Wetterkapriolen vor 200 Jahren
Große Dürre und Raupenplage

Westerkappeln -

Vor 200 Jahren gab es in Westerkappeln eine große Dürre. Auch eine Raupenplage machte den Bauern das Leben schwer und sorgte für Ernteeinbußen. Das geht aus der der Ortschronik des damaligen Bürgermeisters Johann Heinrich Kandelhardt (*1753, † 1838) hervor.

Samstag, 01.06.2019, 14:00 Uhr
Vor 200 Jahren litten die Bauern in Westerkappeln unter einer großen Dürre. Die Ernte fiel sehr schlecht aus, ist einer alten Ortschronik zu entnehmen.Der damalige Bürgermeister damaligen Bürgermeisters Johann Heinrich Kandelhardt beschrieb in seiner Westerkappelner Ortschronik (1796 bis 1821) auch die große Dürre im Jahr 1819.
Vor 200 Jahren litten die Bauern in Westerkappeln unter einer großen Dürre. Die Ernte fiel sehr schlecht aus, ist einer alten Ortschronik zu entnehmen.Der damalige Bürgermeister damaligen Bürgermeisters Johann Heinrich Kandelhardt beschrieb in seiner Westerkappelner Ortschronik (1796 bis 1821) auch die große Dürre im Jahr 1819. Foto: Colourbox

Pünktlich zum meteorologischen Sommeranfang gibt es heute Badewetter. Das entschädigt für den ziemlich durchwachsenen und kühlen Mai. Der April war dagegen insgesamt deutlich zu trocken.

Wetterkapriolen wie das vergangene Hitzejahr, dass ganz Deutschland monatelang Trockenheit bescherte, gab es immer wieder. So auch vor genau 200 Jahren, wie Gemeindearchivar Dr. Gunter Böhlke beim Durchstöbern der Ortschronik des damaligen Bürgermeisters Johann Heinrich Kandelhardt (*1753, † 1838) entnommen hat, der die Westerkappelner Geschehnisse in den Jahren 1796 bis 1821 beschrieben hat.

„ In den Monaten April und May ist hier eine große Dürre gewesen, so daß wegen Mangel an Regen die Sommersaat sehr spät erfolgt, und sehr sparsam aufgegangen ist “, heißt es in der Ortschronik. Doch es traf die Menschen damals noch schlimmer: So hätten sich wegen der Trockenheit eine unzählbare Menge kleiner Raupen, sogenannte Spannemesser oder Ringelraupen, eingefunden, und die Obstbaumblüten mitsamt den Blättern so sehr zerfressen und vernichtet, dass an eine Obsternte gar nicht zu denken gewesen sei.

„ Die Dürre war in diesen Sommer so stark, daß warlich Wassermangel, indem viele Brunnen ausgetrocknet, vorhanden war, auch konnten die hiesigen 3 bei den adelichen Guthern sich befindenden kleinen Wassermühlen nicht mahlen “, schreibt Kandelhardt weiter.

Der damalige Bürgermeister damaligen Bürgermeisters Johann Heinrich Kandelhardt beschrieb in seiner Westerkappelner Ortschronik (1796 bis 1821) auch die große Dürre im Jahr 1819.

Der damalige Bürgermeister damaligen Bürgermeisters Johann Heinrich Kandelhardt beschrieb in seiner Westerkappelner Ortschronik (1796 bis 1821) auch die große Dürre im Jahr 1819. Foto: Dr. Gunter Böhlke

Die Ernte sei dann auch wegen dieser Dürre außer beim Roggen sehr schlecht ausgefallen. Besonders hätten die Bauern wenig Hafer und Buchweizen von den Feldern geholt.

Nur ein paar Jahre davor mussten die Menschen in vielen Regionen der Welt, auch im Tecklenburger Land, dagegen mit anderen Widrigkeiten des Wetters kämpfen. 1816 kam es zu einer Klimaanomalie, die als das „Jahr ohne Sommer“ bekannt geworden ist und das Wetter des Jahres ungünstig gestaltete. Die Dekade von 1810 bis 1820 soll nach wissenschaftlichen Erkenntnissen die weltweit kälteste der letzten 500 Jahre gewesen sein.

Ursächlich waren wohl mehreren Explosionen des indonesischen Tambora, einer der größten Vulkanausbrüche der menschlichen Geschichte, die weltweit Klima und Wetter beeinflusste.

In Kandelhardts Chronik ist von dem Vulkanausbruch zwar nichts zu lesen, wohl aber vom Notjahr 1817, das damit in Verbindung gestanden haben dürfte. In Westerkappeln habe es einen „ verderblichen Schneckenfraß “, besonders in Hambüren, Handarpe, Düte und Lada gegeben, welcher umso drückender war, da es in ganz Deutschland eine Missernte gegeben habe.

Wenn das Wetter und das Klima vor 200 Jahren verrückt spielte, traf es die Menschen offensichtlich deutlich härter als heute. So blieb es im vergangenen Jahr bei durchschnittlichen Ernteerträgen.

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