Gesamtschüler arbeiten mit 3-D-Drucker
„Große Heizung – kleine Düse“

Westerkappeln/Lotte -

Die Idee ist abgeschaut, die Umsetzung an einer Schule aber innovativ und eher selten. Die Gesamtschule Lotte-Westerkappeln hat am Standort Wersen ein 3-D-Druckstudio eingerichtet. Ermöglicht worden ist das unter anderem mit einem Preisgeld der Adelheid-Windmöller-Stiftung.

Mittwoch, 10.07.2019, 20:00 Uhr
Was druckt denn da? Kieran Smith, Tom Adomeit und Leander Schöne (von links) beobachten den 3D-Drucker bei der Arbeit, in diesem Fall, wie er ein Schild für das Druckstudio erstellt.
Was druckt denn da? Kieran Smith, Tom Adomeit und Leander Schöne (von links) beobachten den 3D-Drucker bei der Arbeit, in diesem Fall, wie er ein Schild für das Druckstudio erstellt. Foto: Frank Klausmeyer

Aber der Reihe nach: Im Jahr 2018 nahmen unter anderen Kieran Smith, Leander Schöne und Tom Adomeit als Team der Gesamtschule an der Deutschen Robotik-Meisterschaft in Passau teil und konstruierten dabei eine Anlage zum Thema Fotovoltaik. „Unsere Teile waren damals handgefertigt, oft aus Holz und funktionierten immerhin“, berichten die heute 14-Jährigen von dieser Erfahrung.

Aber ein bisschen neidisch schauten sie trotzdem auf die Mitbewerber um den Titel: „Bei denen war alles passgenau – aus dem 3-D-Drucker“, sagen sie über das Teilnehmerfeld.

Und da die Schule sowieso bei dem Thema Robotik aktiv ist und war, lag die Lösung natürlich nahe: Die Schule brauchte eigene 3-D-Drucker. Wie aber sollte das Projekt finanziert werden ? Auch hier erarbeiteten die drei technikaffinen Schüler eine Lösung: Sie wussten von der Preisauslobung der Adelheid-Windmöller-Stiftung in Lengerich, die jedes Jahr drei Projekte aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft oder Technik (Mint) mit jeweils 2500 Euro fördert. Also entwickelten sie ein Konzept für ihr Druckstudio, stellten es der Jury in einer zehnminütigen Präsentation vor und gewannen schließlich im September 2018 einen der Preise.

Nun stellten sie die frisch renovierten Räume im Keller des Schulstandorts in Wersen gemeinsam mit ihrem Lehrer Thorsten Freese , Florian Günther aus dem Vorstand der Stiftung und Jens Konermann, Wirtschaftsförderer des Kreises Steinfurt und seinerzeit Mitglied der die Preise vergebenden Jury, vor.

Ironie der Geschichte: Früher war dort das Fotolabor der Schule untergebracht, das in Zeiten digitaler Bildgebung schon lange überflüssig geworden war.

„Wir haben hier zehn Arbeitsplätze mit jeweils einem 3-D-Drucker und einem Notebook“, führte Pädagoge Thorsten Freese das Druckstudio vor. Am Rechner können die Schüler mittels CAD-Programm (Computer Aided Design, also rechnergestütztes Konstruieren), das laut Lehrkraft mit dem richtigen Programm kinderleicht zu lernen ist, Objekte selbst konstruieren, dann berechnen lassen und schließlich am Drucker entshene zu lassen. Das Besondere an den Druckern, die die Schule erworben hat: „Wir haben darauf geachtet, dass der Druckkopf, der ja eigentlich nichts weiter als eine große Heizung, die das Plastik schmilzt, und eine kleine Düse, die es dann in Form spritzt, ist, von uns selbst gewartet werden können“, berichtete Thorsten Freese. Außerdem könnten die Druckköpfe ausgetauscht werden und ein Laser oder eine CNC-Fräse (Computerized Numeric Control, also ein computergesteuertes Gerät, das die Daten aus dem CAD verarbeiten kann) angebracht und so die Einsatzmöglichkeiten erweitert werden.

„Wir haben in den drei Wochen, die das Studio nun eingerichtet ist, etwa schon ein fehlendes Teil für einen Zauberwürfel konstruiert und dann ausgedruckt“, erzählte Leander Schöne stolz, „denn so ein Ersatzteil kann man ja nirgendwo kaufen.“ Aber auch Modelle für Turbinen, Trinkbecher oder Stiftehalter sind so im 3-D-Druckstudio schon entstanden. Im Prinzip, so Lehrer und Schüler einstimmig, seien die Möglichkeiten endlos. Auch eine Kooperation mit der Schülerfirma, die etwa selbst gedruckte Chips für Einkaufswagen aus dem Druckstudio vermarkten könne, sei angedacht.

Schon im kommenden Schuljahr wird das Studio rund 20 Schulstunden jede Woche belegt sein. Arbeitsgemeinschaften, die Technikklasse und interessierte Schüler werden dann den neuen Klassenraum nutzen. „Für die Arbeitsgemeinschaften hatten wir 20 Plätze zur Verfügung“, sagte Lehrer Thorsten Freese, „aber 40 Schüler hatten sich dafür angemeldet.“ Dass das Angebot so gut laufen würde, damit hatte der Pädagoge nach eigenen Angaben nicht gerechnet.

Auch die Vertreter der Stiftung zeigten sich angetan: „Wir erleben das relativ häufig, dass aus unserer Anschub-Finanzierung etwas Langfristiges und Nachhaltiges entsteht“, sagte Florian Günther. Er und Jens Konermann zeigten sich über das breite Spektrum an Mint-Wissen begeistert, das so vermittelt wird.

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