„Internationaler Tag der Pflege“: Mitarbeiter des Hauses der Diakonie berichten über Arbeitsbedingungen
Zeitdruck und Personalmangel

Westerkappeln -

Am Sonntag standen anlässlich des „Internationalen Tages der Pflege“ die Bedingungen in der Pflege im Mittelpunkt vieler Aktionen. Das Haus der Diakonie in Westerkappeln hat bereits am Freitag seine Gäste auf den Tag aufmerksam gemacht. Am Eingang des Pflegeheims berichteten Mitarbeiter über das, was ihnen besonders zu schaffen macht: Zeitdruck und Personalmangel.

Sonntag, 12.05.2019, 14:00 Uhr
Trotz Zeitdruck: Die Dankbarkeit der Bewohner macht viel wett.
Trotz Zeitdruck: Die Dankbarkeit der Bewohner macht viel wett. Foto: dpa

15 000 ausgebildete Fachkräfte und 8500 Helfer werden laut einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) bundesweit in der Altenpflege gesucht. 183 Tage suchen Arbeitgeber in der Altenpflege durchschnittlich nach der Kündigung eines Mitarbeiters nach Ersatz. Zahlen, die auch Einrichtungsleiter Jörg Niemöller vertraut sind: „Das Problem hat das Haus der Diakonie nicht ganz so schlimm, aber drei bis fünf Monate sind es auch. Wir setzen deshalb verstärkt auf Ausbildung.“ Aber, so Niemöller: Von den vier Ausbildungsplätzen hätten im vergangenen Jahr nur drei besetzt werden können.

Das liegt nicht unbedingt am geringen Interesse an einem Pflegeberuf: Von 2006 bis 2016 ist die Zahl der Jugendlichen, die eine Ausbildung in der Pflege begonnen haben, laut dem statistischen Bundesamt um 43 Prozent gestiegen. Das Problem, so Niemöller: „Die Ausbildungszahlen sind nicht so gestiegen wie der Bedarf.“ Aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung würden immer mehr Menschen pflegebedürftig und kämen im höheren Alter als früher und mit stärkeren gesundheitlichen Einschränkungen in die Pflegeeinrichtung.

Eine höhere Belastung der ohnehin wenigen Fachkräfte ist die Folge. Zeitdruck steht dabei an aller erster Stelle: „Vor allem am Morgen ist es viel“, bestätigt Altenpfleger Marc Averweiser . Mit seiner Kollegin Jana Gräfe begrüßt er am Eingang die Gäste des Pflegeheims. Sie überreichen Rosen sowie einen Gutschein über einen Kaffee und ein Stück Kuchen. Vor dem Frühstück, erzählt Averweiser weiter, sollten nach Möglichkeit alle 30 Bewohner einer Wohneinheit gewaschen sein: „Sonst schiebt sich alles nach hinten. Da macht man sich auch selbst Druck.“ Seine Kollegin ergänzt: „Die Arbeit mit den Menschen fällt uns nicht schwer, deswegen haben wir uns den Beruf auch ausgesucht, aber wir haben einfach nicht die nötige Zeit.“ Gräfe sagt aber auch, dass die Dankbarkeit, die man von den Bewohner zurückbekommt, vieles wieder wettmache: „Ich weiß jeden Abend, dass ich eine gute Tat vollbracht habe“, stellt die Altenpflegerin fest.

Gerade in der Altenpflege sei das so, bestätigt Niemöller. Anders als in der Krankenpflege blieben die Menschen länger in der Einrichtung, so dass Beziehungen zu den Bewohnern aufgebaut werden könnten. Entkräften möchte der Einrichtungsleiter auch das Vorurteil, Altenpfleger seien überwiegend mit pflegerischen Aufgaben beschäftigt, die nicht jedermanns Sache sind: „Das ist nur ein geringer Teil der Arbeit einer Fachkraft.“ Den größeren Anteil würde vielmehr die Steuerung des Pflegeprozesses ausmachen: „Zu erkennen, was hat der Bewohner für Einschränkungen und Bedarfe und dies mit ihm und den Angehörigen abzusprechen.“

Die Politik hat mittlerweile den drastischen Fachkräftemangel erkannt. Laut Studien sollen bis 2030 eine halbe Million Altenpfleger fehlen. Ab 2020 werden Alten- und Krankenpfleger gemeinsam ausgebildet und das jeweilige Berufsbild über Vertiefungsschwerpunkte vermittelt. Ebenfalls wegfallen werden die Ausbildungskosten, die bislang gezahlt werden mussten. Niemöller steht dem positiv gegenüber: „Die generalisierte Ausbildung ist ein Fortschritt. Man muss jedoch aufpassen, dass nicht zu viele in die Krankenhäuser abwandern.“

Seit 1967 wird am 12. Mai, dem Geburtstag von Florence Nightingale, der internationale Aktionstag „Tag der Pflege“ in Deutschland veranstaltet. Die britische Krankenschwester gilt als Pionierin der modernen Krankenpflege.

Mitarbeiter vom Haus der Diakonie machten Besucher mit Blumen auf den „Internationalen Tag der Pflege“ aufmerksam: Altenpfleger Marc Averwerser und Jana Gräfe mit dem Besucher Jürgen Pawlik (kleines Foto, von links).

Mitarbeiter vom Haus der Diakonie machten Besucher mit Blumen auf den „Internationalen Tag der Pflege“ aufmerksam: Altenpfleger Marc Averwerser und Jana Gräfe mit dem Besucher Jürgen Pawlik (kleines Foto, von links). Foto: Christina Halbach

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6605556?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F188%2F
Crowdfunding für große Sprünge
13-jähriger Münsteraner will zur Trampolin-WM nach Tokio: Crowdfunding für große Sprünge
Nachrichten-Ticker