Der Digitalpakt und die Gesamtschule Lotte-Westerkappeln
„Das ist absolute Teamarbeit“

Lotte/Westerkappeln -

Der Digitalpakt von Bund und Ländern ist seit Mitte Mai in trockenen Tüchern, jetzt geht es an die Umsetzung. NRW bekommt aus dem Fonds rund eine Milliarde Euro bis 2024. Das sind etwa 500 Euro pro Schüler.

Dienstag, 25.06.2019, 06:44 Uhr aktualisiert: 25.06.2019, 06:50 Uhr
Die Klassenzimmer der Gesamtschule an den Standorten in Lotte und Westerkappeln sollen digital werden – unter anderem mit iPads für jeden Schüler. Insgesamt ist noch eine Menge zu tun.
Die Klassenzimmer der Gesamtschule an den Standorten in Lotte und Westerkappeln sollen digital werden – unter anderem mit iPads für jeden Schüler. Insgesamt ist noch eine Menge zu tun. Foto: dpa

Im Interview erläutert der stellvertretende Leiter der Gesamtschule Lotte-Westerkappeln (Gelowe), Stefan Verlemann , wie es an seiner Schule konkret weitergeht.

Eine Voraussetzung für die Förderung digitaler Klassenzimmer an der Gesamtschule Lotte-Westerkappeln ist der Medienentwicklungsplan Ihrer Schule. Wie weit ist das Konzept gediehen?

Verlemann: Der Medienentwicklungsplan besteht aus dem pädagogischen Teil und dem technischen Teil, der die Infrastruktur und Ausstattung beinhaltet. Wir arbeiten schon seit einiger Zeit mit der KAAW (Kommunale ADV-Anwendergemeinschaft West, Red.) zusammen und haben seit Beginn des Schuljahres regelmäßig einen Mitarbeiter der KAAW im Haus. Die KAAW hat die Bestandsaufnahme bereits abgeschlossen und Empfehlungen gegeben. Diese betreffen zum Beispiel die Basisinfrastruktur wie den Glasfaseranschluss oder die Zahl und Position von Steckdosen in den Klassenräumen. Was das pädagogische Konzept angeht, sind vom Land sechs Kompetenzbereiche vorgegeben, die im Wesentlichen das Lernen mit und über Medien thematisieren. So könnte zum Beispiel im Fach Gesellschaftslehre das Thema Fake News behandelt werden. Grundsätzlich sollen alle Kompetenzen abgedeckt sein, wobei das eine fächerübergreifende Aufgabe ist. Wir nähern uns diesem Ziel von zwei Seiten: Zum einen haben wir schon eine ganz gute Grundausstattung, die wie gerade zum Beispiel mit iPads erweitern, sodass die Kollegen Erfahrungen damit sammeln und in ihrem Unterricht praktische Einsatzmöglichkeiten ausprobieren können. Zum Beispiel werden im fach Naturwissenschaften Recherchen mit iPads durchgeführt und Ergebnispräsentationen mit Powerpoint gestaltet. Zum anderen werden aus den Lehrplänen und deren Umsetzung heraus Bedarfe an digitaler Ausstattung und Software abgeleitet. Hier bieten digitale Medien und mobile Endgeräte im Hinblick auf die notwendige Differenzierung und Individualisierung an einer Gesamtschule ein enormes Potenzial. Auch die Erneuerungszyklen gehören da rein. Für uns als Schule ist wichtig, dass die IT kein Selbstzweck ist. Auch wird der Medienentwicklungsplan nicht irgendwann fertig sein, sondern muss immer weiter entwickelt werden. Um die Gelder aber erst einmal abrufen zu können, sind im ersten Schritt klare Aussagen für eine sinnvolle Verwendung nötig.

Wer hat daran mitgewirkt und welches sind die wichtigsten Ziele?

Verlemann: Wir wollen einen nachhaltigen und sinnvollen Einsatz von Medien. Nachhaltig nicht nur im ökologischen Sinn, sondern auch im Hinblick auf die Wirkung. Der Einsatz digitaler Geräte muss einen Mehrwert haben und so alltäglich werden, wie es etwa          auch im späteren Berufsleben der Fall ist. Auf schulischer Seite wirken fünf Personen an einer Arbeitsgruppe Medien mit, alles Lehrer, und die Vertretung der Schulleitung.

Wer koordiniert die Weiterentwicklung des Medienkonzeptes?

Verlemann: Koordinator der Arbeitsgruppe Medien ist Jens Schütte, ein Lehrer. Er erstellt federführend das Medienkonzept. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe arbeiten gemeinsam an den einzelnen Bausteinen des Medienkonzeptes, erproben verschiedene Einsatzmöglichkeiten, sammeln Ideen und sind Multiplikatoren und Ansprechpartner für das Kollegium. Mario Hermann von der KAAW ist als Berater ebenfalls teil der Arbeitsgruppe. Er kümmert sich um die technische Umsetzung innerhalb der Schul-IT. Darüber hinaus ist der Schulträger mit seinen IT-Abteilungen mit im Boot. Da alles gut koordiniert sein muss, finden regelmäßige Treffen in verschieden großen Runden statt, um die nächsten Schritte abzugleichen.

