Kardiologische Sprechstunden in Westerkappeln
Wieder Herzspezialisten vor Ort

Westerkappeln -

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die führende Todesursache in Deutschland. Umso besser, wenn sie frühzeitig erkannt und behandelt werden. Bis vergangenes Jahr war die Gemeinde Westerkappeln kardiologisch bestens versorgt. Doch mit dem Umzug des Fachinternisten Dr. Matthias Gräfe nach Ibbenbüren gab es vor Ort eine Versorgungslücke. Diese ist jetzt teilweise wieder geschlossen worden.

Donnerstag, 06.06.2019, 18:00 Uhr
Seit dem 10. Mai gibt es in Westerkappeln eine Zweigstelle der kardiologischen Gemeinschaftspraxis Sava/Dr. Hubrich. Immer freitags sind Sprechstunden.
Seit dem 10. Mai gibt es in Westerkappeln eine Zweigstelle der kardiologischen Gemeinschaftspraxis Sava/Dr. Hubrich. Immer freitags sind Sprechstunden. Foto: Colourbox

Mit Georg Sava (53) und Dr. Andreas Hubrich (49) sind jetzt sogar zwei Kardiologen im Ärztehaus an der Wilkenkampstraße präsent.

Allerdings nicht permanent. Seit dem 10. Mai bieten die beiden Fachinternisten immer freitags von 8 bis 14 Uhr kardiologische Sprechstunden in eigenen Praxisräumen an der Wilkenkampstraße an. „Das Angebot wird schon sehr gut angenommen, auch von Patienten aus der Umgebung“, freut sich Dr. Michael Schlathölter zusammen mit seinen Kollegen Dr. Steffen Grüner, Eckhard Hillebrand und Dr. Jörg Poggemeyer, die im Ärztehaus eine hausärztliche Gemeinschaftspraxis betreiben.

Die Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sei jüngst auch beim Ärztetag in Münster „ein großes Thema“ gewesen, betont Steffen Grüner. Das habe nicht nur mit einer immer älter werdenden Bevölkerung zu tun, sondern auch mit den Folgen des Klimawandels. „Wetterbedingte Beschwerden nehmen zu“, erläutert Grüner.

Ob eine vorübergehende Kreislaufschwäche dafür verantwortlich ist oder etwas sehr Ernstes dahinter steckt, ist für den Allgemeinmediziner nicht immer sofort zu diagnostizieren. „Wir haben schon gemerkt, was es bedeutet, wenn kein Kardiologe mehr im Haus ist“, meint Schlathölter. Nicht selten kommen Patienten vielleicht auch zu spät in die Praxis. „Ich habe das Gefühl, dass wie hier jede Woche acht bis zehn Mal einen Rettungswagen gerufen haben“, sagt Schlathölter.

Die Triage sei deshalb das „Top-Thema“ im Praxisalltag, erklärt der Hausarzt. Damit ist gemeint zu sichten und einzuteilen, welche medizinischer Hilfeleistung der Patient benötigt: Handelt es sich um einen akuten Notfall oder reicht eine Überweisung zum Kardiologen? Erste Erkenntnisse können die Ergebnisse aus dem praxiseigenen Arbeitslabor liefern. Noch besser sei, „wenn der Fachmann gleich im Haus ist“, betont Dr. Poggemeyer. Georg Sava und Dr. Andreas Hubrich sind zwar nur freitags im Haus, „jetzt können wir aber den kurzen Dienstweg nutzen“, sagt Grüner. Die beiden Kardiologen führen eine Gemeinschaftspraxis an der Helios-Klinik in Lengerich. „Da haben wir quasi eine Standleitung nach Westerkappeln“, ergänzt Sava.

Ärztehaus an der Wilkenkampstraße

Im Ärztehaus an der Wilkenkampstraße hat es zuletzt einige Veränderungen gegeben. Der Kardiologe Dr. Matthias Gräfe hat seine Praxis nach Ibbenbüren verlegt, die Kinder- und Jugendpsychiatrische Praxis Petrzik ist an die Osnabrücker Straße umgezogen. Und auch Kinderärztin Dr. Gisela Schulte praktiziert nicht mehr an der Wilkenkampstraße, sondern seit Kurzem über der Hirsch-Apotheke an der Bullerteichstraße. „Wir bieten dafür täglich eine Kindersprechstunde von 8 bis 10 Uhr an“, sagt Dr. Steffen Grüner, einer der vier Allgemeinmediziner im Ärztehaus. „Das heißt, Kinder kommen sofort und ohne Wartezeit zum Arzt.“ Ebenso werde immer donnerstags von 16 bis 18 eine Kindersprechstunde angeboten.Weiter ansässig im Ärztehaus sind Brigitte Meyer mit Schwerpunktpraxis für Diabetologie (Typ 1+2) sowie Irmgard Witschen-Hegge, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Außerdem istWolfgang Thrän, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie im Ärztehaus tätig, daneben ist er dabei, auch den Facharzt in Allgemeinmedizin zu erwerben.

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Die Praxis an der Wilkenkampstraße wurde durch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Westfalen-Lippe offiziell als Filialniederlassung zugelassen. Das sei auch ein Mitverdienst von Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer, die sich sehr für dieses Konstrukt stark gemacht habe, lobt Grüner.

Große Heitmeyer und Georg Sava kennen sich übrigens noch aus „alten Zeiten“, denn die Bürgermeisterin war in ihrem „früheren Leben“ mal Verwaltungschefin im Lengericher Krankenhaus. Dr. Hubrich ist seit Januar Teilhaber der Gemeinschaftspraxis. Zuvor war er als Oberarzt in der St. Elisabeth-Klinik Recklinghausen tätig. „In einer Praxis zu arbeiten ist doch etwas anderes als in einem Krankenhaus“, meint der 49-Jährige. Beiden Kardiologen ist eine Feststellung im Zusammenhang mit der Niederlassung in Westerkappeln wichtig: „Die Patienten in Lengerich werden darunter nicht leiden.“

Hubrich denkt gleichwohl schon über die rein kardiologischen Sprechstunden hinaus: „Es ist in Planung, hier auch ambulante Herzkatheder-Untersuchungen vorzunehmen.“ Man warte auf die Zulassung durch die KV.

Den Wert einer wohnortnahen, fachärztlichen Versorgung streicht Große-Heitmeyer vor allem unter einem Aspekt heraus: „Die Leute werden älter und damit auch immobiler.“

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