Volksbank-Filiale in Wersen
Kontakt am Schalter wird fehlen

Wersen/Westerkappeln -

Ein ganz gewöhnlicher Donnerstagvormittag in der Wersener Volksbank: Filialleiter Mario Diederichs und sein Mitarbeiter bedienen gerade einmal zwei Kunden, während zur selben Zeit am Geldautomaten im Vorraum reger Betrieb herrscht. Unter den Kunden, die sich dort mit Bargeld versorgen, sind um diese Zeit überwiegend Senioren.

Sonntag, 03.11.2019, 17:10 Uhr
Immer weniger los am Schalter: Selbst Senioren nutzen laut Filialleiter Mario Diederichs Online-Banking.
Immer weniger los am Schalter: Selbst Senioren nutzen laut Filialleiter Mario Diederichs Online-Banking. Foto: Angelika Hitzke

Der eine Kunde am Schalter hat seine EC-Karte verloren. Die andere Stammkundin, eine Rentnerin, spricht gerade mit Diederichs über die Schalterschließung zum 1. Oktober ( WN berichteten). Sie selbst werde es wohl noch lernen, Überweisungen künftig am Selbstbedienungsterminal statt am Schalter vorzunehmen, meint die Dame, die namentlich nicht genannt werden möchte. Aber viele alte Leute würden damit möglicherweise nicht klar kommen. Und: Man könne dann auch kein Schwätzchen mehr mit dem Mitarbeiter halten, gibt sie zu bedenken und bittet den Filialleiter, das doch „nach oben“ weiter zu geben.

Der berichtet, dass dies erstaunlicherweise die erste kritische Stimme zur bevorstehenden Schalterschließung sei. „Ich hätte mehr negative Reaktionen erwartet“, so Diederichs. Er weist aber auch darauf hin, dass noch anderthalb Monate Zeit sind, um jenen Stammkunden, die bisher den Geldautomaten meiden, weil sie ihre PIN-Nummer vergessen haben, eine neue Geheimnummer zu besorgen und ihnen zu zeigen, wie das Selbstbedienungsterminal funktioniert. „Wenn die das einmal benutzt haben, merken sie, wie einfach das ist“, sagt er und hebt als großen Vorteil hervor, dass es zu jeder Tages- und Nachtzeit genutzt werden kann.

„Mit der Fusion hat das nichts zu tun“, sagt Vorstandsmitglied Anita Kipp zur Schalterschließung in Anspielung auf Mutmaßungen, dass die nach der im Juni rückwirkend zum 1. Januar 2019 beschlossenen Fusion der Volksbank Westerkappeln-Wersen mit der Volksbank Saerbeck einem „Sparkurs“ geschuldet sein könne. Aber natürlich müsse ein Wirtschaftsunternehmen wie eine Bank, auch wenn es sich um eine Genossenschaftsbank handelt, die Wirtschaftlichkeit im Auge haben.

„Wir haben seit Jahren beobachtet, dass der Barverkehr am Schalter abgenommen hat,“ erklärt Kipp. Online-Banking, Zugang zum Geldautomaten für Ein- und Auszahlungen rund um die Uhr und das Selbstbedienungsterminal, das nicht nur Kontoauszüge drucken, sondern auch Überweisungen tätigen kann, erfreuten sich dafür immer größerer Beliebtheit. Das kann der Wersener Filialleiter nur bestätigen. Der Hauptverkehr am Schalter, nämlich Überweisungen und Ein- und Auszahlungen, sei „relativ überschaubar“.

Gestiegen sei hingegen die Nachfrage nach genossenschaftlicher Beratung. Diese Gespräche wurden auch bisher nicht am Schalter, sondern nach vorheriger Terminabsprache in einem der beiden separaten Büroräume geführt. Daran werde sich auch in Zukunft nichts ändern. Nur: „Die Kunden können wählen, ob sie sich vom jeweiligen Spezialisten in Westerkappeln oder in Wersen beraten lassen wollen“, sagt Kipp. Damit trage man auch der Entwicklung Rechnung, dass immer mehr Volksbankkunden ihre Bankangelegenheiten unabhängig von Öffnungszeiten erledigen wollen.

„Unsere größte Filiale ist die Online-Filiale. Das bringt die Zeit so mit sich“, so die Vorstandsfrau. Sie betont aber auch, dass sowohl die Filiale in Westerkappeln, als auch die in Wersen mit modernen, sicheren und einfach zu bedienenden Geräten ausgestattet seien. Neben Kontoauszugsdrucker und Geldautomaten – zwei in Westerkappeln, einer in Wersen – sind das Terminals, die weit mehr könnten, als nur elektronische Überweisungen vornehmen.

„Hier können Sie auch einen Überweisungsträger aus Papier einscannen“, demonstriert Mario Diederichs und erklärt, dass man nicht einmal mehr unterschreiben müsse, weil alles über die Bankkarte und die PIN läuft. Auch Umbuchungen vom Sparbuch aufs Girokonto und umgekehrt seien an diesem Automaten ganz einfach.

Devisen, so erklärt er auf Nachfrage, gebe es ohnehin schon lange nicht mehr vor Ort, weder in Wersen, noch in Westerkappeln. „Wir arbeiten mit der Reisebank in Osnabrück zusammen“, so Diederichs. Wer britische Pfund oder US-Dollar für eine Auslandsreise brauche, könne wie bisher die Telefonnummer der Wersener Filiale anwählen und werde dann weiter verbunden. Die bestellten Devisen würden dann auf Wunsch ins Haus geliefert.

An die neue Flexibilität, fast alles zu jeder beliebigen Uhrzeit erledigen zu können, werden sich die meisten Stammkunden schnell gewöhnen, glaubt er. Aber den Plausch am Schalter wird der eine oder die andere sicherlich vermissen.

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