Begeisterndes Klavierkonzert auf dem Kulturhof Westerbeck
Standing Ovations für musikalischen Höllenritt

Westerkappeln -

Standing Ovations mitten im Konzert ? Das gibt es üblicherweise nur bei großen Orchesterwerken mit besonderen Solisten. Am Sonntag galten sie aber dem in Teheran geborenen Pianisten Payam Pahlevanian, der das gesamte Konzert allein gestaltete.

Montag, 17.06.2019, 15:20 Uhr aktualisiert: 17.06.2019, 17:47 Uhr
Payam Pahlevanian lieferte am Konzertflügel im Galerie-Café des Kulturhofes Westerbeck eine beeindruckende Vorstellung ab.
Payam Pahlevanian lieferte am Konzertflügel im Galerie-Café des Kulturhofes Westerbeck eine beeindruckende Vorstellung ab. Foto: Sunhild Salaschek

Im Zentrum des Abends auf dem Kulturhof Westerbeck stand seine umjubelte Interpretation der Dante-Sonate von Franz Liszt . In der „Fantasia quasi Sonata après une Lecture de Dante “ durchschreitet Liszt musikalisch das Tor zur Hölle, das der Dichter Dante Alighieri mit der Inschrift versehen hat: „Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!“ Ohne irgendwelche Einleitungsmotive führt Liszt mit dem sogenannten Teufelsintervall, dem Tritonus, den Pahlevian in Oktaven eindrücklich ins Klavier schlug, direkt in „die Stadt der Trauer und des ewigen Schmerzes“.

Pahlevanians Spiel des von Liszt großartig komponierten Infernos beeindruckte aber auch deshalb, weil der Pianist das Publikum nicht ganz unvorbereitet mit der drastischen Höllenfahrt konfrontierte. Kurz erläuterte er den historischen Hintergrund und stellte auch das immer wieder erklingende Höllenmotiv vor. Das steigerte die Vehemenz der Musik und so gab es keinen Zweifel daran, wohin die Reise ging.

Die herausragende Wirkung der Dante-Sonate beruhte aber auch auf dem insgesamt bewundernswerten und raffiniert zusammengestellten Programm: Zwei kleine Sonaten von Domenico Scarlatti zu Beginn waren sehr anregend, obwohl sie als Einführung in ein überwiegend romantisches Konzert erstaunten. Erst im Rückblick zeigte sich, wie geeignet sie wegen ihrer geläufigen Rasanz zum Einhören für das Publikum und natürlich auch zum Einspielen für den Pianisten waren. Danach steigerten die eingängigen Stücke von Frédéric Chopin (Nocturne Op. 8, Impromptu Op. 51, Etüde Op. 10) die Lust der Besucher am Zuhören.

In der folgenden „Dumka“ von Peter Tschaikowsky ging es sogar volkstümlich zu. Mit den auch noch vor der Pause virtuos gestalteten Variationen von Vladimir Horowitz über ein Thema aus der Oper „Carmen“ von George Bizet gab Pahlevanian einen ausgewogenen Einblick in die Vielschichtigkeit des Abends, ehe er die Hörer mit Liszts „vielen bösen Menschen ? Dämonen ? und mit viel zu kurzen Lichtblicken ins Paradies“ konfrontierte.

Aber der Pianist beließ es nicht bei Schrecken und Hoffnungslosigkeit, sondern führte das Publikum mit den beliebten Ungarischen Tänzen 1, 5 und 6 von Johannes Brahms wieder in heitere Gefilde. Im abschließenden „Alla Turca“ von Wolfgang Amadeus Mozart in der Fassung von Arcadi Volodos (1972) blieb bei gesteigertem Schwung die Grundstimmung ähnlich.

So endete ein bravouröses Kräfte zehrendes Konzert von zündender unfassbarer Energie wiederum mit Standing Ovations.

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Deler Saber ist Kurde und Deutscher Staatsbürger und hat früher in Bagdad gelebt und studiert. Vor über 20 Jahren kam er nach Deutschland, seit 2000 lebt er in Münster. Die Stadt, sagt er, sei zu seiner Heimat geworden, die er nicht mehr verlassen will.
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