Stautag an der Mühle Wersen
Die alte Säge läuft wieder

Wersen -

Der Stautag am 1. Mai an der Mühle Bohle in Wersen dürfte für Technikfans von besonderem Interesse sein. Die alte Säge der Mühle lauft wieder. Daneben gibt es weitere Attraktionen.

Sonntag, 28.04.2019, 12:40 Uhr
Die wasserbetriebene Sägemühle haben Marco Knapheide (links) und Wolfgang Hopp restauriert. Das neuwertige Sägeblatt hat Hopp am Freitag gefunden und sofort eingespannt
Die wasserbetriebene Sägemühle haben Marco Knapheide (links) und Wolfgang Hopp restauriert. Das neuwertige Sägeblatt hat Hopp am Freitag gefunden und sofort eingespannt Foto: Ursula Holtgrewe

Beim Stautag an der Mühle Bohle in Wersen am 1. Mai kommen Technikfans ganz besonders auf ihre Kosten. Von 11 bis 17 Uhr lädt der Mühlenverein zu informativer Geselligkeit bei der diesmal neu aktivierten Horizontalsäge ein. Dazu muss die Düte aufgestaut werden, was sich als ein wenig problematisch darstellte.

Noch am späten Freitag Vormittag erwartete das Mühlenteam gespannt den Probelauf der Säge. Dafür musste das Dütewasser aufgestaut werden, sodass das unterschlächtige Wasserrad Druck auf die Schaufeln bekam. Mithilfe des Rades wurde wiederum die gesamte Transformationstechnik in Gang gesetzt.

Ein Eichenstamm lag in der Sägemühle auf einem Schlitten, der bereits in den 1850-er Jahren gebaut worden war. „Nach dem Hochwasser im Jahr 1981 lag der Schlitten in der Düte. Er wurde mit einem Trecker geborgen und auf die Schienen zurückgesetzt“, blickte der Mühlenvereinsvorsitzende Werner Schwentker zurück.

27 Jahre später sollte er wieder gängig gemacht werden. Dazu zog der Verein Mühlenbauer Rüdiger Hagen zur Rate. „Er hat uns mit seinem Fachwissen vorgegeben, was zu tun ist“, erinnerte sich Wolfgang Hopp . Gemeinsam mit Marco Knap­heide machten die beiden vom Mühlenteam die Renovierung der Horizontalsäge zu ihrem Projekt.

Deren 16 Rollen, die in einem Lager geradeaus laufen, hatten Wolfgang Hopp und Marco Knapheide generalüberholt. Historisches Werkzeug, eine Stockwinde, kam zum Einsatz. Jede Rolle wurde abgeschraubt, defekte teilweise ausgetauscht gegen alte aus dem Mühlenfundus.

Zum Kraftakt wurde das Verrücken des Zahnrades, weil das inzwischen festgerostete Ritzel nicht mehr mittig auf der Welle saß und den Hauptvorschub des Schlittens unmöglich machte. In das Ritzel greift dann die Zahnstange, die mitten unter dem Schlitten befestigt ist.

„Marco hat das Zahnrad glutrot erhitzt und ein paar Mal mit einem Zehnkilohammer draufgewemst“, beschrieb Werner Schwentker den Kraftaufwand. Knapheide erklärte: „Das hat den innen liegenden Rost abgesprengt. Nun konnte ich das Ritzel wieder in die Mitte schlagen, sodass die Zahnstange darauf passt.“

Noch hatten die Männer ihr Ungeduld im Griff. Schließlich musste das Dütewasser hoch genug sein, damit die Transmission endlich die Geräte in der Mühle - und dann auch die beiden Antriebe für die Säge und den Schlitten - für den Probelauf in Bewegung setzen konnte.

Beim Stautag soll den Besuchern demonstriert werden, wie die Säge bis zum Jahr 1975 gearbeitet hat. „Von der Technik her müsste das funktionieren“, sagte Wolfgang Hopp überzeugt und schränkte ein: „Aber von der Kraft her könnte es nicht funktionieren.“ Dafür seien zu viele Geräte bis in die oberste Mühlenetage, unter anderem der wiederhergestellte historische Schrotgang, an der Transmission angeschlossen.

Der stellvertretende Vereinsvorsitzende Christian Thies überlegte laut: „Man müsste die Technik von der Kornmühle abkoppeln, sodass die Kraft ausschließlich für die Sägemühle zur Verfügung steht.“ Werner Schwentker und Wolfgang Hopp hatten die gleiche Idee: „Das kann man über eine Spannrolle regeln. Früher hat der Müller das auch so gemacht.“

Derweil setzte eine vom Kreis Steinfurt beauftragte Fachfirma draußen im Regen alles daran, die Staufunktion des Wehrs abzustimmen auf die erforderliche Wasserführung für die Fischtreppe. Schwentker war sicher: „Am Mittwoch werden wir genug Wasser haben.“

Dann können sich alle Fans der analogen Technik davon überzeugen, wie Wasserkraft eine Säge antreibt - oder bei kulinarischen Variationen und Getränken im lauschigen Mühlengrund Kontakte knüpfen und pflegen. Und für 25 Euro Vorverkaufskarten erwerben fürs dritte Picknickkonzert am 17. August, wenn ab 20 Uhr Jeannette Oswald. Bryan Rothfuss, Helen Katja Rothfuss und das Salonorchester „Meininger Mélange“ die Mühlenbesucher entführen nach „Wien, die Stadt meiner Träume“.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6570798?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F188%2F
Kampf gegen Plastikfolie und Einwegbecher
Einwegverpackungen sollen reduziert werden.
Nachrichten-Ticker