Eichenprozessionsspinner
Befall hat sich verfünffacht

Westerkappeln -

Verfolgt man die Diskussion in den sozialen Netzwerken erlebt Westerkappeln gerade eine Invasion. Der Eichenprozessionsspinner (EPS) ist überall: An zahllosen Bäumen in Velpe sollen die Raupen des Nachtfalters krabbeln. In Westerbeck sei nahezu jede Eiche befallen sein, schreibt ein Mitglied der „Facebook“-Gruppe Westerkappeln. Täglich gingen bis zu 200 Meldungen im Rathaus ein.

Mittwoch, 19.06.2019, 13:52 Uhr aktualisiert: 19.06.2019, 14:42 Uhr
Die Gemeinde weist – wie hier am Sünnenkamp – mit Warnschildern auf den Eichenprozessionsspinner hin.
Die Gemeinde weist – wie hier am Sünnenkamp – mit Warnschildern auf den Eichenprozessionsspinner hin. Foto: Frank Klausmeyer

Ganz so viele Anrufe sind es dann wohl doch nicht, Fakt ist aber: Der EPS scheint sich zu einer regelrechten Plage zu entwickeln. „Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die gemeldeten Fälle fast verfünffacht“, berichtet Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer . 2018 seien es 16 Fälle gewesen, dieses Jahr schon 76. „Wenn wir einen Befall im öffentlichen Raum feststellen, reagieren wir sofort“, versichert Große-Heitmeyer. Der Umweltbeauftragte Friedhelm Wilbrand fahre regelmäßig durch die Gemeinde und kontrolliere die Bäume. Teilweise hat die Gemeinde, wie am Sünnenkamp, Warnschilder aufgestellt. Insbesondere auf Spielplätzen, an Bushaltestellen oder am Freibad seien schon Nester entfernt worden.

Viele Bürger wissen nicht, wie sie mit dem Schädling umgehen soll. Der Kontakt mit den Brennhaaren der Raube kann zu allergischen, teilweise schmerzhaften Hautausschlägen oder zu einer Reizung der Atemwege führen. Erst einmal Abstand halten, ist zunächst der beste Ratschlag. Die Beseitigung der Gespinstnester – am besten durch einen Fachmann – ist eine Lösung. Auf privaten Grundstücken müssten sich die Eigentümer aber selbst um die Bekämpfung kümmern. Erstens sei der logistische Aufwand viel zu groß, als dass die Kommune auch dort aktiv werden könne, sagt Große-Heitmeyer. Zweitens sei das auch eine finanzielle Frage. „Da wären wir schnell im sechsstelligen Bereich“, gibt die Verwaltungschefin zu bedenken.

Was man über den Eichenprozessionsspinner wissen sollte

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  • Im Münsterland breitet sich der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr besonders aus. Der Körper der bis zu fünf Zentimeter langen Raupe ist mit gefährlichen Brennhaaren übersät. Die Raupe ist an einem schwarz-braunen Streifen auf dem Rücken zu erkennen.

    Foto: Patrick Pleul (dpa)
  • Hauptsächlich an Eichen, manchmal aber auch an Hainbuchen spinnen die Raupen ihre Nester.

    Foto: Michael Schwakenberg
  • Aus Gelegen von 100 bis 200 Eiern schlüpfen Anfang Mai kleine Larven, die bis zur Verpuppung fünf bis sechs Stadien durchlaufen. Nach der Verpuppung ist das Tier ein brauner, unscheinbarer Nachtfalter.

    Foto: Bodo Marks (dpa)
  • Im „Gänsemarsch“ gehen die Raupen auf die Suche nach Nahrung – bevorzugt Eichenblätter. Durch diese „Prozession“ sind die Tiere zu ihrem Namen gekommen.

    Foto: Peter Roggenthin (dpa)
  • Ab dem dritten Stadium entwickeln sich bei den Larven Brennhaare mit Widerhaken, die ein Nesselgift (Thaumetopoein) enthalten. Bei unmittelbarem Kontakt kann das zu Hautentzündungen führen, bei empfindlichen Menschen auch zu allergischen Reaktionen. Typische Symptome sind Juckreiz, Hautrötung und Bläschen. Die Beschwerden klingen meist nach wenigen Tagen ab.

    Foto: Bernd Schäfer
  • Wer ein Nest entdeckt, sollte es deshalb nicht anfassen, sondern eine Fachfirma mit der Entfernung beauftragen, raten Behörden.

    Foto: hbm
  • So sieht ein entferntes Nest aus. Hohe Temperaturen und wenig Regen im Mai und Juni haben die Verbreitung der Raupen in diesem Jahr begünstigt.

    Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Der Landschaftsgärtner-Betrieb Stockreiter aus Mettingen, der auch nach Westerkappeln ausrückt, stellt für einen Einsatz von zwei Männern und Gerätschaften inklusive Entsorgungskosten und Mehrwertsteuer 339,15 Euro pro Einsatzstunde in Rechnung, wie dem Angebot auf der Homepage zu entnehmen ist. Da nimmt manch Grundstückseigentümer die Bekämpfung der Raupen mit dem Gasflämmer oder anders vermutlich lieber selbst in die Hand oder macht einen weiten Bogen um den EPS.

Auch wenn die Gemeinde auf privaten Grund nicht aktiv wird, bittet sie trotzdem darum, jeden Befall zu melden, „damit wir einen Überblick über die Ausbreitung zu bekommen“, sagt die Bürgermeisterin. Auf dieser Grundlage könne man dann vielleicht auch Überlegungen anstellen, ob und wie künftig die Vermehrung präventiv eingedämmt werden kann. Ansonsten gilt für Große-Heitmeyer die Devise: „Was weg ist, kann sich nicht mehr vermehren.“

Dabei könnte der Mensch auch auf natürliche Verbündete setzen. Zu den Gegenspielern gehören nach Angaben des Naturschutzbundes (Nabu) Deutschland der Wiedehopf und vor allem der Kuckuck, die beide allerdings nicht in Schwärmen auftreten. Auf dem Speiseplan steht der EPS überdies beim Großen Puppenräuber – eine Käferart. Schlupf- und Brackwespen wirken dagegen parasitär, indem sich ihre Larven im Inneren der Raupen – wie auch in denen anderer Schmetterlingsarten – entwickeln.

Ende Juni ist der Spuk – für dieses Jahr – vorbei. Nach der dann eintretenden Verpuppung und einer drei- bis sechswöchigen Puppenruhe schlüpfen dann im August die Falter, die allerdings nur eine kurze Lebensdauer von wenigen Tagen haben – wenn sie denn nicht gleich von Fledermäusen und Vögeln gefressen werden, die auf Jagd sind.

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