Workshop zur Jugendarbeit in Westerkappeln
Viele gute Ideen geschmiedet

Westerkappeln -

Manche Vorschläge lassen sich ohne großes Palaver im Rat und seinen Ausschüssen verwirklichen. Die Teestube Velpe soll bald eine Überdachung bekommen, damit die Besucher auch bei Regenwetter mal vor der Tür quatschen oder eine Zigarette rauchen können. Die Top-Idee des Workshops zur Jugendarbeit im Foyer der Gesamtschule wurde an Ort und Stelle mit einem Startkapital von 2000 Euro prämiert.

Mittwoch, 19.06.2019, 18:00 Uhr
An vier Tischen wurde in Kleingruppen über vier Themenfelder diskutiert. Ideen wurden sofort – wie hier von Kreisjugendpfleger Ludger Vorndieck – auf den Tisch geschrieben.Für die Top-Idee des Abends wurden Punkte vergeben. Die meisten gab es für eine Überdachung an der Teestube Velpe.
An vier Tischen wurde in Kleingruppen über vier Themenfelder diskutiert. Ideen wurden sofort – wie hier von Kreisjugendpfleger Ludger Vorndieck – auf den Tisch geschrieben.Für die Top-Idee des Abends wurden Punkte vergeben. Die meisten gab es für eine Überdachung an der Teestube Velpe. Foto: Frank Klausmeyer

Die sogenannte Ideenschmiede, zu der das Kreisjugendamt und die Gemeinde Westerkappeln eingeladen hatten, wurde ihrem Namen gerecht. Bei gleichermaßen lockeren wie ernsthaften Gesprächen wurden zahlreiche Vorschläge entwickelt, wie die Jugendarbeit in Westerkappeln verbessert werden kann. „Da sind sehr konkrete Ideen herausgekommen“, freut sich Kreisjugendpfleger Ludger Vorndieck über den Verlauf des Abends.

Dieser war so etwas wie die Fortsetzung der groß angelegten Regionalanalyse, in deren Rahmen sich im Frühjahr fünf Mitarbeiter des Vereins Mediencooperative Steinfurt (Medico) für diverse Befragungen auf den Weg gemacht hatten. Die Resonanz sei „wirklich klasse“ gewesen, meinte nicht nur Sozialamtsleiter Günter Rahmeier, der die Regionalanalyse für die Verwaltung begleitete. Insgesamt kamen 670 von Jugendlichen ausgefüllte Fragebögen zurück. Knapp 100 Jugendliche hatten sich an einer Online-Umfrage beteiligt. Dazu kamen 14 Gespräche mit Experten aus der Kinder- und Jugendarbeit sowie 37 Blitzinterviews auf der Straße. Die bei der Auswertung gewonnenen Erkenntnisse hätten sich bei der Ideenschmiede „absolut gespiegelt“, meint Vorndieck im Nachgang.

Einige Aussagen aus der Regionalanalyse.

Einige Aussagen aus der Regionalanalyse. Foto: Frank Klausmeyer

Große Vorreden gab´s am Dienstag nicht. An vier Tischen – moderiert von Vorndieck sowie den Jugendsozialarbeitern Mirko Harmel, Stella Quandt und Elvira Sumin – wurde über die Themenbereiche „Freizeit“, „Öffentlicher Raum“, „Mobilität“ und „Anerkennung der Jugendlichen“ diskutiert. Mit rund 45 Teilnehmern saßen nicht zu viele und nicht zu wenige Leute an den Tischen. „Das passt“, meinte Rahmeier.

