Zukunftswerkstatt Westerkappeln
Viele Köpfe, viele Ideen

Westerkappeln -

Wie kann sich Westerkappeln weiter entwickeln? Eine spannende Frage, an deren „Lösung“ sich zahlreiche kreative Menschen beteiligt haben. 30 Projekte sind bei einer Zukunftswerkstatt vorgestellt worden.

Samstag, 21.09.2019, 07:00 Uhr
Projektleiter Dr. Frank Bröckling erläuterte den Interessenten den geplanten Ablauf des Abends im Schulzentrum. 
Projektleiter Dr. Frank Bröckling erläuterte den Interessenten den geplanten Ablauf des Abends im Schulzentrum.  Foto: Astrid Springer

Wie weckt man eine westfälische Gemeinde in Kreisrandlage aus dem Dornröschenschlaf? Nicht weniger als diese Herausforderung galt es für das Büro PlanInvent zu lösen – offenbar erfolgreich: Nach einer Dorfwerkstatt und drei Arbeitskreisen konnte Projektleiter Dr. Frank Bröckling am Donnerstag mit mehr als 30 Projekten auf der Ideenmesse in der Westerkappelner Aula aufwarten.

Immerhin gut 100 Gäste kamen zur Zukunftswerkstatt, um die Projekte kennenzulernen. Dafür wurden die Ideen auf Stellwänden präsentiert. Der bunte Blumenstrauß an Vorschlägen reichte von pragmatisch bis visionär, teils bereits sehr konkret ausgearbeitet.

Die Vorschläge stammen aus der Feder engagierter Westerkappelner. Sie folgten der Frage, wie der Ort an Strahlkraft gewinnen und zukünftig wieder glänzen kann, und was dem Ort fehlt.

Um die Ideen zu aktivieren, nutzt Bröckling ein wirksames Instrument: die Fäden laufen bei einem oder mehreren Projekt-Paten zusammen, deren persönliche Motivation im Idealfall die Idee nicht nur am Leben hält, sondern auch voranbringt. Viele der Paten stellten ihre Visionen selbst vor.

Ein bisschen Vorstellungskraft brauchte es schon, um der Idee Dirk Meyers zu folgen, der die Aufenthaltsqualität im Ortskern mit einem offenen Wasserlauf steigern möchte. „Die Strukturen sind vorhanden, Zugang zu Wasser gibt es am Kirchplatz wie am Hasenbrunnen“, hat sich der einstige Handelsreisende bereits Gedanken gemacht. „So ein Wasserlauf zieht viele an“, ist er sich sicher und verleiht seiner Idee mit entsprechenden Fotos aus Süddeutschland Nachdruck.

Die Aufwertung des Ortskerns liegt auch dem Kappelner Band am Herzen.Vorsitzende Katja Otte machte aus ihrer Enttäuschung über die Entwicklung keinen Hehl, „Der Ortskern ist in einem bedauernswerten Zustand“, stellte die Floristin fest. Sie würde sich heute nicht mehr im Ortskern selbstständig machen.

Nichtsdestotrotz hat sie viele Ideen, wie man den Ortskern wieder aufwerten könnte, beispielsweise mit einheitlicher Fassadengestaltung, Begrünung und gezielter Ansiedlung kreativer Geschäfte. „Die Umsetzung solcher Maßnahmen kostet natürlich Geld“, betonte sie und dieser Hinweis dürfte in Richtung Rathaus und Politik gegangen sein.

Sybille Schwope vom Kappelner Band will sich der Durchgänge und Zuwege im Ortskern annehmen. Ungepflegte Ecken und Müll sind ihr ein Dorn im Auge, stattdessen will sie das Erscheinungsbild mit Graffiti auf Hauswänden und Kunst auf Verteilerkästen aufwerten.

Im Süden der Gemeinde wird ein neuer Treffpunkt anvisiert, der auch als Etappenziel für Radler dienen könnte. Die konkrete Idee Verena Kemkens und Sebastian Kizinnas: Ein Spielplatz, der mit seinem Angebot auch größere Kinder und Erwachsene anspricht, beispielsweise mit Klettermöglichkeit. Bereichern wollen sie den Treffpunkt durch überdachte Bereiche, Sitzgelegenheiten, Schaukästen für die Vereine im Süden und Schutzprojekte für Bienen und Insekten. Die Idee des Bienenschutzes verfolgt außerdem Maren Kruse für Westerkappelns Grünanlagen.

Auch für den Ortskern könnte sich ein neuer Treffpunkt abzeichnen, so verfolgt eine Vision die Installierung einer „Konzertmuschel“ auf der Grünfläche vor der Kirche, was den Projekten „Events am Kirchplatz“ und „Sommerkulturprogramm“ eine zentrale Anlaufstelle bieten könnte.

Gemeinsam geschaffene Kunst in Form von Tonsteinen oder Fliesen könnte solchen Orten in der Gemeinde ein verbindendes Element bescheren, wie Heidrun Bailly ausführte.

Überhaupt sind viele kreative Ideen dabei, von einer Kreativ-Werkstatt bis zur Installation farbiger Beleuchtung an den innerörtlichen Fassaden, wie Markus Möllenhoff erläuterte. Ihm liegt außerdem ein Baumpaten-Projekt mit dem Titel „700 Eichen für Westerkappeln“ am Herzen.

Horst Meyer engagiert sich in einer Arbeitsgruppe, die Wanderstrecken auslotet und Themenrouten kreiert. Darin werden auch die „Westerkappelner-Wander-Wochen“ heiß gehandelt. Sein Traum: „Ein Aussichtspunkt auf dem Morgensternschacht.“

Auch Großprojekte wie ein Mehrfunktionenhaus oder ein Bürgerzentrum stehen auf der Ideen-Agenda. Wolfgang Jonas möchte die Alte Poststraße aufgewertet sehen, Anke Biehl plant zeitnah das Marketing für Westerkappeln zu erneuern.

Darüber hinaus gibt es umweltbewusste Projekte, die weitere Photovoltaikflächen, Bienenweiden, einen Unverpackt-Laden oder Lastenräder zur Auslieferung in Westerkappeln anstreben.

Viele der Projekte dürften gute Chancen haben. Denn Westerkappeln hat das Glück, einer Leader-Region anzugehören. „Wir haben insbesondere innovative Projekte im Blick, die die Sozialstruktur fördern, ökologisch ausgerichtet sind oder Wissen und Kompetenz vermitteln“, so Leader-Regionalmanager Thomas Köhler.

„Das ist der Start in unsere Zukunft“, fasste Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer die vielen Ideen zusammen. Bröckling betonte, dass die Themensammlung deshalb nicht abgeschlossen sei. Alle Projekttafeln sind in den nächsten Wochen im Rathaus zu sehen. Am 28. Oktober will man sich erneut treffen, um auszuloten, wie einzelne Projekte konkretisiert werden können.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6944609?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F188%2F
Strategiepapier für den Eichenprozessionsspinner
In sensiblen Bereichen sollen im nächsten Jahr Nester entfernt werden. Die Gemeinde hat dazu im Haushalt 15 000 Euro eingestellt.
Nachrichten-Ticker