Regensburger Domspatzen begeistern auf dem Kulturhof
Ein Abend mit viel Nachklang

Westerkappeln -

Der Kulturhof Westerbeck erlebte am Sonntag einen Abend der Überraschungen und Emotionen. Das erste Signal setzte der Gastgeber selbst: Raimund Beckmann – ehemaliger Domchorsänger von Osnabrück – schloss seine Publikumsbegrüßung mit einer gregorianischen Choral-Introduktion, die aus dem Hintergrund von unsichtbaren Geistern stimmgewaltig beantwortet wurde.

Dienstag, 09.07.2019, 16:44 Uhr aktualisiert: 10.07.2019, 11:06 Uhr
Zum Schluss gab es stehenden Applaus vom wieder mal vollen Haus – diesmal aber für die Hausherrin Barbara Beckmann, die den Kulturhof 16 Jahre lang mitgetragen und ihrem Mann (Mitte) den Rücken freigehalten hat. Rechts die beiden Musiker Kilian Langrieger (Piano) und Leon Dreher (Tenor).
Zum Schluss gab es stehenden Applaus vom wieder mal vollen Haus – diesmal aber für die Hausherrin Barbara Beckmann, die den Kulturhof 16 Jahre lang mitgetragen und ihrem Mann (Mitte) den Rücken freigehalten hat. Rechts die beiden Musiker Kilian Langrieger (Piano) und Leon Dreher (Tenor). Foto: Hannelore Heimpold

Beim gemeinsamen Halleluja erschienen die Stimmen dann leibhaftig links und rechts der Bühne aus dem Backstage und entpuppten sich als Leon Dreher & Kilian Langrieger aus der Männerriege der Regensburger Domspatzen .

Mit ihrem ersten Liederzyklus – „Die schöne Müllerin“ von Franz Schubert - zeigten sich Ausbildung und Herkunft der beiden Musiker sofort auf beeindruckende Weise: Geschmeidig weich schwebte die Tenorstimme von Leon Dreher auf den einfühlsam angetriebenen musikalischen Wellen des Pianisten Kilian Langrieger. Während der Pianist als Liedbegleiter den Sänger mit eigener Zurückhaltung trug, brillierte er beim anschließenden Solo – die „Widmung“, ein Liebeslied von Robert Schumann – umso mehr.

Bravo-Rufe des erstaunten Publikums belohnten das Spiel des zweimaligen Siegers italienischer Pianisten-Wettbewerbe – er studiert dort seit sechs Monaten in Trient.

Leon Dreher stand diesem Können in nichts nach, als er mit Schumanns „Belsazar“ den ersten Konzertteil mit hochdramatischer Ausdrucksform beschloss.

Raimund Beckmann nutzte die Pause, um einen „Stabwechsel“ auf dem Kulturhof zu verkünden. Das traf viele der langjährigen Kulturfreunde wie ein Paukenschlag.

Doch entspannte sich die Lage, als er die Neuen - Andrea und Ylan Zopf – auf die Bühne bat und dem staunenden Publikum als motivierte Junge Generation vorstellte. Ylan Zopf beschwichtigte seinerseits, dass die „Intendanz“ weiter bei Raimund Beckmann bleiben möge – auch wenn der Kulturkreis eventuell erweitert werde. Es bestehe gegenseitiges Einvernehmen, dass der vom Publikum bisher erlebte Anspruch gehalten werden soll. – Es bleibt also spannend auf dem Kulturhof!

Den zweiten Teil des Konzertes bestimmte Johannes Brahms zunächst mit dem Zyklus „Deutsche Volkslieder“ und danach mit einer Liedauswahl, die inniger kaum sein und vorgetragen werden konnte. Von „Feldeinsamkeit“ bis „Wie bist Du, meine Königin“ gestaltete Leon Dreher einen gesanglich tief empfundenen Gefühlsreichtum.

Der Abend endete mit einer unerwarteten Geste, als der Pianist dem Gastgeber bei seiner Dankesrede ins Wort fiel und auch die Gastgeberin auf die Bühne holte, um den erhaltenen Applaus respektvoll mit den Gastgebern zu teilen.

Gefühlt minutenlanger, stehender Applaus des vollen Hauses würdigte Beckmanns jahrelangen Einsatz für die Kultur auf dem Lande, für Kunst, Musik und ihr menschliches Miteinander. In den berührten Gesichtern des Ehepaares Beckmann meinten die Optimisten ein „Weiter so“ entdeckt zu haben.

Zwei Blumensträuße erreichten zwei Zugaben: Das italienische „Ultima Canzone“ – letztes Lied - und – auf Wunsch des Gastgebers als Dank an seine Frau – „Come again sweet love“ von John Dowland. – Dem war nichts hinzuzufügen – ein Abend mit viel Nachklang.

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