Vorfall auf Westerkappelner Bauernhof: Junge Männer müssen Schmerzensgeld zahlen
Beleidigt, getreten und geschlagen

Westerkappeln/Ibbenbüren -

Dem Jugendstrafrecht liegt in erster Linie der Erziehungsgedanke zugrunde. Nur scheinbar kamen deshalb am Montag die beiden jungen Männer vor dem Jugendschöffengericht Ibbenbüren mit einem blauen Auge davon.

Dienstag, 06.08.2019, 10:40 Uhr
 Vor dem Jugendschöffengericht Ibbenbüren wurde ein Fall verhandelt, bei dem zwei junge Männer am Rand einer Party auf einem Bauernhof in Westerkappeln einen 18-jährigen Mettinger zunächst als „Pussi“ und „Wichser“ beleidigt und ihn später getreten und geschlagen haben.
 Vor dem Jugendschöffengericht Ibbenbüren wurde ein Fall verhandelt, bei dem zwei junge Männer am Rand einer Party auf einem Bauernhof in Westerkappeln einen 18-jährigen Mettinger zunächst als „Pussi“ und „Wichser“ beleidigt und ihn später getreten und geschlagen haben. Foto: dpa

Wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Beleidigung bekam ein 17-jähriger Ibbenbürener die Weisungen, seinen 450-Euro-Job so lange weiter zu machen, bis er einen Ausbildungsplatz hat, den Schaden durch die Zahlung von 750 Euro in 50-Euro-Raten wiedergutzumachen sowie sich bei der Berufsberatung einem Test zu unterziehen, um sich beruflich zu orientieren.

Für seinen Mitangeklagten, einen 21-Jährigen aus Saerbeck, gab es einen Schuldspruch. Das Gericht setzte die Jugendstrafe für zwei Jahre zu Bewährung aus. Er muss ein Antiaggressionstraining absolvieren, seine Ausbildungsstelle antreten und ebenfalls 750 Euro in 50-Euro-Raten an den Geschädigten zahlen. Er wird zudem einem Bewährungshelfer unterstellt. Nach Ablauf der Bewährungszeit wird im sogenannten Nachverfahren entschieden, ob der Schuldspruch getilgt oder die Jugendstrafe verhängt wird.

„Wir nehmen Sie damit viel härter an die Kandare, als es der Staatsanwalt mit seinem Antrag auf Freizeitarrest getan hat“, machte der Vorsitzende Richter den Angeklagten deutlich.

Im Februar 2019 hatten der heute 21-Jährige noch als Heranwachsender (zwischen 18 Jahren und dem noch nicht vollendeten 21. Lebensjahr, Anm. d. Red.) und der 17-Jährige am Rand einer Party auf einem Bauernhof in Westerkappeln einen 18-jährigen Mettinger zunächst als „Pussi“ und „Wichser“ beleidigt, ihn später getreten und geschlagen. Der junge Mann trug einen Platzwunde am Kinn und Prellungen des Knies und des Handgelenks davon.

„Sie haben ein leichtes Opfer gesucht und gefunden“, stellte das Gericht klar. Laut der Aussagen des 18-Jährigen selber sowie weiterer Zeugen sollte der Mettinger laut über sich sagen, er sei eine „Pussi“. Auf die Provokation ließ er sich aber nicht ein. Er versuchte, der Situation aus dem Weg zu gehen. Daraufhin kassierte er einen Faustschlag, ging zu Boden und wurde von den jungen Männern weiter getreten und geschlagen, bis andere Gäste dem Geschehen auf dem Flur zwischen Partyraum und Toiletten ein Ende machten.

„Sie müssen lernen, wie man sich benimmt, so jemanden wie Sie will man nicht auf einer Party haben“, wandte sich der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung an die beiden jungen Männer.

Der 21-Jährige war bereits mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten, hat einige Vorstrafen und einen Dauerarrest hinter sich. Der 17-Jährige war bisher nicht in Erscheinung getreten, ist aber laut Aussage der Jugendgerichtshelferin beruflich orientierungslos und trägt keine Verantwortung.

Dem Jüngeren gestand das Gericht zu, er sei durch den aggressiven Älteren „eher mit hineingezogen worden, habe aber gut und gerne mitgemacht“.

Zu Lasten der beiden jungen Männer wertete das Gericht außerdem, dass sie trotz mehrerer goldener Brücken, die das Gericht ihnen baute, lediglich und auch nur widerwillig ein Teilgeständnis ablegten.

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