Diskussionen über neue Wohnbauprojekte in Westerkappeln
Politiker finden Pläne gut, aber...

Westerkappeln -

In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses sind zwei Bauprojekte für den Ortskern vorgestellt worden. Mehr als zwei Dutzend neue Wohnungen sollen in zentraler Lage entstehen. Von beiden Plänen zeigten sich die Politiker angetan. Zugestimmt haben sie jedoch nicht.

Mittwoch, 09.10.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 09.10.2019, 18:16 Uhr
Das frühere Haus Hischemöller-Busch an der Ecke Neustädter Straße/Bullerteichstraße soll abgerissen werden. An seiner Stelle plant ein Investor den Bau von zwei Mehrffamilienhäusern.Ein mehrgeschossiges Wohngebäude (Ansicht von Westen) will Unternehmer Thorsten Lorenz zwischen Restaurant „Kreta“ und „Postenbörs“ errichten. Ins Erdgeschoss und den ersten Stock soll eine Pflege-WG ziehen. Die Politiker in den Ratsgremien bemängeln, dass zu wenig Parkplätze geschaffen werden sollen.
Das frühere Haus Hischemöller-Busch an der Ecke Neustädter Straße/Bullerteichstraße soll abgerissen werden. An seiner Stelle plant ein Investor den Bau von zwei Mehrffamilienhäusern.Ein mehrgeschossiges Wohngebäude (Ansicht von Westen) will Unternehmer Thorsten Lorenz zwischen Restaurant „Kreta“ und „Postenbörs“ errichten. Ins Erdgeschoss und den ersten Stock soll eine Pflege-WG ziehen. Die Politiker in den Ratsgremien bemängeln, dass zu wenig Parkplätze geschaffen werden sollen. Foto: Frank Klausmeyer

Das erste Vorhaben möchte Thorsten Lorenz realisieren. Der Westerkappelner Unternehmer hat in den vergangenen Jahren im historischen Ortskern diverse Immobilien – darunter das „Alte Gasthaus Schröer – aufwendig saniert. Jetzt will er auf einem gut 900 Quadratmeter großen, unbebauten Grundstück zwischen dem Restaurant „Kreta“ und der Postenbörse ein mehrstöckiges Wohngebäude errichten. Das Besondere: Im Erdgeschoss und im ersten Stock soll eine Wohngemeinschaft für Pflegebedürftige mit maximal zwei Bewohnerplätzen eingerichtet werden. Die Pflegekräfte würden ins Souterrain ziehen und sich – je nach Pflegebedürftigkeit – um die Mieter in der WG kümmern. Im Obergeschoss sind normale Wohnungen geplant.

„Bauchschmerzen“ hat nach eigenen Worten Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer allerdings wegen der Parkplätze. Laut Planung sind auf dem Grundstück lediglich sieben Pkw-Stellplätze sowie zehn Abstellplätze für Fahrräder geplant.

Lorenz habe auf dem Grundstück durch Eintragung mehrerer Baulasten für die in seinem Besitz befindlichen anderen Immobilien im Ortskern die Parkplätze nachgewiesen, die für eine Baugenehmigung erforderlich seien. Der Investor habe vor, etwa 20 Parkplätze bei der Gemeinde abzulösen. Laut Satzung ist dies für 3100 Euro pro Stellplatz möglich. Die Baulast wäre damit erloschen.

Ein mehrgeschossiges Wohngebäude (Ansicht von Westen) will Unternehmer Thorsten Lorenz zwischen Restaurant „Kreta“ und „Postenbörs“ errichten. Ins Erdgeschoss und den ersten Stock soll eine Pflege-WG ziehen. Die Politiker in den Ratsgremien bemängeln, dass zu wenig Parkplätze geschaffen werden sollen.

Ein mehrgeschossiges Wohngebäude (Ansicht von Westen) will Unternehmer Thorsten Lorenz zwischen Restaurant „Kreta“ und „Postenbörs“ errichten. Ins Erdgeschoss und den ersten Stock soll eine Pflege-WG ziehen. Die Politiker in den Ratsgremien bemängeln, dass zu wenig Parkplätze geschaffen werden sollen.

Die SPD-Fraktion begrüße die Planung einer Pflege-WG „ausdrücklich“, erklärte Michael Puke . Lorenz müsse sich jedoch verpflichten, mindestens zwölf Pflegeplätze zu schaffen und nicht maximal, wie es in den Unterlagen heißt – „damit da nicht verkappt normale Wohnungen draus gemacht werden.“ Auch die SPD sehe das Thema Parkplätze kritisch. Offenbar wolle sich der Investor mit einer Ablöse bestehender Stellflächen freikaufen, meinte Puke und sprach „gerade bei diesem Investor“ von einem „heiklen Thema“ .

„3100 Euro Ablöse sind im Vergleich zu den Kosten für eine Tiefgarage ein Schnäppchen“, sagte Rainer Echterhoff ( CDU ). Jürgen Schulte (Bürgergemeinschaft) nannte den Vorschlag sogar eine „Frechheit“.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Jonas bezeichnete die Pläne als „interessant und sinnvoll“. Er wies jedoch auf ein anderes Problem hin: Es handele sich bei der Pflege-WG nicht um ein Gewerbe, wie es die künftigen Festsetzungen des noch in Arbeit befindlichen Bebauungsplanes „Ortskern“ vorsehen, sondern um eine Wohnnutzung. Mit der erst unlängst von der Ratsmehrheit beschlossenen Verlängerung einer Veränderungssperre soll eine solche Entwicklung verhindert werden. Ausnahmen sind möglich. Bei einer so „dünnen Falllage“, womit Puke die Parkplatz-Problematik und fehlende Grundrisse fürs Obergeschoss meinte, könne die SPD aber nicht zustimmen.

Der Bauausschuss und danach der Rat haben ein gemeindliches Einvernehmen verneint. Die Verwaltung wurde beauftragt, mit dem Investor weitere Gespräche zu führen.

Diesen Auftrag hat die Verwaltung auch für das zweite Bauvorhaben bekommen. Die W+H Grundbesitz GmbH will an der Ecke Neustädter Straße/Bullerteichstraße ein leer stehendes Gebäude, in dem früher das Malergeschäft Hischemöller-Busch ansässig war, abreißen und an der Stelle zwei Mehrfamilienhäuser mit jeweils sechs Wohnungen (3 Zimmer/Küche/Bad) errichten. Grundsätzlich gibt es in der Politik Unterstützung für die Pläne, „weil wir dringend Wohnraum brauchen“, wie Jürgen Schulte erklärte.

Doch auch dieses Grundstück liegt innerhalb des Plangebietes „Ortskern“. Auch hier gilt also die Veränderungssperre, die Wohnungen im Erdgeschoss verhindern soll. „Damit haben wir uns regelrecht verrannt“, kritisierte Wolfgang Jonas. Schulte hingegen hat kein Problem mit der Veränderungssperre, Ausnahmen seien ja möglich.

Die Schwierigkeit an dieser Stelle ist aber ein anderes, wie Bauamtsleiter Patrick Lenz erläuterte. „Wir haben Hinweise bekommen, wonach genau an dieser Stelle bei Starkregen Probleme mit der Kanalisation auftauchen.“ Dies solle zunächst mit dem Investor geklärt werden. Ein gemeindliches Einvernehmen für die Mehrfamilienhäuser ist anschließend sehr wahrscheinlich.

Genehmigungsbehörde für beide Projekte ist der Kreis Steinfurt.

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