Anträge zum Klima-, Umwelt- und Artenschutz
Auch die Roten stellen grüne Forderungen

Westerkappeln -

Wenn es um den Klima- und Artenschutz geht, gehört Westerkappeln nicht gerade zu den Vorreitern der Bewegung. Doch nun scheint auch die hiesige Kommunalpolitik in voller Fahrt auf den Zug springen zu wollen. Die Ratsfraktionen von SPD und von Bündnis 90/Die Grünen haben jetzt diverse Anträge zum Klima-, Umwelt- und Artenschutz gestellt.

Dienstag, 16.07.2019, 17:48 Uhr aktualisiert: 16.07.2019, 18:36 Uhr
Die SPD-Ratsfraktion fordert mehr Anstrengungen für den Insektenschutz: So sollen potenzielle Blühflächen auf Gemeindegrund benannt und der Einsatz von Pestiziden darauf verboten werden. Unter dem Kunstrasenteppich liegt eine elastische Tragschicht. Die Ratsfraktion der Grünen möchte aber vor allem wissen, mit welchem Material der Spielbelag aufgefüllt wurde.
Die SPD-Ratsfraktion fordert mehr Anstrengungen für den Insektenschutz: So sollen potenzielle Blühflächen auf Gemeindegrund benannt und der Einsatz von Pestiziden darauf verboten werden. Unter dem Kunstrasenteppich liegt eine elastische Tragschicht. Die Ratsfraktion der Grünen möchte aber vor allem wissen, mit welchem Material der Spielbelag aufgefüllt wurde. Foto: anh

Die SPD hat kurz vor den Sommerferien Anträge eingereicht, wonach Blühflächen auf Gemeindegrund benannt und ein Konzept zum Insektenschutz erstellt werden soll. Außerdem fordern die Sozialdemokraten, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf gemeindlichen Flächen zu verbieten. Westerkappeln solle eine „pestizidfreie Kommune“ werden, heißt es in dem Antrag.

Diese Forderungen hätten auch von den Grünen kommen können und dürften vermutlich in deren Reihen auf Unterstützung stoßen. Die grüne Fraktion hat ihrerseits – ebenfalls in der letzten Ratssitzung vor den Ferien – zwei andere Anträge eingereicht. Zum einen fordern sie die Ausrufung des Klimanotstandes in Westerkappeln. Zum anderen nehmen sie den Kunstrasenplatz Am Königsteich ins Visier.

Dessen Bau hatten die Grünen abgelehnt. Jetzt führen sie eine Studie des Fraunhofer-Instituts ins Feld, wonach solche Sportplätze die drittgrößte Quelle für Mikroplastik in Deutschland sein sollen. Die Grünen verlangen Aufklärung darüber, ob und mit welchem Granulat der Kunstrasenplatz aufgefüllt wurde.

Unter dem Kunstrasenteppich liegt eine elastische Tragschicht. Die Ratsfraktion der Grünen möchte aber vor allem wissen, mit welchem Material der Spielbelag aufgefüllt wurde. Foto: Frank Klausmeyer

Wenn umweltschädliches Mikroplastik eingesetzt worden sei, müsse umweltgutachterlich geklärt werden, welche gesundheitlichen Auswirkungen dies für die Kinder und Beschäftigten in den benachbarten AWO-Kindertagesstätten sowie für die Anwohner der angrenzenden Siedlungsgebieten habe. Außerdem müsse der Platz unverzüglich saniert werden, indem das vorhandene Plastikmaterial durch Kork ersetzt werde, fordern die Grünen. Sonst drohe überdies infolge verschärfter EU-Richtlinien eine Schließung des Platzes.

Für nicht weniger Diskussionsstoff dürfte der Antrag zur Ausrufung des Klimanotstandes sorgen. Alle Entscheidungen müssten künftig bezüglich ihrer Auswirkungen aufs Klima bedacht und Lösungen zugunsten des Klima-, Umwelt- und Artenschutzes priorisiert werden.

In der Nachbargemeinde Mettingen sind die Grünen mit dem gleichen Vorstoß übrigens gescheitert; auch weil der Klimaschutzmanager der Tüöttengemeinde bereits zahlreiche Maßnahmen auf den Weg gebracht habe und weitere Umweltprojekte nach wie vor eine hohe Priorität hätten, wie die Bürgermeisterin Christina Rählmann dazu erklärt hatte.

Mehr Erfolg hatten die Mettinger Grünen mit ihrem Antrag für ein Pestizid-Verbot auf kommunalen Flächen, wie es jetzt auch die Westerkappelner SPD erreichen will. „Es werden nicht nur die unerwünschten Wildkräuter und Insekten beim Einsatz von Pestiziden beseitigt, sondern auch Honigbienen, Wildbienen, Schmetterlinge und viele andere Insektenarten. Das bedroht in der Folge auch die Lebensgrundlage für unsere heimischen Vogelarten“, warnt Ratsmitglied Andreas Weiss in einer Mitteilung der SPD.

Dabei wollen die Genossen den Gebrauch von Pflanzenschutzmitteln nicht nur auf den von der Gemeinde bewirtschafteten Grundstücken unterbinden, sondern auch auf den an Bauern verpachteten Flächen. In Mettingen waren die Grünen mit dieser weitreichenden Forderung nach Protesten aus der Landwirtschaft an der Ratsmehrheit gescheitert. In Westerkappeln dürfte ebenfalls mit Gegenwind zu rechnen sein.

Bauernverband kritisiert Anti-Glyphosat-Kurs

Kritik an dem Anti-Glyphosat-Kurs vieler Kommunen kommt vom Deutschen Bauernverband (DBV). Dieser verweist darauf, dass Glyphosat erlaubt ist. „In Deutschland zugelassene und zulässige Pflanzenschutzmittel müssen gemäß der guten fachlichen Praxis auch eingesetzt werden können“, sagt DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken. „Eine Einschränkung bedeute bei bestehenden Pachtverträgen einen unzulässigen Eingriff.“ Bei Neuverpachtungen würden solche Klauseln den Nutzwert der Fläche einschränken, so dass sich der Pachterlös entsprechend reduziere, warnt Krüsken.(lnw)

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Auf einen breiten Konsens könnten die Sozialdemokraten dagegen mit ihrem Antrag für mehr Insektenschutz und Blühflächen stoßen. Dadurch könne die Gemeinde dem Insektenrückgang entgegenwirken und zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen, meint der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Peter Wortmann: „Hierbei sollten auch vorhandene Rabattenflächen zum Beispiel an Verkehrskreuzungen mit betrachtet werden.“

Außerdem solle die Verwaltung die Bürger für die Probleme durch den Insektenrückgang sensibilisieren. Wortmann: „Ein Schwerpunkt sollte die Bepflanzung von Vorgärten sein. Das Anlegen von Kies- und Schottergärten muss gestoppt werden.“

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