Projekt „wellcome“ will Familien mit kleinen Kindern unterstützen
Der Wille ist da, die Helfer fehlen

Westerkappeln/Tecklenburger Land -

Dringend Verstärkung braucht das Projekt „wellcome“. Die Idee hinter dem bei der Diakonie angesiedelten Angebot: Eltern, die nach der Geburt eines Kindes viel Stress haben, womöglich sogar überfordert sind, erhalten Unterstützung durch ehrenamtliche Helfer. Doch die fehlen momentan.

Montag, 20.05.2019, 06:11 Uhr aktualisiert: 20.05.2019, 06:20 Uhr
Hoffen darauf, dass sich Personen, die sich ehrenamtlich für Familien einsetzen wollen, melden: Theresa Scholz-Hoffmann, Projektkoordinatorin wellcome, und Friedrich Thoss, Leiter der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche im Beratungszentrum der Diakonie an der Stettiner Straße in Lengerich.
Hoffen darauf, dass sich Personen, die sich ehrenamtlich für Familien einsetzen wollen, melden: Theresa Scholz-Hoffmann, Projektkoordinatorin wellcome, und Friedrich Thoss, Leiter der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche im Beratungszentrum der Diakonie an der Stettiner Straße in Lengerich. Foto: Michael Baar

Die Freude über den neuen Erdenbürger ist oft riesengroß. Doch die ersten Monate nach der Geburt können zu großer Ernüchterung führen. „Es ist für die Eltern eine komplett neue Situation, in der sie sich – trotz aller Freude – schnell mal überfordert fühlen“, sagt Theresa Scholz-Hoffmann . Sie koordiniert das Projekt „wellcome“ im Beratungszentrum der Diakonie an der Stettiner Straße in Lengerich. Die Idee dahinter: Ehrenamtliche helfen gestressten Eltern. Das Problem: „Seit Jahresbeginn habe ich keinen einzigen Ehrenamtlichen mehr.“

Auch für Westerkappeln und Lotte sucht Scholz-Hoffmann händeringend nach Verstärkung. Vor einem halben Jahr, so erzählt sie im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten , sei das noch anders gewesen. Knapp zehn ehrenamtliche Helfer seien maximal zwei bis drei Stunden in der Woche in einer Familie gewesen. „Nicht, um dort Hausarbeit zu erledigen, sondern um Müttern Freiräume zu geben", beschreibt die Koordinatorin den Ansatz von „wellcome“.

Das kann die Möglichkeit für die Mutter sein, einen Friseurbesuch zu machen, mal in Ruhe einzukaufen oder einfach nur mal auf der Terrasse zu sitzen, einen Kaffee zu trinken und in einem Buch zu schmökern oder mit einer Freundin zu reden. Der wellcome-Ehrenamtliche kümmert sich in dieser Zeit um das Kind. Beispielsweise, indem er oder sie mit dem Kleinkind im Kinderwagen einen Spaziergang macht.

„Es ist ein bewusst niedrigschwelliges Angebot, sich ehrenamtlich zu engagieren“, sagt Friedrich Thoss , Leiter der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche im Beratungszentrum. Es richtet sich an Familien mit einem Kind bis zum Alter von zwölf Monaten. Sind ältere Geschwister im Haushalt, könnte sich der „wellcome“-Mitarbeiter auch um diese kümmern, um der Mutter etwas Freiraum für den jüngsten Familiennachwuchs einzuräumen.

Für Theresa Scholz-Hoffmann ist der Aufwand „relativ überschaubar“, zudem würde in Absprache zwischen Familien und Ehrenamtlichem festgelegt, wann Letzterer in die Familie kommt. „Die Chemie muss stimmen“, benennt die Koordinatorin das wichtigste Kriterium für einen Einsatz, der für beide Seiten zum Erfolg werden soll.

Ob Ehe, Partnerschaft oder allein erziehend – für „wellcome“ ist das völlig egal. „Wer das Bedürfnis nach Unterstützung spürt, soll sich melden“, verweist sie nachdrücklich darauf, dass es keine Grundvoraussetzungen gibt, „wellcome“ in Anspruch zu nehmen. Idealerweise werde der drei oder vier Monate umfassende Zeitraum der Begleitung für Familien wie für Ehrenamtliche zum Gewinn. „Wer es schon mal gemacht hat, freut sich über die positive Reaktion des Kindes“, blickt sie zurück.

„Am Geld wird so ein Einsatz nie scheitern“

Einfühlungsvermögen, Toleranz, Zuverlässigkeit und Verschwiegenheit nennt Theresa Scholz-Hoffmann als Voraussetzungen, im wellcome-Projekt ehrenamtlich mitzuwirken. Freude an der Aufgabe und am Umgang mit Kindern sind für die Koordinatorin selbstverständlich.Den Ehrenamtlichen wird vom Beratungszentrum der regelmäßige Austausch mit anderen Ehrenamtlichen angeboten. Fachliche Begleitung, Ansprechpartnerin, Möglichkeiten zur Fortbildung und Qualifizierung gehören ebenso dazu wie Versicherungsschutz und Erstattung der Fahrtkosten.Eltern, die das wellcome-Angebot in Anspruch nehmen möchten, müssen einmalig eine Gebühr von zehn Euro bezahlen. Je Einsatzstunde werden fünf Euro fällig. Dieser Betrag kann aus sozialen Aspekten bis auf Null zurückgehen. „Am Geld wird so ein Einsatz nie scheitern“, versichert Friedrich Thoss, Leiter der Diakonie-Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche.

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Im nächsten Moment überfliegt ein Schatten ihr Gesicht. „Es gäbe so viel zu tun“, sagt Theresa Scholz-Hoffmann. „Anfragen gibt´s mehr als genug.“ Nur einen „wellcome“-Ehrenamtlichen, den hat sie nicht zur Verfügung. Die Hoffnung, dass sich doch noch jemand meldet, gibt sie nicht auf.

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