen Lagebericht im Westerkappelner Rat.

Die Netze müssen für die Übernahme technisch und organisatorisch entflochten werden. Schrittweise muss dazu auch Personal eingestellt werden. Waren die SWTE bislang an der Spitze eher ehrenamtlich aufgestellt und hatten sie das Tagesgeschäft ihren strategischen Partnern überlassen, machen sie künftig alles selbst. Momentan stehen lediglich acht Mitarbeiter auf der Gehaltsliste. „Das wird sich ändern“, kündigt Koch an. Von den Stadtwerken Osnabrück sollen 13 Leute übernommen werden, von Innogy 25. Dazu wird weiteres Personal unter anderem für den Einkauf, die Gebäudewirtschaftung oder die Unternehmenskommunikation eingestellt. Bis 2021 soll die Belegschaft für den Strom- und Gasnetzbetrieb auf rund 75 Beschäftige wachsen, erläutert Koch.

Und hatten die Stadtwerke bis vor Kurzem nur ein Kundencenter in der Ibbenbürener Innenstadt macht sich die Gruppe jetzt – wie berichtet – auf dem Zechengelände der RAG breit.

SWTE in Zahlen

 

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Tobias Koch kann allerdings nur zur Netzgesellschaft Bericht erstatten. Für den Vertrieb sind andere zuständig. Was konkrete Zahlen bei Strom- und Gaskunden betrifft, bleiben die Stadtwerke zugeknöpft. „Wir arbeiten weiter am Ziel, Grundversorger in unserem Versorgungsgebiet zu werden“, erklärt Vera Konermann, seit Kurzem Pressesprecherin des Unternehmens auf Nachfrage.

Dabei bedeute Grundversorger zu sein aber nicht, einen Marktanteil von 50 Prozent zu erreichen. Grundversorger sei, wer die Mehrzahl der Kunden im Versorgungsgebiet bedient. In Westerkappeln, Ibbenbüren oder Mettingen ist das momentan Innogy, in Lotte sind es die Stadtwerke Osnabrück. „Mit Blick auf die Vielzahl an Strom- und Gaslieferanten liegt der Marktanteil eines Grundversorgers in der Regel deutlich unter 50 Prozent“, ergänzt Konermann.

Als Lieferant habe die SWTE Energie GmbH allerdings keinen Einblick in die Kennzahlen, welcher Anbieter wie viele Kunden mit Strom und Gas versorgt. Über solche Daten verfügten ausschließlich die Betreiber von Energieversorgungsnetzen. Das sind zwar die Stadtwerke selbst mit ihrer Netztochter, aber beide Gesellschaften sind, wie von der Bundesnetzagentur gefordert,strikt getrennt – zumindest auf dem Papier.

So viel immerhin verrät Vera Konermann dann doch: Die Energie GmbH hat sich in einem harten Wettbewerbsumfeld gut behauptet und liegt auf Kurs mit einem zweistelligen Marktanteil.“

Und was haben Sie als Miteigentümer jetzt davon: Zum einen zahlen die Stadtwerke sogenannte Konzessionsabgaben dafür an die Gemeinde, das sie Grund und Boden für ihre Strom- und Gasleitungen nutzen dürfen. Zum anderen ist die Gemeinde am Gewinn beteiligt. Sie persönlich sehen davon natürlich keinen Cent. Aber indirekt hat jeder Bürger einen Nutzen.

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