Tecklenburger Nordbahn
Ein Gefühl wie in der Straßenbahn

Westerkappeln/Tecklenburger Land -

Seit mehreren Jahren wird über das Für und Wider zur Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn (TN) gestritten. Beide Seiten stellen ihre Sicht in der Dinge jetzt in einer Ausstellung vor. Dazu wurde sogar die TN reaktiviert – für einen Tag.

Sonntag, 27.10.2019, 16:40 Uhr aktualisiert: 27.10.2019, 16:52 Uhr
Tecklenburger Nordbahn: Ein Gefühl wie in der Straßenbahn
Foto: Erhard Kurlemann

Voraussichtlich Ende des Jahres 2019 soll es neue Berechnungen geben, was die Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn kostet. Darauf hat Landrat Dr. Klaus Effing am Sonntag im Kuckucksnest in Westerkappeln hingewiesen. Dort eröffnete er eine Wanderausstellung zum Projektverlauf und den relevanten Planungsschritten des Projektes. Effing warb dafür, die „neuen Zahlen abzuwarten.“ Es sei wichtig für das Projekt, in den Dialog mit den Bürgern einzutreten und größtmögliche Transparenz zu erzielen. Er erinnerte auch daran, dass „die Entscheidung letztendlich in Düsseldorf getroffen wird.“

Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer sagte, eine Entscheidung für die Reaktivierung sei nicht gleichbedeutend mit einer Absage an den Busverkehr. „Die Zukunft der Mobilität ist auch ein Stück Lebensqualität“. Deshalb müsse ein Konzept entwickelt werden, in dem alle Komponenten aufeinander abgestimmt seien. Beide ermunterten die Gäste der Ausstellungseröffnung, auf bereitliegenden Kärtchen Fragen und Anregungen zu formulieren.

Zuvor waren sie sowie die Bürgermeister von Lotte, Mettingen und Recke gemeinsam mit dem Wasserstoff getriebenen Zug am Haltepunkt Kuckucksnest ausgestiegen. „Eine Fahrt wie in einer Straßenbahn“, beschrieb Annette Große-Heitmeyer ihr Gefühl. Eine Straßenbahn habe schnell etwas „Heimisches“. Sie gehe davon aus, dass für die Umsetzung auf die neueste Technologie, also Wasserstoff als Antriebsenergie – gesetzt werde.

Die Eröffnung

Die Eröffnung

Für Klaus Effing ist klar, „dass die Reaktivierung einen großen Zuzugseffekt für die Region“ auslösen werde. Zu den Zukunftsperspektiven gehöre eine vernünftige Anbindung an das Oberzentrum Osnabrück. Zur Gesamtbetrachtung gehöre auch, dass der volkswirtschaftliche Nutzen der Bahn nicht im Vorhinein messbar sei. „Das Geld ist verfügbar“, betonte der Landrat und versicherte, der Anteil der Kommunen an der Finanzierung sei „eher gering“.

Auch die Gegner des Projektes hatten ihre Informationstafeln aufgebaut. Kreuzungen der Nordbahn etwa in Mettingen waren Thema. und der gestoppte Verkehrsfluss bei tastsächlichen 64 Fahrten pro Tag. Oder die Zahl der Fahrgäste, die mit „6000 pro Tag“ von den Befürwortern berechnet worden ist. Friedhelm Pösse, FDP-Ratsherr aus Lotte, machte auf die besondere Situation in Büren – Stichwort Strotheweg – aufmerksam. Er bezweifelte, dass die Nordbahn einen Vorteil habe gegenüber der jetzigen Direktverbindung der Buslinie R 11.

Benno Overmeyer, Gegner der Reaktivierung aus Mettingen, wies daraufhin, dass Straßen-NRW die vorgesehene Lösung für die Lkw-An- und Abfahrt von Coppenrath & Wiese als nicht zulässig eingestuft habe. Und FDP-Kreistagsmitglied Hans-Jürgen Streich forderte, das Geld besser in umweltfreundliche RVM-Busse zu investieren. „Da ist uns in der Fläche mehr geholfen“. Auch Ratsherr Jürgen Schulte (Bürgergemeinschaft), kann „für Westerkappeln keinen Vorteil gegenüber der aktuellen Situation“ erkennen.

Das „Nein“ auf dem Rücken

Das „Nein“ auf dem Rücken

Die Informationstafeln sollen jetzt in den Rathäusern der fünf Gemeinden gezeigt werden. Eine Zeitplan werde dazu in Kürze vorgestellt.

Am Sonntag jedenfalls nutzten viele Fahrgäste die kostenlose Möglichkeit, mit der Tecklenburger Nordbahn von Recke nach Büren und zurück zu fahren – mit einem wasserstoffgetriebenen Zug, ohne besondere Erschütterungen.

Ob das Interesse an der Tecklenburger Nordbahn immer so groß bleibt?

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