Gemeinde will Wirtschaftswege sanieren
300 000 Euro pro Kilometer

Westerkappeln -

Die Gemeinde will dieses und nächstes Jahr fünf Wirtschaftswege sanieren lassen. Genaugenommen geht es um eine Gesamtstrecke von 3961 Meter. Die Kosten werden vom Ingenieurbüro Tovar & Partner (ibt), das auch das Wegekonzept erarbeitet hat, auf 1,157 Millionen Euro geschätzt, also knapp 300 000 Euro pro Kilometer.

Montag, 17.06.2019, 18:00 Uhr
Knapp vier Kilometer Wirtschaftswege will die Gemeinde dieses und nächstes Jahr erneuern.
Knapp vier Kilometer Wirtschaftswege will die Gemeinde dieses und nächstes Jahr erneuern. Foto: WN

Als Faustregel unter Verkehrsexperten gelte, dass ein Kilometer Autobahn bei Neu- und Ausbauprojekten im Schnitt rund zehn Millionen Euro kostet. Das hat das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ vor einiger Zeit bei einer Auswertung des Entwurfs zum Bundesverkehrswegeplan errechnet. Die Sanierung von Wirtschaftswegen ist da deutlich billiger. Gleichwohl muss die Gemeinde Westerkappeln dafür in nächster Zeit einen Millionenbetrag in die Hand nehmen.

Auf Initiative der SPD-Ratsfraktion hatte die Kommune 2017 ein Konzept für ihr 335 Kilometer langes Wegenetz erstellen lassen. Von der Gemeindeprüfungsanstalt gab es dafür ein Lob. Doch leider seien viele Wirtschaftswege in keinem guten Zustand, in den vergangenen Jahren sei der Bilanzwert der Straßen und Wege durch geringe Investitionen gesunken.

Die Gemeinde will dieses und nächstes Jahr nun fünf Wirtschaftswege sanieren lassen. Genaugenommen geht es um eine Gesamtstrecke von 3961 Meter. Die Kosten werden vom Ingenieurbüro Tovar & Partner (ibt), das auch das Wegekonzept erarbeitet hat, auf 1,157 Millionen Euro geschätzt, also knapp 300 000 Euro pro Kilometer. Das Gute: Weil die Kommune ein Wegekonzept hat, kann sie auf Zuschüsse des Landes NRW hoffen – bis zu 70 Prozent. Der Rat hat vergangene Woche beschlossen, schnellstmöglich Förderanträge zu stellen.

Denn die Zeit drängt. Der Zuschüsse würden nach dem Windhundprinzip vergeben, erklärte Bürgermeisterin Annette Große Heitmeyer. „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“

Das Land fordere per Richtlinie eine „nachhaltige Verbesserung der ländlichen Infrastruktur“, erläuterte Stefan Wiermann , Diplom-Ingenieur bei itb. Nachhaltig bedeutet Mindeststandards in Fahrbahnbreite und Ausbauweise. Ein einfache Oberflächenbehandlung – wie sonst oft üblich – reicht nicht. Die Fahrbahn müsse komplett abgefräst und mit neuem Unterbau, Trag- und Deckschicht erneuert werden. Sollte in der vorhandenen Fahrbahn umweltbelastender Teer verbaut sein, könne dieser durch eine Betonummantelung wiederverwendet werden, berichtete Wiemann. „In Niedersachsen muss das als Sonderabfall entsorgt werden.“

Der Fachmann empfahl, bei den Ausbaumaßnahmen den Fokus auf Hauptverbindungswege zu legen. Dazu zählt die Verwaltung kurioserweise auch einen namenlosen, 1216 Meter langen Weg zwischen Westerbecker Straße und Wallenbrock. Das Charmante an dieser Lösung: Dort gibt es eine marode Brücke, die erneuert werden muss. Auch dafür können die Zuschüsse eingesetzt werden. Außerdem sollen die Morgensternstraße (730 Meter), die Straße Hoppenliet (290 und 1325 Meter) sowie der Weg Roter Berg saniert werden.

Mit der Bezirksregierung wurden die Vorhaben schon besprochen. Doch um an Zuschüsse zu kommen, müssen erst einmal ein bürokratischer Pfad beschritten werden. Für jeden Weg sein ein eigener Förderantrag zu stellen, sagte Wiermann. Und für jeden Weg sei ein Baugrundgutachten abzuliefern. Fördermittel würden nach Kostenvoranschlag vergeben. Will heißen: Wird es teurer, gibt es für die Mehrausgaben kein Geld. Deshalb riet der Ingenieur dazu, „nicht zu niedrig zu kalkulieren“. Die Anträge sollten möglichst schnell gestellt werden, weil immer mehr Kommunen auf den Zug aufspringen und damit die Chancen schwinden, Zuschüsse zu bekommen.

Im Rat wurden die Pläne überwiegend begrüßt. Nur die Grünen lehnten die Sanierungsvorschläge ab, „weil zusätzliche Flächen versiegelt werden“, wie Fraktionssprecher Martin Laumann-Stening erklärte. Kritik an der Arbeitsweise der Verwaltung gab es aus den Reihen der SPD . Westerkappeln habe sich mit dem Wegenetzkonzept eine „Pole Position“ erarbeitet, sagte der Fraktionsvorsitzende Frank Sundermann. Andere Kommunen – wie Mettingen – hielten bereits Förderbescheide in den Händen. „Und wir haben noch nicht einmal einen Antrag gestellt.“ Überdies habe es keine Möglichkeit im zuständigen Ausschuss gegeben, das vorzuberaten. Nun müsse es schnell gehen.

Den Vorwurf, die Verwaltung habe nicht zügig genug gearbeitet, wollte Große-Heitmeyer nicht stehen lassen. Erstens habe die Gemeinde noch andere Projekte am Start „und jedes soll so schnell wie möglich umgesetzt werden.“ Außerdem hätten viele Kommunen noch gar keinen Antrag gestellt, sagte die Bürgermeisterin gegenüber den WN. Schützenhilfe bekam die Verwaltungschefin von Wiermann. Die Förderrichtlinien des Landes, auf dessen Grundlage Anträge gestellt werden könnten, stünden ja erst seit Kurzem fest.

Das Schielen auf Fördergelder hält Laumann-Stening für bedenklich. „Da haben wir schon beim Kirchplatz ins Klo gegriffen“, meinte der Grünen-Sprecher mit Hinweis auf einen viel höheren Eigenanteil der Gemeinde als gedacht und erhebliche Kostensteigerungen.

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