Insektenfreundliche Pflanzen immer stärker gefragt
Gegentrend zum Kiesgarten

Lotte/Westerkappeln/Osnabrücker Land -

Es begann schon 2018, aber in diesem Jahr hat sie sich enorm verstärkt: die Nachfrage nach insektenfreundlichen Pflanzen, bestätigen Gärtnereien aus der Region.

Dienstag, 28.05.2019, 14:00 Uhr aktualisiert: 28.05.2019, 15:12 Uhr
Der Sommerflieder (Buddleja) wird nicht ohne Grund auch Schmetterlingsstrauch genannt.15 Jahre alt, über zwei Meter hoch und mindestens genauso breit ist diese mit offenen Blüten übersäte Strauchrose „Marguerite Hilling“. Sie gehört laut Helmut Feldkamp zu den extrem früh im Jahr blühenden Sorten
Der Sommerflieder (Buddleja) wird nicht ohne Grund auch Schmetterlingsstrauch genannt.15 Jahre alt, über zwei Meter hoch und mindestens genauso breit ist diese mit offenen Blüten übersäte Strauchrose „Marguerite Hilling“. Sie gehört laut Helmut Feldkamp zu den extrem früh im Jahr blühenden Sorten Foto: Claudia Sarrazin

Seitdem das Insektensterben in den vergangenen zwei, drei Jahren zum Thema wurde, beobachten Helmut Feldkamp und Walburga Flaucher-Feldkamp aus Lotte, dass viele Menschen darüber nachdenken, was sie in ihre Gärten pflanzen. Darauf hätten sich auch die Züchter eingestellt: „Ganz verstärkt ist die Nachfrage in diesem Jahr. Der Gartenbau versucht, das auch anzubieten“, berichten die Lotter Floristen.

„Wir sind schon seit etlichen Jahren mit Insektiziden sehr zurückhaltend“, betonen sie im Hinblick auf ihre selbst gezogenen Pflanzen. Das Problem sei aber, dass manche Gartenfreunde zwar durchaus etwas für Bienen tun wollen, aber nicht für andere Insekten: „Wenn die eine Blattlaus sehen, kriegen die gleich Panik,“ sagt Helmut Feldkamp.

15 Jahre alt, über zwei Meter hoch und mindestens genauso breit ist diese mit offenen Blüten übersäte Strauchrose „Marguerite Hilling“. Sie gehört laut Helmut Feldkamp zu den extrem früh im Jahr blühenden Sorten.

15 Jahre alt, über zwei Meter hoch und mindestens genauso breit ist diese mit offenen Blüten übersäte Strauchrose „Marguerite Hilling“. Sie gehört laut Helmut Feldkamp zu den extrem früh im Jahr blühenden Sorten. Foto: Angelika Hitzke

Der Rosenexperte hatte auf dem 2. Lotter Gartenmarkt Ende April unter anderem mit der violett blühenden, halb gefüllten „Rhapsody in Blue“ eine Rosensorte vorgestellt, deren große, gelbe Staubgefäße für Bienen leicht zugänglich sind, und ein großes Kontingent davon vorgehalten. Gut drei Wochen später waren alle ausverkauft, ebenso wie die auf einem Extratisch angebotenen gelb und rosa blühenden Bienenweide-Rosen.

Ob Beet-, Strauch- oder Kletterrose – bienenfreundlich, so erklärt Helmut Feldkamp, seien neben großblumigen Arten mit offenen Blüten alle einfach, also ungefüllt blühenden Rosen. Ein wahrer „Magnet“ nicht nur für Bienen, sondern für Insekten generell sei die bodendeckende, weiß blühende Kleinstrauchrose „Apfelblüte“.

Dieses Jahr erst so richtig gut nachgefragt werden nach den Worten seiner Frau auch Gewürz- und Kräuterpflanzen und insektenfreundliche Sommerblumen. Den Trend bestätigt auch die Westerkappelner Baumschule Fels : Samenmischungen für Blühwiesen, insektenfreundliche Sträucher und Gehölze wie Jasmin, Geißblatt und Schmetterlingsflieder und pollenspendende Pflanzen ganz allgemein seien gefragter als in den Vorjahren, berichtet Mitinhaberin Christiane Fels und sagt: „Letztes Jahr im Herbst fing das an.“

Jetzt setze sich das fort: „Obst ist dieses Frühjahr enorm gut gelaufen,“ freut sie sich, dass wieder mehr Gartenbesitzer Äpfel-, Birnen- und Pflaumenbäumen eine Chance geben – ob als Spalierpflanze oder Hochstamm.

Gartenfreunde in zwei Lager gespalten

Nach ihrer Erfahrung gibt es aber nach wie vor zwei Lager unter den Gartenfreunden, und zwar ganz unabhängig von Geldbeutel, Gartengröße und quer durch alle Bevölkerungschichten: „Es gibt viele Leute, die sich Gedanken machen über mehr Natur. Da geht es nicht nur um Bienen, sondern auch um andere Insekten und um Schmetterlinge. Aber es gibt auch viele, die einen Kiesgarten haben wollen.“ Zum Teil, weil sie ihn moderner und schicker fänden, zum Teil, weil sie irrtümlich glaubten, dass er weniger Arbeit macht.

Auch in den beiden Gärtnereien von Wolfgang Haucap in Wallenhorst-Hollage und Bissendorf-Natbergen „achten die Leute verstärkt auf Pflanzen, die bienenfreundlich sind“, hat Mitarbeiterin Alena Schnittker festgestellt. Seit März dieses Jahres werde „viel, viel mehr“ danach gefragt. Bei Sträuchern und Gehölzen seien zum Beispiel Felsenbirne und Schmetterlingsstrauch besonders beliebt, bei Kräutern und Stauden Lavendel, Salbei, Storchenschnabel, Prachtkerze und Cosmeen.

Plädoyer für wildere Gärten

Helmut Feldkamp verweist auf die wichtige Brückenfunktion von „wilden Ecken in Gärten und Randstreifen an Äckern und Wegen“. Es ist schon ein Vorteil, wenn Straßenränder mal nicht gemäht werden“, sagt er und erklärt: „Wo keine Randstreifen sind, da ist auch kein Niederwild.“ Auch für Vögel sei es wichtig, dass es reichlich Insekten und zum Beispiel mit stacheligen Pflanzen wie Heckenrose oder Weißdorn auch vor Räubern sichere Nistmöglichkeiten gibt.

Statt für abgezirkelte Beete und kurzgeschorene Rasenteppiche plädiert er für „nicht so aufgeräumte“ Gärten: „Das kommt mir doch auch entgegen“, spielt er auf den dann auch geringeren Arbeitsaufwand an.

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