Radverkehrskonzept betrifft auch Westerkappeln
Schneller und sicherer ans Ziel

Westerkappeln -

Der Kreis Steinfurt will mehr Menschen aufs Rad bringen – nicht nur für den Wochenendausflug, sondern vor allem auch für den Weg zur Arbeit oder anderen Alltagsverkehr. Dafür hat der Kreis ein mehr als 160 Seiten dickes Radverkehrskonzept erarbeitet. Auch in Westerkappeln sollen rund zwei Dutzend Maßnahmen umgesetzt werden.

Freitag, 01.11.2019, 16:00 Uhr
Paradiesische Zustände für Pedalritter. So wie auf dieser Fotomontage stellen sich Planer Velorouten in der Stadt Münster vor. Radfahrer müssen sich hier in der Region mit deutlich weniger Platz begnügen. Kein Durchkommen: An der Kreuzung am Friedhofstor bleiben Radfahrer mit dem Lenker stecken, wie die SPD-Fraktion mit diesem Foto dokumentiert. An der Osnabrücker Straße und Am Dölhof gebe es noch etliche andere Sicherheitsrisiken
Paradiesische Zustände für Pedalritter. So wie auf dieser Fotomontage stellen sich Planer Velorouten in der Stadt Münster vor. Radfahrer müssen sich hier in der Region mit deutlich weniger Platz begnügen. Kein Durchkommen: An der Kreuzung am Friedhofstor bleiben Radfahrer mit dem Lenker stecken, wie die SPD-Fraktion mit diesem Foto dokumentiert. An der Osnabrücker Straße und Am Dölhof gebe es noch etliche andere Sicherheitsrisiken Foto: Stadt Münster

Ergänzend zum Radverkehrskonzept gibt es für jede der 24 Städte und Gemeinden im Kreis ein Kataster mit vorgeschlagenen Einzelmaßnahmen. Würde diese Liste so umgesetzt, müssten in den kommenden Jahren allein in Westerkappeln 3,7 Millionen Euro ins Radwegenetz investiert werden. „Das ist ein Haufen Geld“, räumt Heiner Bücker , Leiter des Umwelt- und Planungsamtes beim Kreis, ein.

Für den gesamten Kreis werden die Investitionen sogar auf rund 95 Millionen Euro geschätzt. Davon müssten – aufgeschlüsselt nach Zuständigkeit für die Straßen – das Land etwa zwei Drittel der Kosten übernehmen, der Bund 15 Prozent und der Kreis zwölf Prozent. Bei den Kommunen blieben nur neun Prozent hängen. Bricht man diesen Durchschnittswert auf Westerkappeln herunter, müsste die Gemeinde rund 330 000 Euro locker machen.

Für ein kommunales Radverkehrskonzept gebe es keine Förderung. gibt die Verwaltung zu bedenken. Gefördert würden jedoch kommunale Mobilitätskonzepte, die insbesondere die stärkere Vernetzung der verschiedenen Verkehrsmittel zum Gegenstand haben. Die Verwaltung ist der Auffassung, dass im Hinblick auf die Planungen zur Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn mittelfristig ein gefördertes Mobilitätskonzept für die Gemeinde erstellt werden soll. Dazu würden jedoch zunächst konkrete Weichenstellungen zur Reaktivierung als Planungsgrundlage benötigt.

Heiner Bücker hat die Grundzüge des Entwurfes zum Radverkehrskonzept unlängst im Umweltausschuss des Rates vorgestellt. Primär gehe es um den sogenannten schnellen Radverkehr und die Verknüpfung mit dem Öffentlichen Personennahverkehr. Ziel sei, möglichst alle Grund- und Mittelzentren durch Radrouten miteinander zu verbinden und aufs Oberzentrum Münster zu führen.

Nun ist Münster weit weg. Birgit Leyschulte, sachkundige Bürgerin der CDU, regte deshalb an, Kontakt mit der Stadt Osnabrück aufzunehmen, um einen sinnvollen Anschluss an das dortige Radwegenetz hinzubekommen.

Für Westerkappeln sieht das Radverkehrskonzept insgesamt 25 Maßnahmen vor, wobei zwei Routen im sogenannten Hauptnetz im Vordergrund stehen, wie Bücker berichtet. Zum einen geht es um Radwege entlang der Landstraßen auf der Strecke von Hopsten bis nach Osnabrück, zum anderen um die Route von Ibbenbüren über Velpe nach Lotte.

