Realschule Westerkappeln auf der Schlussgeraden
Mission erfüllt

Westerkappeln -

Bettina Weiss hat ihre Mission (fast) erfüllt. Wenn sie am 29. Juni die Abschlusszeugnisse an die 45 Schülerinnen und Schüler der Realschule Westerkappeln übergibt, ist diese nur noch Geschichte. „Irgendwie ist das jetzt schon ein komisches Gefühl, weil es so ganz endgültig ist“, sagt die Pädagogin, die 2015 die Schulleitung übernommen hatte. Da war das Ende schon besiegelt.

Freitag, 31.05.2019, 17:48 Uhr aktualisiert: 31.05.2019, 17:50 Uhr
Schulleiterin Bettina Weiss hat ihre Mission fast erfüllt. Der Nachlass der Realschule – Zeugnisse, Klassenbücher, Rechnungen und diverse andere Akten – wandert in den Archivraum der Gesamtschule Lotte-Westerkappeln.
Schulleiterin Bettina Weiss hat ihre Mission fast erfüllt. Der Nachlass der Realschule – Zeugnisse, Klassenbücher, Rechnungen und diverse andere Akten – wandert in den Archivraum der Gesamtschule Lotte-Westerkappeln. Foto: Frank Klausmeyer

Sollte sich irgendwann einmal jemand bemüßigt fühlen, die 1975 erschienene Ortschronik von Westerkappeln fortzuschreiben, wird der 29. Juni 2019 darin sicherlich eine besondere Erwähnung finden. Denn an diesem Tag verabschiedet die Realschule Westerkappeln ihren letzten Jahrgang und ist damit annähernd ein halbes Jahrhundert nach ihrer Gründung nur noch Geschichte. Schulleiterin Bettina Weiss hat damit ihre Mission erfüllt. Denn bei ihrem Antritt 2015 war das Ende der Schule bereits besiegelt.

Traurig ? „Ein Abschied ist immer traurig“, sagt die 51-jährige Pädagogin, die die Realschule in den vergangenen vier Jahren professionell und ziemlich geräuschlos abgewickelt hat. „Irgendwie ist das jetzt schon ein komisches Gefühl, weil es so ganz endgültig ist“, sagt sie.

Das Auslaufen der 1973 gestarteten Realschule war im Zuge der Gründung der Gesamtschule Lotte-Westerkappeln beschlossen worden. Das gleiche Schicksal ereilt die Gemeinschaftshauptschule in Wersen. Die beiden Schulen sind in Kürze tot, in den Gebäuden herrscht aber weiter Leben.

45 Schülerinnen und Schüler oder zwei übersichtliche Klassen hat der letzte zehnte Jahrgang noch. Begonnen hatte er mit drei Klassen. Zwischenzeitlich gab es Absetzbewegungen, vor allem in Richtung Kardinal-von-Galen-Realschule nach Mettingen. Zuletzt blieb die Schülerzahl aber stabil, vielleicht auch in dem Bewusstsein der Jugendlichen, ein historischer Jahrgang zu sein. „Das habe ich auch so für die Abschlusszeitung geschrieben“, verrät Weiss. Das Jahrgangsheft ist noch im Druck.

Alles, was jetzt in der Realschule passiert, geschieht das letzte Mal: Vergangene Woche wurden die zentralen Abschlussprüfungen geschrieben. Jetzt laufen noch die letzten Tests in den Nebenfächern. Und dann läuft der Betrieb locker aus.

Einen Chaos-Tag, bei dem die Schüler zum Abschluss sich und ihre Lehrer aufs Korn nehmen, wird es nicht mehr geben. „Die Schüler haben ja auch gemerkt, dass es nicht mehr viele Lehrer sind“, gibt Weiss zu bedenken. Und nachwachsende Jahrgänge, die an so einem Spektakel auch immer ihre Freude haben, gibt es nicht mehr. Geplant sei stattdessen eine gemeinsame Abschlussfahrt in den Heidepark Soltau, berichtet die Schulleiterin.

In den letzten vier Wochen ist aber nicht nur Gaudi angesagt. Zum Ende soll es unter anderem für alle Jugendlichen einen Erste-Hilfe-Kursus geben. „Das haben sich die Schüler so gewünscht“, betont Bettina Weiss.

Und natürlich sind die jungen Frauen und Männer in die Gestaltung der Abschlussfeierlichkeiten eingebunden. Das gilt natürlich für den Tag der Zeugnisübergabe am 29. Juni und genauso für eine Veranstaltung zwei Wochen vorher. Denn am 15. Juni lädt der Schulzweckverband Lotte-Westerkappeln in die Aula ein.

Offensichtlich wussten die Verantwortlichen nicht so recht, wie sie das Ereignis nennen sollen. Festakt scheint dann doch nicht die richtige Bezeichnung gewesen zu sein. In der Einladung heißt es deshalb einfach „Treffen“ und „Beisammensein“, wo man sich an vielfältige Erlebnisse erinnern will. Neben Vertretern der Räte und Verwaltungen aus Westerkappeln und Lotte und von der Bezirksregierung werden das aktuelle – nur noch fünfköpfige – Kollegium, ehemalige Lehrer sowie Mitglieder des Förderkreises unter den Gästen erwartet. Etwa vier Stunden soll die Veranstaltung dauern.

Unterdessen sind die Auf- und Ausräumarbeiten bereits im Gange. Das Mobiliar und anderes Inventar wandert größtenteils in den Besitz der Realschule herüber. Gesichtet, sortiert und archiviert werden müssen dagegen eine Vielzahl von Dokumenten. „Die Zeugnisse müssen 50 Jahre lang aufbewahrt werden“, erläutert Weiss. In 46 Jahren hat die Realschule Westerkappeln rund 3000 Schülerinnen und Schüler zur Mittleren Reife geführt. Folglich kommt allein dadurch eine Menge Papier zusammen, wenngleich in jüngerer Vergangenheit vieles in digitalisierter Form ins Archiv gewandert ist. Prüfungsakten, Protokolle oder Klassenbücher dürfen auch nicht einfach in der blauen Tonne entsorgt werden, sondern müssen fünf Jahre oder mehr abgelegt werden. Die Aufbewahrungsfristen regelt die Bereinigte Amtliche Sammlung der Schulvorschriften (BASS) NRW – ein ziemlicher dicker Wälzer.

Die Nachlassverwaltung für die Realschule übernimmt die Gesamtschule. Wer beispielsweise eine Zeugniskopie benötige, könne sich ans Sekretariat wenden, erläutert Weiss.

Nach der Zeugnisübergabe wird auch sie die Schränke in ihrem Büro leerräumen. Wohin die 51-Jährige zieht, steht nach ihren Angaben ziemlich, aber noch nicht ganz fest. So viel ist sicher: Eine auslaufende Realschule wird es nicht sein. Angebote gab es. „Jetzt möchte ich doch etwas Perspektives machen und mal wieder etwas gestalten.“

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