Ende einer Großbaustelle
Brücke am Lotter Kreuz nach zwei Jahren fertig

Lotte -

Nach zwei Jahren ist es geschafft: Das Ersatzbauwerk über der A 1 am Lotter Kreuz ist fertig. Für Autofahrer bedeutet das: endlich wieder freie Fahrt. Bauleiter Bernd Heine hat die Bauzeit intensiv miterlebt – und wird sich noch lange daran erinnern.

Mittwoch, 10.07.2019, 18:20 Uhr aktualisiert: 10.07.2019, 19:59 Uhr
Am Wochenende wurden unter dem Ersatzbauwerk am Lotter Kreuz noch Restarbeiten durchgeführt. Danach hieß es: freie Fahrt. Die Stunde der Bagger: Das alte Brückenbauwerk war abgängig. Brückenbauer: Bauingenieur Bernd Heine leitete das Großprojekt.
Am Wochenende wurden unter dem Ersatzbauwerk am Lotter Kreuz noch Restarbeiten durchgeführt. Danach hieß es: freie Fahrt. Die Stunde der Bagger: Das alte Brückenbauwerk war abgängig. Brückenbauer: Bauingenieur Bernd Heine leitete das Großprojekt. Foto: Jörn Martens

Wo es sonst nach Gummiabrieb und Abgasen stinkt, mischte sich am Wochenende der Geruch von frischem Asphalt mit dem von Bratwürstchen und Grillfleisch: Auf der A1 unter dem Ersatzbauwerk am Lotter Kreuz, das vorerst zum letzten Mal für den Verkehr gesperrt worden ist, stärken sich die Bauarbeiter gerade für die letzten Restarbeiten. Die Stimmung unter den Männern ist gut. Bernd Heines Laune ebenfalls. Seit zwei Jahren leitet der Bauingenieur dieses Großprojekt. Erleichterung macht sich breit bei ihm, wenn er daran denkt, dass es jetzt beendet ist – doch es kommt auch ein bisschen Wehmut auf.

„Ich habe ein lachendes und ein weinendes Auge“, sagt Heine, als er auf der leeren Autobahn steht und sich die neue Brücke von unten ansieht. „Ein lachendes, weil wir in der Zeit geblieben sind, es keine größeren Probleme gab und es wieder eine Baustelle weniger ist. Und ein weinendes, weil die Zusammenarbeit mit den anderen Firmen klasse war. Das habe ich auch schon anders erlebt.“

Die Stunde der Bagger: Das alte Brückenbauwerk war abgängig.

Die Stunde der Bagger: Das alte Brückenbauwerk war abgängig. Foto: Swaantje Hehmann

Fahrbahnen-Ausbau geplant

Etwa 40 Brücken hat der Bauingenieur in den 29 Jahren gebaut, in denen er bei der Landesbehörde Straßen NRW arbeitet. Dass das Ersatzbauwerk am Lotter Kreuz so aussieht, wie es aussieht, daran trägt der 62-Jährige ebenfalls einen Anteil. Er arbeitete an den Entwürfen mit. „Ich komme klassisch aus dem Brückenbau. Das wollte ich schon immer machen. Es ist was anderes als Häuser bauen“, erzählt Bernd Heine . Und das ist es tatsächlich: Das Brückenbauwerk, das am 1968 gebauten Lotter Kreuz über die A 1 führt, musste auch erneuert werden, weil die Tragfähigkeit in absehbarer Zeit nicht mehr gegeben sein würde – das Ende rückte näher.

Rund 135 000 Fahrzeuge rollen täglich in alle Himmelsrichtungen darüber. Da in der Zukunft auch das Lotter Kreuz erneuert und auf sechs Spuren ausgebaut werden soll, fiel die Entscheidung, die Brücke jetzt neu zu bauen. Sie ist so konzipiert worden, dass die Autobahnen entsprechend ausgebaut werden können. 17 Millionen Euro kostete allein dieses Projekt, für den Ausbau des Lotter Kreuzes insgesamt wird mit 40 Millionen Euro gerechnet.

Brückenbauer: Bauingenieur Bernd Heine leitete das Großprojekt.

Brückenbauer: Bauingenieur Bernd Heine leitete das Großprojekt. Foto: Jörn Martens

Die Reihenfolge – erst die Brücke, dann der Rest – ist ungewöhnlich. „Eigentlich wird erst der Streckenbau ausgebaut“, sagt Heine. Bis der folgt, wird es wohl noch ein bisschen dauern.

Nächste Projektphase im Frühjahr

Dass das Lotter Kreuz nach dem Ende der Baustelle nicht mehr so häufig im Verkehrsfunk erwähnt wird, glaubt der Bauingenieur nicht. „Ich würde es mir wünschen, aber es entsteht oft Rückstau von der Dütebrücke. Erst wenn dort der erste Bauabschnitt abgeschlossen ist, wird es wohl besser werden.“

Voraussichtlich im Februar 2020 soll die nächste Phase starten, schätzt Heine, der auch dieses Projekt sowie den Bau der drei Talbrücken auf der A1 betreut.

Beide sind von noch größerer Dimension als der Bau des Ersatzbauwerks am Lotter Kreuz. Die größte Herausforderung hier: die Verkehrssituation. Nicht immer konnte gearbeitet werden, wenn Lkw und Autos vorbeifuhren. Fünfmal musste das Kreuz deshalb komplett gesperrt werden. Unter anderem, um die Behelfsbrücke auf- und später wieder abzubauen sowie die alte Brücke abzureißen.

Besondere Erinnerung

Wie viele Arbeitsstunden bis zur Freigabe am vergangenen Sonntag tatsächlich geleistet wurden, kann auch Heine nicht sagen. Meist wurde an sechs Tagen in der Woche gearbeitet, zum Teil in zwei Schichten und nachts.

Blick unter das fertiggestellte neue Brückenbauwerk des Lotter Kreuzes.

Blick unter das fertiggestellte neue Brückenbauwerk des Lotter Kreuzes. Foto: Jörn Martens

Einer dieser Tage wird dem 62-Jährigen noch lange in Erinnerung bleiben: Christi Himmelfahrt vor einem Jahr, als mit dem 100 Tonnen schweren und 30 Meter langen Tragwerk die ersten Fertigteile verlegt wurden. „Das war sehr beeindruckend und mit sehr viel Spannung verbunden“, sagt Heine, während ein Arbeiter mit einem kleinen Kranwagen an die Brückendecke gefahren wird, um das Bauwerk zu überprüfen.

Ein paar Meter weiter staubt es, als Bauarbeiter Beton anrühren, um die Lücke zwischen dem Stahlträger einer Schilderbrücke und deren Sockel zu schließen. Auf der Gegenfahrbahn fährt eine Kolonne, die kleinere Macken im Asphalt beseitigt. Und die Verkehrssicherung entfernt die letzten gelben Fahrbahnmarkierungen.

Nach der Freigabe des Lotter Kreuzes müssen noch die restliche Beschilderung abgebaut und Abrechnungen geschrieben werden. Heine: „Das ist wie aufräumen zu Hause.“

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