Wasserverbrauch im Tecklenburger Land ist gestiegen
Abends drehen alle den Hahn auf

Westerkappeln/Tecklenburger Land -

Die Menschen im Tecklenburger Land verbrauchen mehr Wasser, vor allem in den Abendstunden. Gleichzeitig hat es in den vergangenen Monaten kaum geregnet. Johann Knipper, Geschäftsführer des Wasserversorgungsverbands Tecklenburger Land (WTL), erklärt, wie es um das kühle Nass bestellt ist.

Donnerstag, 15.08.2019, 18:42 Uhr
Johann Knipper, Geschäftsführer des WTL, sieht noch keinen Grund zur Sorge angesichts der Trockenheit. Langfristig aber wird sich der WTL Gedanken über die Leitungen machen, denn es werden Spitzenverbräuche erzielt, bei denen das Netz schwächelt.
Johann Knipper, Geschäftsführer des WTL, sieht noch keinen Grund zur Sorge angesichts der Trockenheit. Langfristig aber wird sich der WTL Gedanken über die Leitungen machen, denn es werden Spitzenverbräuche erzielt, bei denen das Netz schwächelt. Foto: Linda Braunschweig

► Verbrauch: Der Pro-Kopf-Wasserverbrauch ist 2018 gestiegen. 125 Liter pro Tag zapfte im Hitze-Sommer im Schnitt jeder Einwohner im WTL-Gebiet ab, das sind sieben Liter mehr als ein Jahr zuvor. „Ein Phänomen der vergangenen Jahre“ ist laut Knipper der extreme Anstieg in den Abendstunden. Ein Beispiel anhand des Hochbehälters in Riesenbeck zeigt: Gegen 7.30 Uhr erreicht die Wasserentnahme einen ersten Höhepunkt von 110 Kubikmetern pro Stunde, dann sinkt sie bis 16 Uhr auf 38 Kubikmeter und steigt bis 20.30 Uhr auf mehr als 180 Kubikmeter. „Das hatten wir in der Vergangenheit so nicht“, sagt Knipper. Über die Gründe der abendlichen Extremwerte kann er nur spekulieren und vermutet, dass die Gärten inzwischen technisch aufgerüstet sind, beispielsweise mit automatischer Bewässerung.

►  Gießen: Grundsätzlich sei es jedoch effektiver, nicht abends, sondern früh am Morgen den Garten zu wässern. Andernfalls ist der Boden durch die Tageshitze so warm, dass viel Wasser sofort verdunstet. Knipper kann verstehen, wenn zur Bewässerung von Blumen auf Trinkwasser zugegriffen wird. Weniger Verständnis hat er für das Sprengen des Rasens. „Der wird braun, kommt aber wieder.“

►  Hitze und Trockenheit: Niemand müsse sich Sorgen angesichts der Wasser-Kapazität machen, sagt Knipper. Zwar liefen die Wasserwerke an Tagen wie dem 26. Juni mit dem diesjährigen Spitzenverbrauch von mehr als 38 500 Kubikmetern im gesamten WTL-Gebiet am Anschlag, aber solange es keine Ausfälle gebe, sei das kein Problem. „Es darf eben nicht viel passieren.“ Ein Ausfall im System kann über die zwölf Hochbehälter, die knapp 43 000 Kubikmeter Wasser speichern, für einen Tag komplett kompensiert werden. „Eine Havarie würde der Kunde ein bis zwei Tage lang nicht bemerken.“ Längerfristige Ausfälle jedoch würden zum Notstand führen.

►  Netz-Kapazität: 2017 hat der WTL mehr als acht Millionen Euro in seine In­frastruktur investiert. Knipper zweifelt nicht, dass die Bauwerke wie der neue Hochbehälter auf dem Rochus trotz Klimawandels richtig dimensioniert sind. Aber: An Spitzenverbrauchstagen könnte das Netz schwächeln. Wer dann am Ende einer Straße im Außenbereich abends den Kran aufdrehe, könnte auf wenige Tropfen blicken. „Die Wasserkapazität ist da, aber die Rohrleitungen sind teilweise zu eng“, erläutert Knipper. Sind die Hauptleitungen noch 600 Millimeter stark, seien es im Außenbereich noch 80. „Wir müssen deswegen nicht alles neu machen.“ Künftig sei aber angesichts der Verbräuche zu überlegen, ob man Rohre verstärke. Das ist jedoch eine Gratwanderung: Zu große Leitungen können für stehendes Wasser und damit zu erhöhter Keimgefahr führen.►  Grundwasser: Der WTL hat das Recht, pro Jahr 11,9 Millionen Kubikmeter Wasser in Brochterbeck, Dörenthe, Lehen, Lengerich, Schollbruch und aus Osnabrück zu fördern. 2018 haben die Kunden 10,45 Millionen Kubikmeter verbraucht. Da war aber auch noch die RAG mit 635 459 Kubikmetern dabei. Dieser Verbrauch sinkt nach dem Ende der Kohleförderung gewaltig. Ebenfalls sinkend ist derzeit aber auch der Grundwasserspiegel. Er hat sich im Winter nicht wie gewünscht erholt – eine Folge der geringen Niederschläge. „Im Moment mache ich mir aber noch keine Sorgen“, sagt Knipper. Anders sehe es aus, „wenn das jetzt fünf oder sechs Winter so geht“. Noch sehe er keine Tendenzen bei der Niederschlagsentwicklung. In Zukunft könne das aber zu einem Problem werden. Weitere lohnenswerte anzapfbare Wasserreserven gibt es nicht. Nur die geplante Wasserentnahme aus dem Dortmund-Ems-Kanal könnte noch gesteigert werden.

►  Geldbußen: Unter anderem in Löhne bei Osnabrück steht Rasensprengen bereits unter Strafe. Im Notfall könnte auch der WTL über das Ordnungsamt Geldbußen verhängen. „Das sehe ich aber im Moment noch nicht“, sagt Knipper. Der Aufruf aus der vorigen Woche sei prophylaktisch gewesen. Weiterhin gelte die Empfehlung, kein Wasser zu verschwenden, „aber die Höchstverbräuche haben wir im Moment nicht mehr“. Der bis dato nie wieder erreichte Spitzenwert lag am 25. Juli 2018 bei 40 536 Kubikmeter.

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