Auch fehlende Winterruhe wird Problem für die Imker
Weniger Nektar durch Trockenheit

Lotte/Westerkappeln -

„Wasser ist das A und O“, betont Dieter Knevelkamp. Der Wersener Imker hat seit über 50 Jahren 30 Bienenvölker an vier Standorten in Wersen und Westerkappeln und beobachtet, dass die fleißigen Honigproduzenten in den vergangenen beiden Dürrejahren weniger Nektar sammeln konnten als sonst.

Freitag, 04.10.2019, 15:36 Uhr
Eine Honigbiene sucht in der Blüte einer Sonnenblume nach Nahrung. Etwa 870.000 Bienenvölker gibt es in Deutschland, die 25.000 Tonnen Honig produzieren. Von einst 560 Bienenarten in Deutschland ist heute die Hälfte bedroht oder ausgestorben. Die Tiere werden durch Viren oder Parasiten wie die Varroramilbe bedroht. Der Einsatz von Pestiziden, großflächige Monokulturen und mehrere sogenannte Neonikotinoide schwächt nicht nur Honigbienen und macht sie für Parasiten und Krankheiten anfällig, sondern ist auch für den Rückgang anderer Insektenarten verantwortlich.Der Wersener Dieter Knevelkamp ist seit über 50 Jahren Mitglied im Deutschen Imkerbund. Seine 30 Völker stehen an vier verschiedenen Standorten in Wersen und Westerkappeln.
Eine Honigbiene sucht in der Blüte einer Sonnenblume nach Nahrung. Etwa 870.000 Bienenvölker gibt es in Deutschland, die 25.000 Tonnen Honig produzieren. Von einst 560 Bienenarten in Deutschland ist heute die Hälfte bedroht oder ausgestorben. Die Tiere werden durch Viren oder Parasiten wie die Varroramilbe bedroht. Der Einsatz von Pestiziden, großflächige Monokulturen und mehrere sogenannte Neonikotinoide schwächt nicht nur Honigbienen und macht sie für Parasiten und Krankheiten anfällig, sondern ist auch für den Rückgang anderer Insektenarten verantwortlich.Der Wersener Dieter Knevelkamp ist seit über 50 Jahren Mitglied im Deutschen Imkerbund. Seine 30 Völker stehen an vier verschiedenen Standorten in Wersen und Westerkappeln. Foto: dpa

Trotz des geringeren Ertrags sei die Honigernte diesen Sommer aber noch „zufrieden stellend“. Das größte Problem in der Imkerei seien die zu milden Winter, was zur Ausbreitung der Varroa-Milbe führe.

Der Bienensommer ist vorbei, der letzte Honig geerntet. Dieses Jahr war der Ertrag mit 20 bis 20 Kilo pro Volk „nicht ganz so hoch“ wie sonst, aber „noch zufrieden stellend“, berichtet Knevelkamp . Allerdings habe er nicht nur in diesem,sondern schon im vorigen Jahr festgestellt: „Es fehlt nicht nur an Wasser, sondern auch an Nektar in den Blüten.“

Selbst in der Düsterdieker Niederung, einem der vier Standorte für seine Bienenkästen, sei es dieses Jahr extrem trocken gewesen. „Ich hatte Angst, dass da was brennen könnte“, sagt der Imker. Und: Bienenfreundliche Wildblumen gebe es schon seit Jahrzehnten immer weniger. Die von den Landwirten und von der Gemeinde angelegten Blühstreifen und -wiesen seien da nur ein Tropfen auf den heißen Stein, zumal sie sich meist nicht in der Nähe der Bienenstöcke befänden.

Zwei- bis zweieinhalb Kilometer betrage der Flugradius einer Honigbiene, erläutert der Wersener Imker. In den Städten sei das Blütenangebot oft sogar besser als auf dem Land, da dort keine Pestizide ausgebracht würden.

Im September hat Dieter Knevelkamp damit begonnen, Zuckerlösung zuzufüttern. „Die Sommerbienen fliegen irgendwann raus und kommen nicht mehr zurück“, erläutert er. „Abgearbeitet und ausgelaugt, sterben sie dann vor Erschöpfung.“

Die Brut, die jetzt schlüpfe, um dann ab Oktober/November bis zum Frühjahr zu überwintern, seien schon Winterbienen. Sie fliegen bei Temperaturen ab zehn Grad plus aber noch aus und ruhen in normalen Wintern erst bei Temperaturen unter dieser Marke in ihren Kästen.

Der Wersener Dieter Knevelkamp ist seit über 50 Jahren Mitglied im Deutschen Imkerbund. Seine 30 Völker stehen an vier verschiedenen Standorten in Wersen und Westerkappeln.

Der Wersener Dieter Knevelkamp ist seit über 50 Jahren Mitglied im Deutschen Imkerbund. Seine 30 Völker stehen an vier verschiedenen Standorten in Wersen und Westerkappeln. Foto: Erna Berg

Dass die Winter schon seit einigen Jahre nicht mehr kalt genug sind und die brutfreie Zeit daher immer kürzer werde, sei ein großes Problem, berichtet der Wersener. Hinzu komme, dass auf den Äckern inzwischen das ganze Jahr hindurch Blütenpflanzen wie Senf oder Phacelia als Zwischenfrucht angebaut würden.

