Ortskern bietet goldene Ansichten
Westerkappeln soll zum El Dorado werden

Westerkappeln -

Jahrhundertelang suchten Abenteurer, Entdecker und Eroberer in Südamerika nach El Dorado – ohne Erfolg. Denn tatsächlich liegt das sagenumwobene Goldland in Westerkappeln. „Dazu wollen wir jedenfalls gerne werden“, meint Katja Otte, Vorsitzende des Vereins Kappelner Band, lachend. Einiges Gold liegt schon auf den Straßen.

Samstag, 24.08.2019, 08:00 Uhr
An der „Efeuranke“ werden die Kunden von Katja Otte (rechts) seit Kurzem von einer goldenen Pforte empfangen. Die Vorsitzende vom Kappelner Band e.V. und ihre Mitstreiterin Sibylle Schwope setzen sich für einen attraktiveren Ortskern ein.Auch die Geschäftsleute an der Vidumstraße – hier versammelt an einem riesigen Goldbrocken – machen mit (von links): Martin Speer (Das feine Genießen), Nicole Cakmak (Reinigung Pico Bello), Michael Stille (Computer Stille) und Heidi Mattiucci (Pizzeria Don Camillo)
An der „Efeuranke“ werden die Kunden von Katja Otte (rechts) seit Kurzem von einer goldenen Pforte empfangen. Die Vorsitzende vom Kappelner Band e.V. und ihre Mitstreiterin Sibylle Schwope setzen sich für einen attraktiveren Ortskern ein.Auch die Geschäftsleute an der Vidumstraße – hier versammelt an einem riesigen Goldbrocken – machen mit (von links): Martin Speer (Das feine Genießen), Nicole Cakmak (Reinigung Pico Bello), Michael Stille (Computer Stille) und Heidi Mattiucci (Pizzeria Don Camillo) Foto: Frank Klausmeyer

Die Kunden von Katja Otte , Inhaberin der „Efeuranke“ an der Kreuzstraße, schreiten seit Kurzem durch eine goldene Gitterpforte in den Laden. Vor der Kreissparkasse steht ein kleines, goldenes Schwein. Die vom Kappelner Band in der Bahnhofstraße aufgestellte güldene Ziege ist nach einem Beinbruch allerdings nach kurzer Zeit schon wieder entfernt worden. „Die Tierchen eignen sich nicht zum Rodeoreiten“, sagt Otte. Weil sie aber vor allem bei Kindern gut ankommen, will der für alle Bürger offene Nachfolgeverein der Interessengemeinschaft Handel und Gewerbe (IHGW) Zug um Zug weitere goldfarbene Tiere für den Ortskern anschaffen.

Der Goldene Brunnenhase dient als Vorbild. Der im vergangenen Jahr verstorbene Künstler Heinrich Brummack hatte das plätschernde Kunstwerk am Kreuzplatz Anfang der 2000er Jahre im Auftrag des Kultur- und Heimatvereins Westerkappeln entworfen. „Wir wären ja nicht klug, wenn wir den Hasen nicht als Aufhänger nutzen würden“, meint Sibylle Schwope, Vorstandsmitglied im Kappelner Band.

Der Verein will sich nicht mit einem goldigen Zoo begnügen. Gold soll im Ortskern so etwas wie die dominierende Farbe werden. „Jeder Einzelne will sich daran beteiligen“, freut sich Schwope über die Resonanz bei den Gewerbetreibenden. Der Hörgeräteakustiker Gerland wolle dem Kappelner Band beispielsweise ein großes Ohr für einen Anstrich leihen. Der Friseur Boss werde eine Schere zur Verfügung stellen, erzählt die 51-jährige, die beruflich aus dem Marketing- und Vertriebsbereich kommt. Im Auto hat sie gerade einen Sportschuh liegen, der jetzt goldfarben lackiert werden soll.

Goldiges Westerkappeln

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  • goldener Kleiderhaken

    Foto: Frank Klausmeyer
  • goldfarbener Fassadenschmuck

    Foto: Frank Klausmeyer
  • goldiges Willkommen

    Foto: Frank Klausmeyer
  • goldiges Kätzchen

    Foto: Frank Klausmeyer
  • Goldbrocken

    Foto: Frank Klausmeyer
  • Goldene Waschmaschine

    Foto: Frank Klausmeyer
  • Auch die Geschäftsleute an der Vidumstraße – hier versammelt an einem riesigen Goldbrocken – machen mit (von links): Martin Speer (Das feine Genießen), Nicole Cakmak (Reinigung Pico Bello), Michael Stille (Computer Stille) und Heidi Mattiucci (Pizzeria Don Camillo)

    Foto: Frank Klausmeyer
  • Goldene Sau

    Foto: Frank Klausmeyer
  • Der Goldene Brunnenhase dient als Vorbild. Der im vergangenen Jahr verstorbene Künstler Heinrich Brummack hatte das plätschernde Kunstwerk am Kreuzplatz Anfang der 2000er Jahre im Auftrag des Kultur- und Heimatvereins Westerkappeln entworfen.

    Foto: Frank Klausmeyer

Und nicht nur die Kaufleute im historischen Ortskern machen mit, auch die Händler an der Vidumstraße investieren in Gold. Vor den Geschäften liegt bereits ein riesiger, besprühter Findling, der – wäre er echt – unbezahlbar wäre. Nicole Cakmak von der Reinigung Pico Bello hat eine kleine Waschmaschine lackieren lassen, die alsbald den Eingangsbereich schmücken wird. Computerfachmann Michael Stille hat Gleiches mit einem Notebook vor. Und das Fitnessstudio Viva (früher Befit) wolle eine riesengroße Langhantel vergolden lassen. „Wenn das kein Hingucker wird...“, sagt Sibylle Schwope voller Vorfreude.

Das ist auch Sinn und Zweck der Übung. „Wir wollen Interesse wecken, damit mehr Leute in den Ort kommen“, betont die Westerkappelnerin. Katja Otte ist nach eigenen Worten „völlig klar, dass es auch Leute gibt, die etwas zu nörgeln haben.“ Der goldene Zentrum solle jedoch ein Alleinstellungsmerkmal für Westerkappeln werden. Und wenn der Ortskern – auch flankiert durch andere Maßnahmen wie etwa neue Sitzbänke – wieder schöner und attraktiver werde als zuletzt, bewege das vielleicht auch den einen oder anderen Kaufmann für die Eröffnung eines neuen Geschäftes. „Das ist ein langer, mühsamer Weg. Wir hoffen aber, dass das hier in fünf Jahren wieder ganz anders aussieht“, betont die Vorsitzende des Kappelner Bandes.

Zurzeit führt sie Gespräche mit ein Hauseigentümer, der grundsätzlich bereit sei, sogar eine Fassade oder vielleicht das ganze Gebäude goldfarben streichen zu lassen. Und auch ein Geldinstitut habe seine Bereitschaft angekündigt, sich an der Aktion zu beteiligen.

Dass dieses einen echten Goldbarren vor die Türe legt, steht allerdings nicht zu erwarten. Auf Schätze hoffende Abenteurer müssen deshalb doch wohl weiter im Amazonasdschungel nach El Dorado suchen...

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