Politiker diskutieren über Erweiterung der Grundschule am Bullerdiek
Große Lösung für „Kappeln 21“

Westerkappeln -

Hamburg hat seine Elbphilharmonie, Berlin seinen Flughafen „Willy Brandt“, Stuttgart seinen Bahnhof. Und Westerkappeln hat die Grundschule am Bullerdiek, Jürgen Schulte, Fraktionsvorsitzender der Bürgergemeinschaft im Rat, spricht mittlerweile von „Kappeln 21“.

Mittwoch, 25.09.2019, 18:01 Uhr aktualisiert: 25.09.2019, 18:52 Uhr
Das zweite Obergeschoss für den Erweiterungsbau der Grundschule am Bullerdiek – hier rot umkringelt – ist wahrscheinlich die Variante, die der Rat beschließen wird – auch wenn es die teuerste Version ist.
Das zweite Obergeschoss für den Erweiterungsbau der Grundschule am Bullerdiek – hier rot umkringelt – ist wahrscheinlich die Variante, die der Rat beschließen wird – auch wenn es die teuerste Version ist. Foto: flatauarchitekten

Trotz einer Explosion der Kosten für die Erweiterung und Modernisierung um fast 70 Prozent auf nunmehr rund 4,5 Millionen Euro zeichnet sich ab, dass die Politik das Projekt nicht abspecken will und wie zu Jahresbeginn beschlossen an einer großen Lösung festhält.

Nach einer mehrstündigen Beratung im Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsausschuss vor einer Woche haben sich am Dienstagabend auch die Mitglieder des Bau- und des Schulausschusses in einer gemeinsamen Sondersitzung mit den Erweiterungsplänen beschäftigt. Die Zeit drängt, da die Bindungsfrist für die angeboten Rohbauarbeiten Ende Oktober abläuft und es sonst noch teurer werden könnte.

Architekt Edmund Flatau schickte seinen Junior Malte vor, der den Politikern drei Aus- und Umbauvarianten präsentierte, die eines gemeinsam haben: Alle kosten deutlich mehr als die im Winter genannte Bausumme von 2,704 Millionen Euro.

Mit rund 4,5 Millionen Euro am teuersten wäre die große, vom Rat beschlossene und beantragte Variante mit einem zweiten Obergeschoss für den Neubau zwischen Bestandsgebäude und Turnhalle.

Bei der kleinen Variante entfiele das zweite Obergeschoss. Stattdessen gibt es ein Flachdach für den ersten Stock. Diese Version würde immerhin noch knapp vier Millionen Euro kosten. Der Bau eines zweiten Obergeschosses sei zu einem späteren Zeitpunkt noch möglich. Die Statik passe, versicherte Malte Flatau.

Als dritte Möglichkeit stellte er eine Kombination aus kleiner Variante mit gleichzeitiger Sanierung der vorhandenen Kellerräume vor. Die Kosten bezifferte der Architekt auf 4,26 Millionen Euro. Aber Obacht: Bei den bisherigen Bauarbeiten im Schulzentrum seien die Unternehmen auf „Gegebenheiten gestoßen, die so nicht erkennbar waren. Bei einer Kellersanierung ist Ähnliches zu erwarten“, gab Flatau zu bedenken. Anders formuliert: Mehrausgaben sind nicht ausgeschlossen.

Anne Frickenstein, Leiterin der Grundschule am Bullerdiek, machte in der Sitzung keinen Hehl daraus, dass sie die große Lösung favorisiert. Insbesondere fehle es der Schule an Lagermöglichkeiten. Ohne zweites Obergeschoss müsse der Keller auf jeden Fall saniert werden. Denn dort gibt es ein Feuchtigkeitsproblem. „Wir sind verpflichtet, Akten 50 Jahre lang aufzubewahren“, erklärte die Schulleiterin.

Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer meldete Zweifel an, ob der Keller wirklich so hinreichend saniert werden kann, dass er trocken bleibe. Auch Wolfgang Jonas, CDU-Fraktionsvorsitzender, wies auf „Unwägbarkeiten“ hin, die eine Sanierung am Ende teurer machen könnten. Seine Fraktion beantrage deshalb – „auch wenn es uns schwer fällt“ – die große Lösung.

Thomas Wesselmann, sachkundiger Bürger der SPD im Schulausschuss, wähnte eine vierte Variante vergessen: Wenn die Lösung mit zweiten Obergeschoss gebaut werde, könne der Keller doch nicht so gelassen werden wie er ist. „Irgendwann hat man da sonst ein Schwimmbad.“ Edmund Flatau sprach in diesem Zusammenhang von Gebäudeunterhaltung, um die die Gemeinde wohl nicht herumkomme.