Unter die zumeist Jugendlichen mischten sich auch einige, überwiegend ergraute Mitglieder des Rates. Das war so gewollt, wenngleich Wolfgang Jonas (CDU) mahnte, „den Jugendlichen mehr Zeit zum Reden zu geben. Hier reden immer nur die Politiker.“

Doch das war nur eine Momentaufnahme. Denn bei den Tischgesprächen hatten die jungen Leute viel zu sagen: Da ging es um fehlende Öffnungszeiten des „JoyZ“ an den Wochenenden. Angebote für Mädchen in den Jugendtreffs wurden vermisst. Da wurden mehr Beteiligungsmöglichkeiten für Jugendliche gefordert; vielleicht in Form eines Jugendparlaments. Es ging um eine Skaterbahn und um ein Basketballfeld oder einfach nur um einen „Platz der Jugend“, wo man sich vorurteilsfrei aufhalten kann. Und erwartungsgemäß wurden auch fehlende Busverbindungen von Velpe nach Westerkappeln und zurück – insbesondere abends und an den Wochenenden – beklagt.

Die jungen Leute hatten viel zu sagen.

Die jungen Leute hatten viel zu sagen. Foto: Frank Klausmeyer

Alle konstruktiven Vorschläge wurden an Ort und Stelle auf den Tisch geschrieben und schließlich an eine Stellwand gepinnt. Daraus durften die Teilnehmer die Top-Idee des Abends küren. Jeder hatte drei Punkte zu vergeben. Die meisten gab es für die Überdachung an der Teestube – ein Projekt, dass sich relativ schnell umsetzen lässt.

Knapp dahinter lag die Einstellung eines Streetworkers. Hier ist das Kreisjugendamt schon einen Schritt weiter. Zusammen mit den Gemeinden Westerkappln und Mettingen sei ein entsprechender Antrag beim Land NRW gestellt worden, berichtet Vorndieck. „Wir warten auf die Bewilligung.“

Auch Mobilität war ein Thema.

Auch Mobilität war ein Thema. Foto: Frank Klausmeyer

Gut im Rennen lagen am Dienstag bei der Abstimmung auch der Bau einer Skaterbahn, die Einrichtung eines Jugendparlaments und eines Jugendbusses. Vorgeschlagen wurden überdies eine eigene Abteilung für Jugendarbeit im Rathaus, ein Jugendcafé im Ort und die Schaffung eines Jugendzentrums an anderer Stelle mit allem Drumherum wie Bänke oder Grillplatz.

Die Top-Ideen des Abends

Die Top-Ideen des Abends Foto: Gemeinde Westerkappeln

All diese Ideen sollen weiterverfolgt werden, versichert Vorndieck. Die Vorschläge würden nun dokumentiert und zusammen mit den Ergebnissen der Regionalanalyse auf die Tagesordnung des nächsten Jugendausschusses im Oktober gesetzt werden. Auch in das in Arbeit befindliche Ortsentwicklungskonzept sollen die Ergebnisse einfließen, hatte Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer schon im Vorfeld zugesichert. „Wir müssen so weitermachen“, gibt Vorndieck die Richtung vor.

In der Gemeinde Lotte werde gerade versucht, einen Jugendbeauftragten „ins Spiel zu bringen“, berichtet der Kreisjugendpfleger. Vielleicht sei auch das eine Idee für Westerkappeln. In Bayern und Baden-Württemberg sei das sogar in den Gemeindeordnungen verankert.

Kommentar: Jugendliche machen lassen

Wenn die Regionalanalyse und die Ideenschmiede zur Jugendarbeit eines gezeigt haben, dann ist es die Bereitschaft junger Leute, sich und ihre Sichtweisen einzubringen. Dafür muss man sie aber auch lassen – auf breiter Basis. Was spricht eigentlich gegen einen gesonderten Jugendausschuss, in dem alle Institutionen und Vereine der Gemeinde durch jeweils einen sachkundigen Bürger mit Sitz und Stimmrecht vertreten sind. Der Rat als ganzer würde dadurch nicht ausgehebelt. Die Meinung der Betroffenen hätte aber mehr Gewicht.Viele junge Leute wollen teilhaben an der Gestaltung ihres Lebensumfeldes und an der Politik. Man muss sie aber auch lassen und das nicht sortiert nach schwarz, rot grün oder gelb.

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