Der Trend geht zum Huhn: Gehege im Siedlungsgarten
Kehliges Kollern beruhigt

Westerkappeln -

Zwischen beschaulichen Einfamlienhäusern, hohen Hecken und gepflegten Gärten picken Hühner, rund zwölf an der Zahl plus Hahn. Stolze Besitzer sind André Wöhl und Peter Hoffmann. Seit 14 Jahren züchten sie das Federvieh in ihrem Garten. Und stehen damit nicht allein da: Der Trend geht zum Huhn.

Freitag, 25.10.2019, 15:22 Uhr aktualisiert: 27.10.2019, 10:18 Uhr
Hühnerhalter Peter Hoffmann und André Wöhl haben in ihrem Garten ein Gehege mit Stall angelegt.
Hühnerhalter Peter Hoffmann und André Wöhl haben in ihrem Garten ein Gehege mit Stall angelegt. Foto: Katja Niemeyer

Inmitten der Siedlung an der Haubreede, an einer Straßenkreuzung erklingt plötzlich ein glückliches Gurren. Ein wenig erinnert es an Tauben. Vielleicht ist es auch eher ein Gackern, allerdings in gedämpfter Tonlage. Des Rätsels Lösung befindet sich hinter einem Zaun: Zwischen beschaulichen Einfamlienhäusern, hohen Hecken und gepflegten Gärten picken Hühner, rund zwölf an der Zahl plus Hahn. Stolze Besitzer sind André Wöhl und Peter Hoffmann . Seit 14 Jahren züchten sie das Federvieh in ihrem Garten. Anfangs hätten sie ja an zwei Zwergziegen gedacht – aber sie in einer dichten Siedlung halten? Die beiden winken ab. Hühner erschienen ihnen dann doch wesentlich besser geeignet. Und an das Gezicke im Stall haben André Wöhl und Peter Hoffmann sich inzwischen auch gewöhnt, wie sie sagen.

Der Trend geht zum Huhn. Eindeutig. Immer mehr halten sich Glucken und Hahn in ihrem Siedlungsgarten. Züchter vermelden eine steigende Nachfrage, bestätigt Fritz Dieter Hawes vom Landesverband der Rassegeflügelzüchter Westfalen-Lippe.

Auch den Hobby-Hühnerfarmern von der Haubreede stand der Sinn nach Landleben, nachdem sie sich in der Siedlung ihren Traum vom Eigenheim verwirklicht hatten. Nach einem stressigen Arbeitstag freuen sie sich darauf, das liebe Federvieh zu füttern, das Gehege auf Vordermann zu bringen und die Eier einzusammeln.

Das kehlige Kollern der Tiere tut sein Übriges, vermittelt eine wohlige Atmosphäre, die André Wöhl nach der Arbeit in der Notfallaufnahme eines Krankenhauses genießt, wie der Krankenpfleger sagt.

Hühnerhaltung gilt eigentlich als unkompliziert. Aber allein die Wahl der Rasse bereitete dem Paar Kopfzerbrechen. Etwa 200 Rassen sind in Deutschland registriert. „Anfangs versuchten wir es mit Brahmas, einer alten Rasse“, erzählt Peter Hoffmann. Ruhige Zeitgenossen, wenn sie nur nicht schon nach kurzer Zeit das Zeitliche gesegnet hätten. Auch von Hybridhühnern waren die beiden schnell wieder ab – „die machen sehr viel Dreck“. Schließlich entdeckten sie Seidenhühner. Eine robuste Rasse mit zahlreichen Vorteilen, wie sie rasch herausfanden. „Die Tiere sind zutraulich und ruhig“, fasst Peter Hoffmann die Qualitäten der Rasse zusammen. Ein weiterer Vorteil: Sie können nicht fliegen – und somit auch nicht ausbüxen. Mit ihrem weißen plauschigen Gefieder wirken Seidenhühner zudem edel.

So genügsam sie auf den Betrachter auch wirken mögen – das Federvieh von André Wöhl und Peter Hoffmann ist anspruchsvoll. Zum Fressen bevorzuge es Körner und Salat, dazu Spaghetti und Reis und ab zu ein hart gekochtes Ei. Das Gehege und den Stall hält das Paar penibel sauber. Nachts bleibt der Unterschlupf geschlossen, um die Hühner vor Mardern und Ratten zu schützen. „Ein großes Problem“, sagt Peter Hoffmann, „sind Vogelmilben“. Spatzen schleppen sie ein. Ein Badesand soll helfen. Darin reinigen die Tiere ihr Gefieder, erläutert André Wöhl.

Wenn es draußen dämmert, dirigiert er die kleine Schar in den Stall. Dann werde regelmäßig die Rangordnung geklärt. Zickenterror eben. Schon bald herrscht aber Ruhe im Hühnerstall. Zumindest bis zum anderen Morgen, wenn die Sonne aufgeht. Dann meldet sich der Hahn zu Wort. Das Krähen dringe aber nur gedämpft aus dem Stall, versichern die Hobby-Hühnerzüchter. Und wenn der Hahn seine Stimme unter freiem Himmel erhebt, dann hofft Peter Hoffmann auf das Verständnis der Nachbarn.

Die Familie von gegenüber scheint das Stück Bauernhof vor ihrer Haustür mit Gelassenheit zu nehmen. Für Fütterung und Pflege springt sie jedenfalls immer dann ein, wenn das Paar in den Urlaub fährt, berichtet André Wöhl.

Bei anderen Nachbarn und Spaziergängern stößt das scharrende Geflügel im Auslauf bisweilen auf großes Interesse. So kommt es immer mal wieder zu einem Plausch übern Gartenzaun. „Die Leute sprechen uns an und erkundigen sich nach den Hühnern“, freut sich André Wöhl über die Resonanz.

Und wenn die Seidenhühner fleißig gelegt haben, gelangen ihre Eier auch schon mal in die Küchen der Nachbarhäuser. Wobei die sich wegen ihrer geringen Größe weniger als Frühstücksei eignen würden, findet Peter Hoffmann. „Zum Backen und Braten sind sie aber perfekt.“ So manche gefiederte Zweibeinerin landet im Suppentopf der beiden Westerkappelner. Namen haben sie den Tieren deshalb auch noch nie gegeben. Wilma verspeisen – das geht gar nicht.

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