Horst Wermeyer vor 50 Jahren als Gemeindedirektor vereidigt
27 Jahre lang die Pflicht erfüllt

Westerkappeln -

Mehr als ein Vierteljahrhundert hat Horst Wermeyer das Sagen im Westerkappelner Rathaus gehabt. Morgen (3. November) vor 50 Jahren wurde der heute 88-Jährige als Gemeindedirektor vereidigt. So lange wie er war bislang niemand Verwaltungschef in Westerkappeln.

Samstag, 02.11.2019, 12:00 Uhr
Der Zeitung war Horst Wermeyers (rechts) Vereidigung ins Amt des Gemeindedirektors vor 50 Jahren natürlich einen Aufmacher wert.
Der Zeitung war Horst Wermeyers (rechts) Vereidigung ins Amt des Gemeindedirektors vor 50 Jahren natürlich einen Aufmacher wert. Foto: Frank Klausmeyer

Deutschland gilt seit Ende des Zweiten Weltkriegs als ein Hort der politischen Stabilität. Das hängt auch mit den mitunter sehr langen Amtszeiten der Regierungschefs zusammen. Konrad Adenauer war 14 Jahre Bundeskanzler. Helmut Kohl hatte sogar 16 Jahre das Kommando. Und Angela Merkel führt das Kabinett ebenfalls seit einer gefühlten Ewigkeit. Horst Wermeyer kann da vielleicht nur müde lächeln. Denn er hatte mehr als ein Vierteljahrhundert das Sagen im Westerkappelner Rathaus. Morgen (3. November) vor 50 Jahren wurde der heute 88-Jährige als Gemeindedirektor vereidigt.

So lange wie Wermeyer war bislang niemand Verwaltungschef in Westerkappeln. Selbst sein Vorgänger Heinrich Schulz hatte es auf „nur“ 24 Jahre gebracht.

Wermeyer war nie ein Politiker, sondern ein tugendhafter Beamter. Er habe immer nur seine Pflicht erfüllt, sagte er bei der Feier zu seinem 25. Dienstjubiläum über sich selbst.

Der damalige Oberkreisdirektor Werner Rinke wünschte Wermeyer bei der Einführungsfeier, dass Westerkappeln unter seine Riege „blüht, wächst und gedeihe“. Und das setzte der Diplom-Verwaltungswirt mit der Note „sehr gut“ fürs Kommunaldiplom in die Tat um: In seiner Ägide wurden das Schulzentrum und neue Sportstätten gebaut. Neue Wohngebiete wurde erschlossen, die Einwohnerzahl überschritt die 10 000er Marke. Die neuen Gewerbeflächen in Velpe und am Gartenkamp lockten zahlreiche Unternehmen an, die über die Jahrzehnte Arbeitsplätze in vierstelliger Zahl geschaffen haben. Nur der Umzug des Tortenbäckers Coppenrath & Wiese nach Mettingen wird Wermeyer weniger gefallen haben, wenngleich kritische Stimmen diese Entwicklung auch dem ungeschickten Taktieren von Rat und Verwaltungsspitze zugeschrieben haben. Das eine Entlastungsstraße für den Ortskern am Widerstand der Bürger scheiterte und eine – schon beschlossene – Gesamtschule mangels ausreichender Anmeldungen nicht zustande kam, wird Wermeyer vermutlich nicht minder „gewurmt“ haben, wenngleich er selbst sich in den Verfahren wohl nichts vorzuwerfen hatte.

Auf der Habenseite hingegen kann der Gemeindedirektor a.D. auch das Haus der Diakonie an der Steinkampstraße verbuchen. Der Bau des Altenpflegeheimes ist vorrangig seinem Engagement zu verdanken.

„Bemerkenswerte Leistungen auf vielen Gebieten“ bescheinigte ihm der frühere Landrat Martin Stroot. „Er hat offene Augen für die Not von Menschen“, sagte der verstorbene Pastor Herbert Wessel zum 60. Geburtstag Wermeyers.

Weil dessen Einsatz weit über die bloße Pflichterfüllung hinausgegangen sei, verlieh ihm 1992 der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker das Bundesverdienstkreuz am Bande. Ein Jahr zuvor war Wermeyer mit dem Goldene Kronenkreuz vom Diakonischen Werk (DW) ausgezeichnet worden – für sein Engagement als stellvertretender DW-Vorsitzender im Kirchenkreis Tecklenburg und als Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Ledder Werkstätten.

Anders als seine Nachfolger Ullrich Hockenrink (1996 bis 2014) und die jetzigen Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer musste Wermeyer nie um Mehrheiten in der Bevölkerung kämpfen. Damals gab es noch die Doppelspitze aus ehrenamtlichem Bürgermeister und Gemeindedirektor, die beide vom Rat gewählt wurden. Doch als Wahlbeamter regierte auch Wermeyer nur auf Zeit. Die erste Periode endete 1981. Durch die Änderung der Gemeindeordnung wurde die Amtszeit später auf acht Jahre verkürzt. Bei der ersten Wiederwahl nach zwölf Jahren vereinigte der 88-Jährige 31 von 33 Stimmen im Gemeinderat auf sich. 1989 wurde er sogar einstimmig bestätigt. Dies zeigt, dass die Politik trotz manch hitziger Debatten hinter Horst Wermeyer stand – 27 Jahre stabile Verhältnisse.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7037057?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F188%2F
FMO will bis 2030 klimaneutral sein
Flughafen Münster/Osnabrück: FMO will bis 2030 klimaneutral sein
Nachrichten-Ticker