Friedhelm Scheels besondere Leidenschaft
Der Eulenmann und sein Schilderwald

Westerkappeln -

In den Wäldern der Umgebung kennt sich Friedhelm Scheel fast besser aus als in seiner Westentasche. Und in seinem eigenen Schilderwald findet er sich ebenso wunderbar zurecht. Der bekannte Westerkappelner Umweltaktivist hat nämlich eine (bis jetzt) heimliche Leidenschaft: Er sammelt Naturschutzschilder.

Freitag, 13.09.2019, 14:52 Uhr aktualisiert: 13.09.2019, 17:00 Uhr
Friedhelm Scheel hat mittlerweile aus ganz Deutschland 78 Naturschutzschilder gesammelt.Friedhelm Scheels liebste Schilder sind die mit Eulen.
Friedhelm Scheel hat mittlerweile aus ganz Deutschland 78 Naturschutzschilder gesammelt.Friedhelm Scheels liebste Schilder sind die mit Eulen. Foto: Nele Maeder

Mittlerweile besitzt er schon 78 davon – alle verschieden aus 15 von 16 Bundesländern. Nur aus Bremen fehlt dem Rentner noch ein solches Zeichen.

Friedhelm Scheel ist unermüdlich in Sachen Umwelt- und Vogelschutz unterwegs. Das ist kein Hobby mehr, das ist seine Berufung. Und wenn er so durch die Gegend streift, stolpert er zwangsläufig über Hinweistafeln aller Art. Schnell fiel ihm auf, dass es bei den Naturschutzschildern viele Varianten gibt. „Wenn ich mich für ein Thema begeistere, möchte ich immer mehr darüber erfahren. Das war auch bei den Schildern so“, erzählt er.

Sein erstes hat er in Westerkappeln gefunden. Das Schild lag ramponiert im Graben. Nachdem der Naturfreund der Gemeinde Bescheid gegeben hatte, fragte er, ob er das Verkehrszeichen behalten dürfe. Durfte er. Sonst wäre es wohl ohnehin auf dem Schrott gelandet – wie vermutlich so viele andere Schilder seiner Sammlung. Scheel poliert sie stattdessen wieder auf. Damit sie nicht aus der Form geraten, montiert der 68-Jährige sie stets auf eine passend zugeschnittene Holzplatte.

Manche seiner Sammelobjekte standen früher ganz schön weit weg von Westerkappeln. Eines kommt beispielsweise aus dem Harz, eines war sogar an der Grenze zu Österreich aufgestellt, ein anders auf der Insel Rügen. Und dann ist da noch jenes, das ihm aus der Nähe der polnischen Grenze zugeschickt worden ist. „Meine Lieblingsschilder sind die mit Eulen drauf, da ich in Westerkappeln als der Eulenmann bekannt bin“, sagt Scheel, der sich seit vielen Jahren für den Schutz von Steinkäuzen einsetzt, lachend.

Obwohl Friedhelm Scheel schon eine Menge Hinweistafeln hat, sammelt er fleißig weiter. Wahrscheinlich, so meint er, habe er die größte Sammlung dieser Art in Deutschland. Ein Verkehrszeichen, das er noch gerne hätte, ist ein besonders seltenes Naturschutzschild aus Hamburg mit dem Wappen der Hansestadt.

Die Schilder kommen auf ganz verschiedenen Wegen zu ihm an die Bullerteichstraße. Entweder entdeckt der Rentner kaputte Hinweistafeln selbst, setzt die zuständigen Beamten in Kenntnis und bittet darum, die beschädigten Schilder mitnehmen zu dürfen. Oder er schreibt Behörden bundesweit mit der Bitte an, ihm doch – falls vorhanden – ein altes Schild zukommen zu lassen. „Ganz wichtig ist, immer um Erlaubnis zu fragen.“ Denn einfach Verkehrszeichen mitzunehmen, selbst wenn völlig demoliert, ist verboten.

Neben der Sammelleidenschaft geht Scheel noch aus anderen Gründen auf „Schilderjagd“. Der Umweltschützer, der die ANTL-Naturschutzjugend betreut, zieht nämlich immer wieder mit den Jugendlichen los, um Naturschutzschilder zu säubern. Mit dabei ist gelegentlich auch sein siebenjähriger Enkel. „Viele der im Naturschutz aktiven Menschen freuen sich, wenn sich einer kümmert und über kaputte Schilder informiert oder verwahrloste reinigt.“

Dieser Einsatz resultiert aus der Überzeugung heraus, das die Verkehrstafeln schließlich eine wichtige Aufgabe haben: Sie spiegeln eine Rechtsvorschrift wider, weisen darauf hin, dass es sich um ein geschütztes Gebiet handelt und der Besucher – ob als Autofahrer oder als Spaziergänger – sich auch so verhalten sollte.

Wie sieht denn ein Garten aus, der ein Naturschutzschild verdient hätte? „Das ist schwer zu sagen, da er eine recht kleine Fläche hat“, gibt der Westerkappelner zu bedenken. „Aber wenn man ihn naturfreundlich gestaltet und zum Beispiel Wildwuchs zulässt, dann ist man schon auf dem richtigen Weg.“ Wenn Friedhelm Scheel seine zu Präsentationszwecken aufgebaute Schildersammlung gleich wieder gut auf dem Dachboden verstaut, ist sein Garten jedenfalls wieder (s)ein kleines Naturschutzgebiet.

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