Kultur- und Heimatverein: Portfolio reicht von Stutensoppen bis Erich Maria Remarque
Kulinarische und kulturelle Genüsse

Westerkappeln -

„Auf gutem Weg“ lautet das Motto, unter dem der Kultur- und Heimatverein Westerkappeln in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert. „Auf gutem Weg“ befinden sich die Mitglieder des breit gefächerten Vereins nicht nur auf ihren Wander- und Radtouren in, um und außerhalb von Westerkappeln, sondern auch in der kulturellen Sparte.

Montag, 12.08.2019, 16:56 Uhr aktualisiert: 18.08.2019, 16:38 Uhr
Das „Brutzelteam“ backte 2013 in der Küche der Gaststätte Cord‘s Catering Pfannkuchen am fließenden Band. Busch-Rezitator Günter Trunz gastierte vor drei Jahren in der Velper Wassermühle (kleines Foto).
Das „Brutzelteam“ backte 2013 in der Küche der Gaststätte Cord‘s Catering Pfannkuchen am fließenden Band. Busch-Rezitator Günter Trunz gastierte vor drei Jahren in der Velper Wassermühle (kleines Foto). Foto: Dietlind Ellerich

Vielfältige kulinarische Angebote gehören ebenso dazu wie literarische und musikalische Events, die die Kulturfreunde immer wieder auch mal an und in der Velper Wassermühle organisieren. Die Gebrüder Grimm, Wilhelm Busch , Franz Schubert oder Otfried Preußlers „Krabat“ waren dort im urigen Ambiente bereits zu hören.

Dass Heimatgeschichte im Verein groß geschrieben wird, versteht sich von selbst. Lesungen zu Annette von Droste-Hülshoff, Erich Maria Remarque oder Augustin Wibbelt dokumentieren diesen Ansatz eindrucksvoll.

Ins Kultur-Portfolio gehören aber ebenso die Gustav-Künnemann-Stätte, das Traktorenmuseum, Fahrten ins Osnabrücker Theater und seit einigen Jahren nach „Bremen und umzu“.

Egal ob Hering, Pfannkuchen, Grünkohl oder Stutensoppen als Hauptgericht serviert wird, meist folgt nach dem kulinarischen Genuss ein Nachtisch, der dem Attribut „kulturell“ alle Ehre macht. Ob plattdeutsche Dönekes und Sketche von der vereinseigenen Gruppe „Dütt un Datt“ oder von geladenen „Muttersprachlern“ oder Auftritte von anderen Unterhaltungsprofis, das Dessert mundet den Heimat- und Kulturfreunden und ihren Gästen in der Regel ebenso gut wie die Mahlzeit, deren Name das jeweilige Essen trägt.

Stutensoppen heißt der deftige Westerkappelner Traditionsschmaus, zu dem der Verein seit mehr als 40 Jahren am 28. Dezember einlädt. Unmengen von Zwiebeln, Weißbrot, Fleisch und Wurst werden aufgetragen, und immer wieder wundern sich „Erstesser“ wie in 2018 die Ehrengäste aus Ostercappeln darüber, dass es keine Suppe, sondern ein Gericht gibt, das mit Gabel und Messer verzehrt wird.

Das Heringsessen im März wartet ebenfalls mit der einen oder anderen Besonderheit auf. Zu Bismarck- und Bratheringen, Pellkartoffeln und Gewürzgurken wird nicht nur die leckere Specksoße nach dem legendären Rezept von Gudrun von Busch, sondern auch pro Teller ein Hering aus Lakritze serviert.

Dass es inzwischen ein Stutensoppen- und ein Heringslied gibt, das passend zum jeweiligen Anlass zwar nicht mit vollem Mund, aber immerhin vollmundig gemeinsam angestimmt wird, versteht sich bei soviel Liebe zur Tradition beinahe von selbst.

Beim Pfannkuchenessen im September werden bei älteren Semestern Herbst-Erinnerungen wach. So schwärmte Vorstandsmitglied Franz-Josef Schlie einmal vom köstlichen Duft, der ihm an Pfannkuchen-Tagen in seinem Elternhaus schon von weitem entgegenwehte.

Die Erinnerung an den Velper Maler Gustav Künnemann hält der Kultur- und Heimatverein Westerkappeln ebenfalls lebendig. Er zieht gemeinsam mit dem Verein Künnemann-Stätte und dessen Vorsitzendem Heinz Görtemöller an einem Strang. Hunderte der Tausenden von Bildern, die der heimatverbundene Maler schuf, werden im Dachgeschoss der Velper Wassermühle sowie im Gut Velpe aufbewahrt.

Beide Vereine würden Künnemanns Nachlass gerne aus seinem Dornröschenschlaf holen, sind unermüdlich auf der Suche nach Ausstellungsräumen. „Eine Erweiterung der Ausstellungsfläche in der benachbarten Wassermühle wird in den nächsten Jahren ein Ziel der Künnemann-Stätte e.V. sein“, schreibt Franz-Josef Schlie in der Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum des Kultur- und Heimatvereins.

In dem von einem Förderverein betriebenen Traktorenmuseum sind die Kultur- und Heimatfreunde ebenfalls mit im Boot. Als Mitglied sowie mit zwei Sitzen im Gesamtvorstand möchten sie die Zukunft des lokalen Kulturguts mit seinen vielfältigen Veranstaltungen wie Oldtimer-Treffen und Dreschtage sowie einer großen Sammlung an historischen landwirtschaftlichen Arbeitsgeräten mitgestalten.

„Auf gutem Weg“ ist der Kultur- und Heimatverein Westerkappeln im 100. Jahr seines Bestehens also auch jenseits der Rad- und Wanderwege.

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