„Arche4dogs“ rettet Straßenhunde aus Bosnien-Herzegowina
Täglicher Kampf ums Überleben

Westerkappeln -

Mehrmals im Jahr machen sich Ehrenamtliche von „Arche4dogs“ auf den Weg nach Bosnien-Herzegowina, um Hunde zu „retten". Die Strapazen der Fahrt nehmen sie gerne auf sich – nicht nur zum Wohl der Vierbeiner, sondern auch für die Menschen vor Ort.

Freitag, 19.04.2019, 06:28 Uhr aktualisiert: 19.04.2019, 06:30 Uhr
Engagieren sich bei „Arche4dogs“: Kai Uthmann, Maike Ratzlaff (zweite Vorsitzende), Sabine Gauding (erste Vorsitzende), Karin Hottenträger und Lydia Küper (von links).
Engagieren sich bei „Arche4dogs“: Kai Uthmann, Maike Ratzlaff (zweite Vorsitzende), Sabine Gauding (erste Vorsitzende), Karin Hottenträger und Lydia Küper (von links). Foto: Katja Niemeyer

Senta, eine hoch gewachsene Hündin mit treuen Augen, räkelt sich in ihrem Körbchen. Sie wirkt sichtlich entspannt. Noch bis vor fünf Wochen hatte sie keine Zeit zum Ausruhen. Da musste sie auf einer Mülldeponie in Bosnien-Herzegowina täglich ums Überleben kämpfen. Jetzt hat sie ein Dach überm Kopf und einen eigenen Futternapf, der wie von Geisterhand immer wieder aufgefüllt wird.

Senta gehört zu den Hunden, die die Tierschutzorganisation „Arche4dogs“ regelmäßig aus Bihac, einer kleinen Stadt im äußersten Nordwesten von Bosnien-Herzegowina, nach Westerkappeln holt. „Hunde retten“ bezeichnet die Vereinsvorsitzende Sabine Gauding die aufwendige Aktion, die sie und weitere Ehrenamtliche mehrmals im Jahr in Angriff nehmen.

Erst vor einigen Wochen kehrte ein kleiner „Arche“-Trupp mit insgesamt 17 „geretteten“ Hunden zurück. Im Mai wollen Sabine Gauding und die zweite Vorsitzende Maike Ratzlaff erneut den kleinen Transporter des Vereins mit Hilfsgütern beladen und sich auf den 1300 Kilometer weiten Weg machen. Die Strapazen der Reise nehmen sie nicht nur für die Vierbeiner auf sich, wie sie betonen, sondern auch für die Menschen. „Viele Bosnier leben in großer Armut“, berichtet Sabine Gauding. „Deshalb haben wir zum Beispiel oftmals Medikamente, Kleidung und Decken dabei“, ergänzt die Vorsitzende des Vereins, der unter anderem auch in Lengericher Kindergärten Aufklärungsarbeit zum Thema richtiger Umgang mit Hunden leistet.

Auf dem Rückweg ist dann Platz im Fahrzeug für Hunde, von denen viele, wie Sabine Gauding erläutert, auf einer wilden Mülldeponie am Rand von Bihac leben. In der Stadt arbeitete der Westerkappelner Verein bislang nach eigenen Angaben mit einer staatlichen Veterinärstation zusammen, zu der auch eine Quarantäne-Abteilung gehörte. Nachdem die Verwaltung die Station vor Kurzem auflöste, sei nunmehr ein Tierarzt Ansprechpartner für die deutschen Ehrenamtlichen.

Bevor sie diese Hunde nach Deutschland, sprich in die EU einführen dürfen, müssen sie allerdings jede Menge Aufgaben erledigen. So muss ein Tier auf Krankheiten untersucht werden. Es muss mit einem Chip gekennzeichnet werden, so dass es seinen Papieren zugeordnet werden kann. Und der Transport muss mit Hilfe einer europäischen Datenbank namens „Traces“ überwacht werden. Damit, erläutert Maike Ratzlaff, würden alle wichtigen Informationen direkt an die jeweiligen Veterinärbehörden, im Fall von „Arche4dogs“ an die des   Kreises Steinfurt übermittelt.

Aber nicht nur beim Transport muss nach Überzeugung der Westerkappelner Tierschützer alles mit rechten Dingen zugehen. Auch auf eine seriöse Vermittlung der Hunde legt Sabine Gauding Wert. „Die Tiere werden geimpft und entwurmt. Sie werden mit einem Flohmittel behandelt. Und ihnen wird Blut abgenommen, um auszuschließen, dass sie nicht womöglich unter der gefürchteten Mittelmeerkrankheit leiden“, erklärt die Vorsitzende, die, bevor sie zusammen mit anderen „Arche4dogs“ gründete, jahrelang in Westerkappeln eine Pflegestelle von „Vox animalis“ führte. Dieser Verein unterstützt in Kroatien Tierschutzorganisationen und private Tierschützer.

Sind die Hunde wohlbehalten im Haus von Sabine Gauding angekommen, kann bald mit der Vermittlung begonnen werden. Die allermeisten, das weiß die Vorsitzende aus Erfahrung, würden rasch einen neuen Besitzer finden. Im Durchschnitt würde der Verein rund 150 Hunde jährlich vermitteln.

Die Chancen, dass Hündin Senta schon bald ein neues Zuhause hat, stehen also mehr als gut.

Zum Thema

www.arche4dogs.de

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