Fusion der Volksbanken Westerkappeln-Wersen und Saerbeck
Deutliches „Ja“ für die Hochzeit

Westerkappeln/Wersen -

Die Glocken läuteten nicht. Und auch kein Klirren vom Anstoßen der Sektgläser war zu hören. Vielleicht ist das ja am Donnerstagabend der Fall, wenn die Volksbank Saerbeck die Hochzeit mit der Volksbank Westerkappeln-Wersen absegnet. Deren Mitglieder haben am Dienstagabend ein deutliches „Ja“-Wort gesprochen. Mit einer überwältigenden Mehrheit von 94 Prozent stimmten sie für die Verschmelzung der beiden genossenschaftlichen Geldinstitute.

Mittwoch, 05.06.2019, 15:58 Uhr aktualisiert: 05.06.2019, 16:14 Uhr
Fast alle Hände gingen in die Höhe: 94 Prozent der Stimmberechtigten haben am Dienstag bei der Generalversammlung der Volksbank Westerkappeln-Wersen für eine Fusion mit Saerbeck gestimmt.
Fast alle Hände gingen in die Höhe: 94 Prozent der Stimmberechtigten haben am Dienstag bei der Generalversammlung der Volksbank Westerkappeln-Wersen für eine Fusion mit Saerbeck gestimmt. Foto: Frank Klausmeyer

Eine leichte Anspannung war den Damen und Herren vom Vorstand und Aufsichtsrat vor der entscheidenden Abstimmung im „Sportpark“ schon anzumerken, erst recht, als ein Antrag auf geheime Abstimmung gestellt wurde. Der fand jedoch bei 21 Befürwortern nicht die erforderliche Unterstützung (25 Prozent) der 148 anwesenden plus zehn durch Vollmachten vertretenen Mitglieder.

Vorstandsfrau Anita Kipp , die nach dem überraschenden Abgang ihres Kollegen Jörg Wehmeier vor ein paar Wochen, das alleinige Sagen bei der Volksbank Westerkappeln-Wersen hat, warb noch einmal deutlich für die Fusion mit Saerbeck, die rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres in Kraft treten soll. Nach einer langen Verlobungsphase sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Hochzeit Sinn mache. Beide Banken seien ähnlich strukturiert und ihre Geschäftsgebiete ländlich geprägt.

Die persönliche und räumliche Nähe zu den Kunden bleibe erhalten, ein Rückzug aus der Region sei nicht vorgesehen. „In der äußeren Wahrnehmung ändert sich für die Kunden gar nichts.“ Ob die kleine Filiale in Wersen damit auf Dauer erhalten bleibt, wollte Kipp allerdings nicht versprechen: „Wie die zukünftige strategische Ausrichtung sein wird, können wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht beantworten. Das hängt auch vom Kundenverhalten ab.“

Beide Institute wollten als Volksbank Westerkappeln-Saerbeck wirtschaftlich zusammenrücken, um so die Zukunftsfähigkeit zu sichern, erklärte die Vorstandsfrau. „Die Kunden bekommen eine noch stärkere Bank“, versicherte sie.

Betriebsbedingte Kündigungen für die dann 43 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien für die Fusion nicht vorgesehen. Allerdings muss sich die Belegschaft wohl auf Versetzungen gefasst machen, wie Dieter Schulz vom Genossenschaftsverband (Verband der Regionen) feststellte. Der Wirtschaftsprüfer verlas, weil so gesetzlich vorgeschrieben, das Gutachten zur Fusion, was die Mitglieder 16 Minuten über sich ergehen lassen mussten.

Die Beschäftigen der Volksbank halten den eingeschlagenen Weg „für den richtigen“, sagte die Betriebsratsvorsitzende Melanie Bruns. „Wir fühlen uns mitgenommen.“

Bedenken zur Verschmelzung wurden nur wenige laut: Friedhelm Witte meinte „einige Ungereimtheiten“ erkannt zu haben, vor allem, weil die Vorstände in der Vergangenheit immer jeglichen Fusionsüberlegungen eine Absage erteilt hätten. Das stimme, räumte Kipp ein, aber die Volksbank müsse sich immer wieder neuen Herausforderungen stellen. Beistand erhielt sie vom früheren Bankvorstand Ulrich Kröner. Die früheren Aussagen seien stets vor dem Hintergrund von Begehrlichkeiten aus der direkten Nachbarschaft gemacht worden, womit Kröner wohl die heutige VR-Bank Kreis Steinfurt meinte. Da wäre Westerkappeln von einer viel größeren Bank übernommen werden. „Jetzt tun sich zwei kleine Banken zusammen.“

 

Warum Saerbeck dabei Westerkappeln als doch größeres Institut übernimmt, wollte Gerd Weglage wissen. Dies hat wohl auch steuerliche Gründe, wie Andreas Heilker – das Vorstandsmitglied der Volksbank Saerbeck war am Dienstag Gast – auf WN-Nachfrage bestätigte. Außerdem werde Westerkappeln Sitz der neuen Bank, betonte Kipp.

Rund 350 000 Euro koste die Vorbereitung der Fusion, erläuterte sie weiter. „Wir werden dieses Geld durch Synergieeinsparungen aber innerhalb von ein, zwei Jahren reingeholt haben.“

Dass die Hochzeit Donnerstagabend in Saerbeck durch ein Nichtzustandekommen der erforderlichen Dreiviertelmehrheit platzen könnte, glaubt Heilker, der die gemeinsame Bank in Zukunft mit Kipp lenken soll, nicht: Im Vorfeld habe es keinerlei kritische Stimmen gegeben.

Für Jörg Wehmeier, der die Fusion maßgeblich mit auf den Weg gebracht hat und der eigentlich im Vorstand der neuen Bank sitzen sollte, war am Dienstag ein Platz frei gehalten worden. Der 54-Jährige kam aber nicht. Kipps Abschiedsworte mit der Würdigung der Verdienste des langjährigen Marktvorstands für die Volksbank Westerkappeln-Wersen fielen denn auch denkbar knapp aus. Wehmeier habe immer hinter der Verschmelzung gestanden – „und tut das meines Wissens immer noch“. Aufsichtsrat und Vorstand dankten ihm für die geleistete Arbeit.

Was Wehmeier jetzt macht, ist unklar. Er selbst war am Mittwoch für die WN nicht zu erreichen. Weder Kipp noch Heilker wissen nach eigenen Angaben, was der Ex-Vorstand jetzt beruflich macht. Dass es Meinungsverschiedenheiten über die künftige Führungsverantwortung gegeben hat, wollte Wehmeier im März bei Bekanntgabe seines Rückzugs weder bestätigen noch dementierte er dies. Nach einer harmonischen Trennung sieht das jedenfalls alles nicht aus.  

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