Dass der Keller auf Dauer saniert werden muss, meinten auch die anderen Fraktionen. Als gemeinsamer Tenor war ebenso herauszuhören, dass wohl die große Variante mit zweitem Obergeschoss zum Tragen kommt. „Es geht um bessere Bildung und das Wohl der Kinder“, meinte Michael Puke (SPD).

Eine Entscheidung soll nun am Donnerstagabend in der Ratssitzung fallen.

Unklar ist auch am Dienstag geblieben, wie es zu der immensen Kostensteigerung kommen konnte. Architekt Flatau hatte die Entwicklung im Hauptausschuss unter anderem mit „einer Nachlässigkeit“ begründet. Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer räumte auf Nachfrage ein, dass sie Flataus Argumenten nur bedingt folgen könne.

„Die Begründung ist für mich nicht ganz zufriedenstellend.“ Nach Darstellung der Verwaltungschefin bestand die „Nachlässigkeit“ des Architekturbüros unter anderem darin, dass die Planungsaufträge an die Fachingenieure erst nach Stellen des Bauantrages vergeben worden seien. Normalerweise geschehe dies umgekehrt. Danach habe es insgesamt sieben Entwürfe für die Grundschulerweiterung gegeben. „Der Fehler war wohl, dass die Kosten bei jeder Änderung nicht neu berechnet wurden“, sagte Große-Heitmeyer. Erst in den Sommerferien sei plötzlich von einer Steigerung um 1,8 Millionen Euro die Rede gewesen.

Kommentar: Schlamperei

Wörterbücher liefern als Synonyme für Nachlässigkeit unter anderem Begriffe wie Fahrlässigkeit oder Schlendrian. Als Sinnähnlich gilt auch Schlamperei. Und dieses Wort trifft wohl am besten, was Architekt Edmund Flatau in puncto Kostenexplosion für die Erweiterung und Modernisierung der Grundschule am Bullerdiek mit „eine Nachlässigkeit“ verniedlichte.Zugegeben: Die im vergangenen Winter genannten 2,704 Millionen Euro waren nur eine Schätzung, die Flatau den Ratsgremien und dieser Zeitung aber als ziemlich genaue Annahme verkaufte. Dass sein Büro sich binnen eines halben Jahres um knapp 70 Prozent verkalkuliert hat, ist nicht nachvollziehbar und mit einer „Nachlässigkeit“ kaum zu entschuldigen. Es mag sein, dass der Gemeinde angesichts der vorhandenen und entstehenden Vermögenswerte kein bilanzieller Schaden entsteht. Fakt ist aber auch, dass die Mehrausgaben von 1,8 Millionen Euro der Gemeinde an anderer Stelle fehlen könnten. In der politischen Verantwortung steht vor allem Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer. Sie selbst bezeichnet Flataus Argumentation als nicht zufriedenstellend. Die Verwaltungschefin muss daher jetzt auf eine für alle Bürger nachvollziehbare Aufklärung sorgen. Sollte irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugegangen sein, könnte die Erweiterung der Grundschule ein Fall für die Gerichte werden.

...

Martin Laumann-Stening (Bündnis 90/Die Grünen) forderte am Dienstag mehrfach, dass die Gemeinde Regressansprüche prüfen lassen müsse. Die Bürgermeisterin versicherte gegenüber den WN, dies tun zu wollen – auch wenn der Architekt bereits erklärt habe, dass der Gemeinde kein Schaden entstehe. Reinhard Fiedler, sachkundiger Bürger der FDP und Bauingenieur, machte strukturelle und organisatorische Defizite im gesamten Planungsprozess für die Kostenexplosion verantwortlich. „Dass wir heute bei 4,5 Millionen Euro liegen, hätten wir schon vor zwei bis drei Jahren wissen können.“

Ob diese Summe das letzte Wort ist, bleibt fraglich. „Ich werde dazu keine Aussage tätigen“, erklärte Große-Heitmeyer. Sicher scheint dagegen, dass die Erweiterung des Betreuungsgebäudes für den Offenen Ganztag „ein bisschen teurer“ geworden ist, so die Bürgermeisterin. Um wie viel, könne sie noch nicht sagen. „Die Endabrechnung ist noch nicht da.“

Laut Planung wurden für den An- und Umbau inklusive Technik und Mobiliar etwa 1,2 Millionen Euro einkalkuliert.

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