Die Förderung mobiler Endgeräte ist ja nur in Ausnahmefällen vorgesehen. Wie könnten bei einer verpflichtenden Einführung von Tablets/iPads in der Oberstufe Schüler bei der Anschaffung finanziell entlastet werden?

Verlemann: Die Finanzierung mobiler Endgeräte muss man losgelöst vom Digitalpakt betrachten, da die Endgeräte den Schülern gehören sollten. Wir haben uns die Finanzierungsmöglichkeiten an anderen Schulen, zum Beispiel der Gesamtschule Münster-Mitte, angesehen. Da gibt es ein dreistufiges Modell: Vollanschaffung durch die Eltern zu leicht vergünstigten Preisen, Leasing oder Ratenzahlung mit einer Abschlagszahlung, wenn das Geräte behalten werden soll, und schließlich ein Leasingmodell mit Unterstützung des Fördervereins, der die Geräte anschafft und dann an die Schüler verleiht oder sie subventioniert. Der Preis von 300 Euro pro Gerät ist außerdem relativ günstig, wenn man bedenkt, dass die Schüler ohnehin in der Oberstufe einen Grafik tauglichen Taschenrechner anschaffen müssten, der zwischen 100 und 120 Euro kostet. Der würde dann wegfallen, weil er durch das iPad ersetzt würde. Dazu kommt, dass alles andere, die Software beziehungsweise Apps wie das Office-Paket kostenlos von der Schule zur Verfügung gestellt werden, sodass die Schüler auch Zuhause damit arbeiten können. So sollen alle Schüler gleiche Voraussetzungen erhalten, unabhängig von ihrem finanziellen Background. Nicht vergessen sollte man auch, dass die Schüler die iPads auch privat nutzen können; es gibt einen Schulmodus und einen „Privatmodus“. Dies wird automatisch über das WLAN gesteuert. Und nach dem Abitur können sie das Gerät behalten. Die Anschaffung steht also in einem guten Verhältnis zum Nutzen.

Welches sind jetzt die nächsten konkreten Schritte?

Verlemann: Der nächste große Schritt ist die Infrastruktur in Westerkappeln, also die Etablierung eines Glasfaseranschlusses und flächendeckendes WLAN als Basis für die Vernetzung – auch und insbesondere der Lehrerarbeitsplätze. Geplant ist das zu Beginn des neuen Kalenderjahres. Für eine Schule mit zwei Standorten ist die Digitalisierung und Vernetzung auch eine Notwendigkeit für effektives Arbeiten. Wir haben daher jetzt IServ eingeführt. Das ist ein eigener Schulserver und eine pädagogische Plattform mit vielen Modulen und Tools, auf die Lehrer und Schüler von überall zugreifen können. Jetzt steht die Grundkonfiguration an. Zu Beginn des neuen Schuljahres erhalten alle Schüler und alle Lehrer einen eigenen Log-in. Das ist ein ganz wichtiger Baustein. Außerdem werden wir nach den Sommerferien komplett aufs digitale Klassenbuch umsteigen. Im Moment führen wir zusätzlich zum digitalen noch analoge Klassenbücher.

Wie sollen der pädagogische und technische Support vor Ort ablaufen?

Verlemann: Nach dem Auslaufen der Haupt- und Realschule werden wir das nächste halbe Jahr erst einmal die Schul-IT genau analysieren und wo es notwendig ist, neu strukturieren. Dabei stehen Entscheidungen an, ob und wie man die Computerräume in Zukunft nutzen kann. Parallel dazu müssen wir ein gestuftes Support-System aufbauen. Ansprechpartner für den pädagogischen Support ist die Arbeitsgruppe. Es wird einmal im Jahr einen Fortbildungstag geben und ganz viele kleine, bedarfs- und zielgruppenorientierte Mini-Fortbildungen. Was den technischen Support betrifft, ist klar: je mehr Geräte, desto mehr Support-Bedarf. Da ist uns die KAAW eine große Stütze. Sie und ein privater IT-Dienstleister sorgen für den Second Level Support, also die Lösung komplexerer technischer Probleme. Beim First Level Support, also der ersten Diagnose und einfachen Problembehebung -wenn zum Beispiel der Drucker nicht funktioniert - haben wir noch eine Lücke. Diese Frage muss noch abschließend geklärt werden. Die Entscheidung für iPads liegt aber auch in diesem Zusammenhang nahe, weil sich diese auch von Laien intuitiv gut bedienen lassen. Der Support muss in jedem Fall auf vielen Füßen stehen: das ist eine absolute Teamarbeit.

Haben Sie schon einen Förderantrag gestellt?

Verlemann: Es gibt noch kein Formular dafür. Bis zu den Ferien werden wir mit dem Träger und IT-Beratern zusammensitzen, um alles so weit vorzubereiten, dass wir sofort starten können, wenn die Antragsformulare vorliegen.

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