Tipps vom Finanzamt Ibbenbüren
Azubis müssen meist keine Steuern zahlen

Tecklenburger Land -

Für viele Schulabgänger beginnt in diesen Wochen das Berufsleben. Mit dem ersten eigenen Gehalt kommen nicht selten Fragen rund um das Thema Steuern auf. Müssen auch Auszubildende Steuern zahlen ? Ab welchem Betrag ? Worauf ist zu achten ? Michael Spielmann, Leiter des auch für Westerkappeln und Lotte zuständigen Finanzamts Ibbenbüren, gibt Antworten und Tipps.

Mittwoch, 28.08.2019, 07:00 Uhr
Häufig fallen für Auszubildende gar kjeine Steuern an.
Häufig fallen für Auszubildende gar kjeine Steuern an. Foto: Colourbox.com

„Grundsätzlich müssen auch Auszubildende Steuern zahlen. In der Praxis ist es jedoch so, dass insbesondere im ersten Ausbildungsjahr häufig noch gar keine Steuern anfallen“, erläutert Spielmann . Ein lediger Auszubildender dürfe derzeit monatlich etwas mehr als 1000 Euro verdienen, bevor Lohnsteuer fällig werde. Für Verheiratete oder Auszubildende mit Kindern seien die Freibeträge noch höher.

Wenn ein Auszubildender so viel verdient, dass er Steuern zahlen muss, sorge sich der Arbeitgeber unmittelbar darum, dass die Beträge an die richtige Stelle fließen. „Der Ausbildungsbetrieb behält die Steuern direkt vom Lohn ein und überweist sie an das Finanzamt“, sagt Spielmann.

Auszubildende müssten dem Arbeitgeber ihre elfstellige steuerliche Identifikationsnummer, ihr Geburtsdatum und die Information mitteilen, ob es sich um ein Haupt- oder Nebenarbeitsverhältnis handelt. Anhand dieser Angaben könne der Arbeitgeber die für die Steuer notwendigen Daten, zum Beispiel die Steuerklasse oder die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft im Hinblick auf die Kirchensteuer, elektronisch abrufen. Auf diesem Wege wisse der Arbeitgeber, in welcher Höhe Lohnsteuer einzubehalten und abzuführen ist.

Wer seine steuerliche Identifikationsnummer nicht kennt oder vergessen hat, kann diese beim Bundeszentralamt für Steuern ( www.bzst.de unter Privatpersonen/steuerliche Identifikationsnummer/Wie komme ich an meine IdNr) anfordern.

Eine separate Steuererklärung müssten Auszubildende in der Regel nicht abgeben. „Wurden monatlich Steuern einbehalten, kann es sich für Auszubildende aber lohnen, nach Ablauf des Kalenderjahres eine Einkommensteuererklärung beim Finanzamt einzureichen. Damit kann sich der Auszubildende – wie jeder andere Arbeitnehmer – zu viel gezahlte Steuern wiedererstatten lassen“, erläutert Spielmann. Denn auch Auszubildende könnten in ihrer Steuererklärung insbesondere beruflich veranlasste Ausgaben geltend machen.

Ohne weitere Angaben ziehe das Finanzamt automatisch eine Pauschale von 1000 Euro für sogenannte Werbungskosten ab, die bereits bei der Einbehaltung der Lohnsteuer durch den Arbeitgeber berücksichtigt würden. Wer höhere Kosten hat, solle diese angeben – wie zum Beispiel Fahrtkosten zur Ausbildungsstätte und zur Berufsschule, Bewerbungskosten, Aufwendungen für Fachliteratur und Schreibmaterialien, rät Spielmann

Doch es gebe auch Situationen, in denen man zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sei. Wer beispielsweise erhöhte Werbungskosten, wie Fahrtkosten im Rahmen der Ausbildung hat, müsse nicht bis zur Abgabe der Steuererklärung warten. Hier bestehe die Möglichkeit, sich Freibeträge eintragen zu lassen. So werde monatlich weniger Lohnsteuer vom Arbeitgeber einbehalten. Dafür sei dann aber zwingend eine Einkommensteuererklärung abzugeben.

Für die Eltern der Azubis hat Spielmann ebenfalls Tipps: Unabhängig von der Höhe der Ausbildungsvergütung hätten Eltern ebenfalls für volljährige Kinder jedenfalls dann weiterhin einen Anspruch auf Kindergeld oder könnten von entsprechenden Freibeträgen Gebrauch machen, solange sich diese in der ersten Berufsausbildung befinden und das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Für die Ausbildung eines volljährigen und auswärtig untergebrachten Kindes könnten die Eltern in ihrer Einkommensteuererklärung zudem einen Ausbildungsfreibetrag in Höhe von 924 Euro geltend machen, so Spielmann.

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