Geplante Maßnahmen in Westerkappeln

Laut Radverkehrskonzept des Kreises wäre ein Radweg an der L 501 (Ibbenbürener Straße) dem Hauptnetz mit einem besonders hohen Potenzial an Radfahrern zuzuordnen. Hier wäre, wie auch an einem Teilstück der Tecklenburger Straße (Lückenschluß an der L 584) ein Neubau erforderlich, schreibt die Westerkappelner Gemeindeverwaltung.Entlang der Mettinger Straße (L 595) von der Ortslage bis Einmündung Mettener Straße schlägt das Konzept einen Ausbau des nördlich verlaufenden Radwegs gemäß des sogenannten Velorouten-Standards auf drei Meter Breite und eine Rückstufung des südlich verlaufenden Radwegs durch Aufgabe der Benutzungspflicht vor. Ein Ausbau wäre auch rund um den Kreisverkehr „Am Döhlhof“ erforderlich. Außerorts wäre ein Ausbau des vorhanden Radwegs entlang der Mettinger Straße bis zum Kreisverkehr Langenbrück und weiter zur Gemeindegrenze Mettingen auf drei Meter Breite erforderlich. Die Baulast liege hier beim Land, so die Verwaltung. Gleiches gelte für den Radwegebereich am Kreisverkehr Meese.Entlang der L 595 (Heerstraße) wäre der 2,25 m breite Radweg erst bei einer Sanierung auszubauen. Auch die vorhandenen Radwege an der L 584 (Tecklenburger Straße, Bramscher Straße) wären nur bei Sanierungsmaßnahme auszubauen.Entlang der gemeindlichen Brockbachstraße, dem Sennlicher Weg und der Friedensstraße sieht das Konzept nur Markierungsarbeiten vor. Ein etwa 300 Meter langer Abschnitt wäre hier auszubauen im Zuge einer geplanten Radwegeführung an der Lotter Straße durch Sennlich in Richtung Ortskern. Zuständig wäre hier die Kommune. Weitere Maßnahmen sieht das Konzept an der Lotter Straße nicht vor.Am Mittelandkanal soll eine Asphaltierung eines Wirtschaftsweges mit erheblichen Kosten erfolgen. Rund 590 000 Euro würde das laut Maßnahmenkataster kosten. Die Verwaltung bezweifelt allerdings hier sowohl die Notwendigkeit als auch eine finanzielle Zuständigkeit bei der Gemeinde.

...

Grundsätzlich stößt das Radverkehrskonzept in der Westerkappelner Lokalpolitik auf breite Zustimmung. „Wir begrüßen das ohne Wenn und Aber“, erklärte Andreas Weiss ( SPD ). Allerdings: Radfahrer nutzten seiner Erfahrung nach lieber Wege durchs Grüne als entlang vielbefahrener Landstraßen.

Seit eineinhalb Jahren ist an dem Konzept gefeilt worden. Die Umsetzung soll schrittweise und auf Grundlage einer noch zu beschließenden Prioritätenliste durch die jeweiligen Baulastträger (Bund, Straßen NRW, Kreis, Städte und Gemeinden) erfolgen. Das Ganze stehe natürlich unter Finanzierungsvorbehalt, gibt Udo Schneiders, Verkehrsentwicklungsplaner beim Kreis, zu bedenken.

Der Kreis tritt jedenfalls voll in die Pedalen: Bereits im Dezember, spätestens Anfang 2020 soll der Kreistag das Konzept beschließen. Sie habe sich schon über die kurze Entscheidungsdauer gewundert, sagt Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer. Den Entwurf hatte die Gemeinde Ende August bekommen. Erst Anfang Oktober konnte sich der Umweltausschuss des Themas annehmen, da die Verwaltung zunächst eine beratungsreife Vorlage erarbeiten musste. Dazwischen lagen die Herbstferien. Bereits am kommenden Dienstag (5. November) soll der Gemeinderat nun seine Stellungnahme zum Entwurf beschließen.

Elle Stalljohann (SPD) sähe darin gerne einen Lückenschluss des Bürgerradweges entlang der Tecklenburger Straße berücksichtigt. „Vielleicht kann uns der Kreis da helfen.“ Bürgermeisterin Große-Heitmeyer fehlt in dem Konzept ein Radweg an der Mettener Straße.

Eine Bürgerbeteiligung vor Ort hat es übrigens nicht gegeben. Bücker erläutert dazu, dass es im Vorfeld auf Kreisebene zwei Bürgerworkshops und eine Online-Befragung gegeben habe. „Eine weitere Bürgerbeteiligung würde das Verfahren noch weiter in die Länge ziehen“, meinte Bücker.

Dass das Radwegenetz in der Gemeinde nicht optimal und teilweise unsicher ist, bemängelt die SPD-Fraktion. Es sei erforderlich, den einzelnen Verkehrsteilnehmern klare Regeln an die zu Hand geben und den jeweilige Verkehrsraum klar und eindeutig zu kennzeichnen. Exemplarisch haben sich Andreas Weiss und sein Fraktionskollege Winfried Raddatz die Osnabrücker Straße und den Bereich „Am Dölhof“ genauer angesehen. Unabhängig vom Radverkehrskonzept „kann man die ersten groben Schnitzer schon beseitigen“, findet Weiss. Damit gemeint sind beispielsweise irreführende Beschilderungen und Markierungen oder Einengungen der Radwege durch Ampel- und Laternenmasten auf weniger als ein Meter.

Kein Durchkommen: An der Kreuzung am Friedhofstor bleiben Radfahrer mit dem Lenker stecken, wie die SPD-Fraktion mit diesem Foto dokumentiert. An der Osnabrücker Straße und Am Dölhof gebe es noch etliche andere Sicherheitsrisiken. Foto: SPD

Da es sich um eine Landesstraße handele, müssten alle Beteiligten (Straßen NRW, Polizei, Gemeinde) zusammenkommen, empfahl Große-Heitmeyer und kündigte eine Verkehrsschau an. Birgit Leyschulte äußerte sich skeptisch: „Solange kein Unfall passiert, wird kein Straßenbaulastträger etwas tun. Darum müssen wir Druck machen.“

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