Dorfwerkstatt Velpe
Keine utopischen Wünsche

Westerkappeln -

Die Menschen in Velpe und den anderen Ortsteilen im Süden sind bescheiden. Zu diesem Schluss konnte kommen, wer am Dienstag die sogenannte Dorfwerkstatt in der Grundschule Handarpe miterlebt hat. Utopische Wunschvorstellungen sind dort jedenfalls nicht formuliert worden.

Donnerstag, 13.06.2019, 18:00 Uhr
Mehr Stärken als Schwächen, mehr Zielvorstellungen als Besonderheiten hat Dr. Frank Bröckling mit den Teilnehmern der Dorfwerkstatt für das südliche Gemeindegebiet herausgearbeitet.
Mehr Stärken als Schwächen, mehr Zielvorstellungen als Besonderheiten hat Dr. Frank Bröckling mit den Teilnehmern der Dorfwerkstatt für das südliche Gemeindegebiet herausgearbeitet. Foto: Frank Klausmeyer

Vielmehr kamen bei dem Workshop einige Projektideen heraus, die nun im Rahmen der Zukunftswerkstatt Westerkappeln vertieft werden und – wenn möglich – in ein Ortsentwicklungskonzept (OEK) fließen sollen.

Gut 30 Frauen und Männer hatten sich im Lehrerzimmer der Grundschule Handarpe versammelt, um sich darüber Gedanken zu machen, wie der Südbezirk im Jahr 2030 aussehen könnte. „Es ist gut, wenn man weiß, wohin man will“, sagte Dr. Frank Bröckling, Geschäftsführer des Büros Planinvent (Münster), das das OEK erstellt. Beschließen müsse das Papier am Ende der Rat. Dies sei eine Voraussetzung dafür, an Fördermittel zu gelangen, betonte der Diplom-Geograf.

Eine eigene Dorfwerkstatt für die südlichen Gemeindegebiete mache Sinn, damit deren Belange im Prozessverlauf nicht untergehen, sagte Bröckling. Zunächst arbeiteten die Teilnehmer Stärken und Schwächen heraus, wobei die auf bunten Kärtchen notierten Vorteile überwogen. „Für mich ist immer gut, wenn es mehr grüne als rote Kärtchen gibt. Das zeigt, dass man hier erst einmal wohnen bleiben kann“, meinte Bröckling mit einem Augenzwinkern.

Als Stärken wurden unter anderem der Kindergarten St. Barbara und die Grundschule Handarpe, der Sportverein und die Schützenvereine oder der Löschzug Velpe genannt. „Für so einen Ort ist das schon untypisch viel“, kommentierte Bröckling die lange Liste. Schwächen wurden allerdings auch einige genannt; angefangen von der fehlenden Nahversorgung über die schlechte Verkehrsanbindung nach Westerkappeln bis hin zu Defiziten bei der Jugendarbeit. Auch die Vielpoligkeit der Ortsteile wurde eher als Schwäche gesehen.

Übersichtlich blieb auf der Flipchart das Feld für Besonderheiten, die es in Velpe und Umgebung gibt: Natur und Landschaft mit ihrer Erholungsfunktion, die Wassermühle Görtemöller und die Bergbau-Tradition wurden angeführt. Das war es dann aber auch. Weder das Traktorenmuseum, noch der Golfplatz Habichtswald oder der Morgensternschacht scheinen in der Bevölkerung einen besonderen Stellenwert zu genießen.

Gut 30 Frauen und Männer hatten sich im Lehrerzimmer der Grundschule Handarpe versammelt, um sich darüber Gedanken zu machen, wie der Südbezirk im Jahr 2030 aussehen könnte.

Gut 30 Frauen und Männer hatten sich im Lehrerzimmer der Grundschule Handarpe versammelt, um sich darüber Gedanken zu machen, wie der Südbezirk im Jahr 2030 aussehen könnte. Foto: Frank Klausmeyer

Aus Grundlage der Stärken, Schwächen und Besonderheiten wurden von den Teilnehmern Ziele benannt, die verfolgt werden könnten: Dazu gehörten ein durchgängiger Radweg nach Westerkappeln, eine sichere Fuß- und Radwegeverbindung zwischen Velpe und dem Ortfeld, eine Verbesserung der Nahversorgung, das Schaffen von Orten der Begegnung oder eine Wiederbelebung des Bahnhofes in Velpe. „Es sind ein paar dicke Bretter dabei, die es zu bohren gilt“, sagte Bröckling. Das gelte vor allem für die Deutsche Bahn. „Die denkt eher in Generationen.“

Nichtsdestotrotz standen zum Schluss des Workshops einige Projekte auf dem Zettel, die mit Unterstützung von „Paten“ im Rahmen der Zukunftswerkstatt Westerkappeln weiterverfolgt werden sollen. Frank Sundermann, örtlicher Ratsherr und Landtagsabgeordneter der SPD, will beispielsweise eine bessere Vernetzung der Vereine und Institutionen anstoßen. „Ein regelmäßiger Austausch schafft vielleicht schon Lösungen“, glaubt der Politiker.

Die Gründung eines Dorfcafés oder eines Einkauflädchens – vielleicht auch kombiniert – wurde ebenso als Projekt notiert. Dabei waren sich die Beteiligten einig, dass so etwas nur auf genossenschaftlicher oder ehrenamtlicher Basis funktionieren kann. Auch ein öffentlicher Treffpunkt beispielsweise mit Kneipp-Becken oder Boulebahn und ein Spielplatz „Velpe-Mitte“ wurden vorgeschlagen.

Eine großes Dilemma für den Süden ist nach Überzeugung von Pastor Olaf Maeder die Mobilität. „Wenn ich kein Auto habe, habe ich eigentlich keine Möglichkeit, nachhaltig am Leben teilzunehmen.“ Das betreffe vor allem Jugendliche und Senioren. Verschärft werde die Situation durch die viel befahrene Ibbenbürener Straße, die die Ortsteile im Süden nicht nur räumlich zerschneidet, sondern von vielen Bürgern auch als gefährlich empfunden wird.

Ob und was an Ergebnissen der Dorfwerkstatt tatsächlich wie umgesetzt werden kann, ist offen. „Wir sind noch ganz am Anfang des Prozesses“, betonte Bröckling. Wichtig sei, dass die Bürger im Süden sich auch in den anstehenden Arbeitskreisen einbringen.

Arbeitskreise im Überblick

 Dienstag, 25. Juni, 18.30 Uhr, „Altes Gasthaus Schröer“: Arbeitskreis I „Westerkappeln – belebt und vielfältig“ (Themenschwerpunkte Ortskern, Einzelhandel, Gestaltung, Wohnen) Donnerstag, 27. Juni, 18.30 Uhr, „Kuckucks-Nest“: Arbeitskreis II „Westerkappeln – attraktiv und sehenswert“ (Themenschwerpunkte Freizeit, Kultur, Tourismus, Vermarktung) Mittwoch, 3. Juli, 18.30 Uhr, „Kuckucks-Nest“: Arbeitskreis III „Westerkappeln – aktiv und vernetzt“ (Themenschwerpunkte Ehrenamt, bürgerschaftliches Engagement, Jung und Alt)Um Anmeldung zu den Arbeitskreisen wird aus organisatorischen Gründen gebeten bei der Gemeinde, Anke Biehl (E-Mail: , 05404/887-146).

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