Bevölkerungsprognosen für Westerkappeln
Blick in die Glaskugel

Westerkappeln -

Prognosen sind ein Blick in die Glaskugel. Es ergibt sich nur ein verschwommenes Bild, das bei tatsächlicher Betrachtung dann ganz anders aussehen kann. Für Westerkappeln weichen die Vorhersagen für die kommenden Jahrzehnte deutlich voneinander ab. Mal soll die Bevölkerung wachsen, mal dramatisch schrumpfen.

Freitag, 16.08.2019, 17:30 Uhr aktualisiert: 18.08.2019, 12:12 Uhr
Die Bevölkerungsprognosen sind ein Blick in die Glaskugel. Es ergibt sich nur ein verschwommenes Bild, das bei tatsächlicher Betrachtung dann ganz anders aussehen kann.
Die Bevölkerungsprognosen sind ein Blick in die Glaskugel. Es ergibt sich nur ein verschwommenes Bild, das bei tatsächlicher Betrachtung dann ganz anders aussehen kann. Foto: Frank Klausmeyer

In Westerkappeln werden an allen Ecken Häuser in die Höhe gezogen. Am Gartenmoorweg dürften in Kürze die Arbeiten im zweiten Bauabschnitt starten. Zahlreiche neue Mehrfamilienhäuser wurden in jüngster Vergangenheit errichtet. Mit dieser Entwicklung könnte der Eindruck entstehen, dass auch die Bevölkerung boomt. Doch eigentlich ist das Gegenteil der Fall. Die Gemeinde hat ihren Einwohnerzenit längst überschritten. Und behalten einige Experten recht, droht der Kommune in den kommenden 30 Jahren ein dramatischer Bevölkerungsschwund.

Im Jahr 2015 meldete das Rathaus mit 11 417 Einwohnern den bisherigen Rekord. Das war allerdings eine eigene Zählung der Verwaltung. Das Landesamt für Statistik (IT.NRW) hatte zu dem Zeitpunkt nur 11 178 Einwohner in seiner Datenbank registriert. Das ist insofern ärgerlich für die Gemeinde, weil diese Zahlen als amtlich gelten und insbesondere für die Berechnungen von Schlüsselzuweisungen des Landes oder der Anteile an der Einkommenssteuer maßgeblich sind.

Immerhin: Für die kommenden zwei Jahrzehnte sagt IT.NRW für Westerkappeln ein – wenn auch überschaubares – Bevölkerungswachstum voraus. Lebten nach den Daten der Landesstatistiker vergangenes Jahr 11 155 Menschen in der Gemeinde, sollen es im Jahr 2040 nach den Berechnungen 11 305 sein – ein Plus von 150 Köpfen oder 1,3 Prozent. Der künftige Einwohnerhöchststand wird 2030 mit 11 345 Personen erwartet – das sind allerdings immer noch weniger als vor rund 15 Jahren.

Doch solche Prognosen sind eher ein Blick in die Glaskugel. Es ergibt sich nur ein verschwommenes Bild, das bei tatsächlicher Betrachtung dann ganz anders aussehen kann.

Die Gemeindeverwaltung hatte beispielsweise vor ein paar Jahren vorhergesagt, dass Westerkappeln im Jahr 2020 die 12 000-Einwohnermarke knacken wird. IT.NRW geht von nur 11 205 Bürgern aus, was nach jetzigem Stand dann doch realistischer sein dürfte.

Experten der Bertelsmann-Stiftung sind in einer vor zwei Jahren veröffentlichten Studie zu ganz anderen Ergebnissen gekommen. Danach wird Westerkappeln nächstes Jahr nur noch 10 780 Einwohner haben. Bis 2030 wird ein weiterer Rückgang auf 10 630 Personen prognostiziert. Zu den Quellen für diese Vorausberechnungen zählen irritierenderweise auch die Daten des Landesamtes für Statistik.

Auf die Bertelsmann-Stiftung wiederum und auf eigene Daten beruft sich die Bezirksregierung Münster bei ihrer Bevölkerungsprognose, die im Rahmen des 2014 bekannt gemachten Regionalplans für das Münsterland vorgestellt wurde. Dieser setzt die Leitplanken für die Entwicklungsmöglichkeiten der Kommune, zum Beispiel was die Ausweisung von Baugebieten betrifft. Dabei schaute die Bezirksregierung sogar bis ins Jahr 2050. Dann, so die Behörde, werde Westerkappelns Bevölkerung auf 7300 Menschen schrumpfen. Das wäre ein Minus von ungefähr 35 Prozent gegenüber dem Status quo.

Im gesamten Kreis Steinfurt, so die Prognose der Bezirksregierung, wird der Einwohnerschwund im gleichen Zeitraum „nur“ 15 Prozent betragen. Denn es gibt in den Schätzungen auch Gewinner. Die Gemeinde Saerbeck soll bis 2050 um 63 Prozent auf dann 11 600 Einwohner wachsen. Auch Hopsten und Hörstel lägen danach im Plus.

Nach den neuesten Auswertungen von IT.NRW müssen die beiden letztgenannten Kommunen auf Basis der Zahlen des vergangenen Jahres jedoch bis 2040 mit einem Bevölkerungsrückgang von etwa 2,5 Prozent rechnen, ebenso wie Recke (-6,8%), Mettingen (-12,9%) und Tecklenburg (-1,5%). Für Ibbenbüren (+4,5%) und vor allem für Lotte (+14,1%) gehen die Landesstatistiker von weiterem Wachstum aus.

Aufgrund der widersprüchlichen Ergebnisse scheinen die Prognosen der Wissenschaftler doch eine Menge Kaffeesatzleserei zu sein. Gesicherter sein dürften die Daten und Vorhersagen zur Altersstruktur der Bevölkerung. Dass Durchschnittsalter steigt. Die Bezirksregierung legt dafür das Medianalter zur Grunde. Dabei werden die Einwohner in zwei gleiche Hälften aufgeteilt – genau 50 Prozent aller Fälle sind jünger und 50 Prozent älter als das Medianalter. In Westerkappeln wurde 1975 noch ein Wert von 33,6 ermittelt. 2012 lag das Medianalter bei 43,7 Jahren. 2025 soll es dann 47,2 Jahre betragen.

Und die Vergreisung schreitet weiter voran. 2040 soll es in Westerkappeln 2336 Mitbürger im Alter von 65 bis 80 Jahre geben – ein Plus von mehr als 50 Prozent gegenüber heute. Die Zahl der über 80-Jährigen werde sich sogar fast verdoppeln, sagt IT.NRW voraus. Meine Großmutter pflegte an dieser Stelle zu sagen: „Wer weiß, wer denn noch lebt.“

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