Das ist im Prinzip zwar gut für die Nektarsammmler, aber eben nicht im Winter: Wenn die Winterbienen ständig ausfliegen statt zur Ruhe zu kommen, schwächt das die Völker. Die Königin legt dann weiter fleißig Eier, in den Waben sammelt sich zu viel Nektar, der fest und hart wird und sich dann bei niedrigeren Temperaturen nicht mehr lösen lässt. Und der schlimmste Bienenschädling, die Varroa-Milbe, hat nach Knevelkamps Worten leichtes Spiel: „Die Milbe hat dann eine Population mehr, um sich auszubreiten.“

Der Parasit sauge an der Bienenlarve und sei schuld daran, dass es dann immer mehr kleine und verkrüppelte Bienen gebe. Der Milbenbefall gehe nur dann zurück und lasse sich erfolgreich bekämpfen, wenn die Völker zwischendurch keine Brut mehr haben. Bei den Honigbienen sei die Varroa-Milbe hauptverantwortlich für das Bienensterben.

Mit Schädlingen und Krankheiten, wie der Varroa-Milbe und der jüngst vermehrt auftretenden Amerikanischen Faulbrut, sowie deren Bekämpfung kennt sich auch Robert Laufer bestens aus. Als Züchter und Bienensachverständiger berät er Amtstierärzte und ist Lehrbeauftragter des Landesverbandes westfälischer und lippischer Imker in Hamm. „Man kann bereits im Winter dafür sorgen, dass sich die Varroa-Milbe im Sommer schlechter vermehren kann“, betont Laufer. Dafür werde eine Lösung von 60-prozentiger Ameisensäure in den Völkern verdunstet. „Das verätzt die Atemwege der Milben, verschont aber die Bienen, weil die viel größer sind als die Milben“, erklärt der Fachmann.

Gegen eine andere Krankheit, auch Bienenpest genannt, die Bienen im Jungstadium befällt, müssen Imker mittlerweile immer häufiger vorgehen. „Mit der Amerikanischen Faulbrut müssen wir uns seit etwa drei Jahren vermehrt befassen. In den vergangenen drei Wochen sind viele Sperrbezirke hinzugekommen. Gefährlich für den Menschen ist die Faulbrut aber nicht“, erklärt Laufer zum anzeigepflichtigen Befall der Bienenlarven, wie er Mitte September in Lotte festgestellt wurde.

„Dem Volk ist es anzusehen, wenn es krank ist. Ein Bienenvolk ist ein Organismus mit schnellem Wechsel. Eine Biene lebt nur 14 Tage, dann müssen neue aus den Waben schlüpfen. Gibt es zu viele Brutausfälle, dann kann ein Volk sterben“, berichtet der Bienenfreund.

Ein Sperrbezirk mit einem Radius von drei Kilometern um das kontaminierte Volk richtet die zuständige Behörde ein. Es kann etliche Monate dauern, bis er aufgehoben wird.

Das Faulbrut-Bakterium hat nur die Chance mit der Fütterung den Darm der Larve zu befallen, noch bevor die Pflegebienen die Zelle mit Wachs verschließen. Das Bakterium zersetzt den Darm und letztlich die gesamte Larve von innen. Um Befall zu überprüfen, wird eine Probe aus dem Futterkranz der Zellen aller Völker entnommen. „Ein Esslöffel voll reicht aus. Getestet werden die Proben in einem Labor in Münster. In letzter Zeit sind viele Spuren entdeckt worden, weshalb es mehr Sperrbezirke gibt“, so Laufer.

Auch macht er keine Hoffnungen, dass die Faulbrut ausgerottet werden könne: „Schützen kann man sich nicht. Die Bakterien sind in vielen Honigen, besonders in importierten aus Argentinien und China“, weiß Laufer. In Argentinien kippten die Imker sicherheitshalber Antibiotika in die Völker. „Das ist in Deutschland verboten.“

Doch auch gegen die Faulbrut kann man etwas tun. Kunstschwarmverfahren heißt die aufwendige Methode. „Wenn man das macht, muss man mindestens zwei Kilo Bienen, das sind etwa 20 000 Tiere, im Volk haben“, betont Robert Laufer. Die Königin werde in eine leere Kiste gegeben und das Volk aus dem Stock gefegt. Es hänge sich um die Königin.

Das Wachs der Waben wird vernichtet. „Die Tierseuchenkasse stellt ein Seuchenmobil auf. In dem Behälter wird eine etwa 90 Grad heiße Natronlauge hergestellt, in die der Imker die leeren Magazine taucht. Anschließend wird mit Hochdruck abgespritzt und getrocknet“, erklärt der Bienenfachmann.

Nun hänge der Imker neue Rahmen in die Magazine, die Königin werde mit ihrem Volk wieder umgesiedelt. „Reichlich Zuckerlösung müssen wir dann bereitstellen, denn ein Neustart kostet viel Kraft“, sagte er. Entschädigungen für Ausfälle gibt es auch. „Die Völker werden von Amtstierärzten und Bienensachverständigen geschätzt. Je nachdem kann es durchaus einen dreistelligen Betrag geben“, berichtet Laufer aus der Praxis.

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