„Jugendgerechte Kommune“ Westerkappeln
„Müssen die nächsten Schritte tun“

Westerkappeln -

Im Frühjahr gab es eine große Jugendbefragung. Mitte Juni folgte in der Gesamtschule eine darauf fußende Ideenschmiede zur Jugendarbeit. „Jetzt haben wir November und es ist nicht viel passiert“, räumt Kreisjugendpfleger Ludger Vorndieck ein. Nun sollen aber die nächsten Schritte auf dem Weg zur „jugendgerechten Kommune“ getan werden.

Sonntag, 03.11.2019, 18:04 Uhr aktualisiert: 03.11.2019, 18:06 Uhr
Im Juni wurden bei einer Ideenschmiede zur Jugendarbeit viele Vorschläge für eine jugendgerechte Kommune gemacht. Jetzt sollen die nächsten Schritte dafür getan werden. Bei der Jugendbefragung gab es Kritik, aber auch – wie hier zu lesen – viele positive Benotungen für die Gemeinde Westerkappeln.
Im Juni wurden bei einer Ideenschmiede zur Jugendarbeit viele Vorschläge für eine jugendgerechte Kommune gemacht. Jetzt sollen die nächsten Schritte dafür getan werden. Bei der Jugendbefragung gab es Kritik, aber auch – wie hier zu lesen – viele positive Benotungen für die Gemeinde Westerkappeln. Foto: Frank Klausmeyer

Im Frühjahr waren Mitarbeiter der Mediencooperative Steinfurt – ein anerkannter Träger der offenen Kinder- und Jugendarbeit – in Westerkappeln ausgeschwärmt, um junge Leute zu befragen, wo ihnen der Schuh drückt und was sie sich für die Jugendarbeit an ihrem Wohnort wünschen. Mitte Juni gab`s in der Gesamtschule noch eine auf die Befragung fußende Ideenschmiede. „Jetzt haben wir November und es ist nicht viel passiert“, räumt Kreisjugendpfleger Ludger Vorndieck ein. In der Sitzung des Sozialausschusses am Dienstag kündigte er nun die nächsten Schritte auf dem Weg zur „jugendgerechten Kommune“ an, wie es die Gemeinde seit 2017 offiziell anstrebt.

In der Sitzung präsentierten Vorndieck und seine Kollegin Elvira Sumin zunächst kurz die Ergebnisse der sogenannten Regionalanalyse für Westerkappeln – regional deshalb, weil nicht nur Westerkappelner Jugendliche befragt wurden, sondern auch junge Leute aus der Nachbarschaft, die hier mitunter zur Schule gehen oder ihre Freizeit verbringen. Insgesamt hatten sich an einer schriftlichen Fragebogenaktion, an einer Online-Umfrage sowie an Blitzlichtinterviews 803 von 1379 Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 bis 21 Jahren beteiligt. Das entspricht einer Quote von 60 Prozent. Ein Ergebnis, das Vorndieck sehr zufrieden stimmt. Außerdem wurden noch 14 Interviews mit erwachsenen „Experten“ aus den Reihen der Schulen und Trägern der Kinder- und Jugendarbeit geführt.

Ein Ergebnis der Regionalanalyse: „Ganz viele junge Leute mögen Westerkappeln“, erklärte Vorndieck mit Hinweis unter anderem auf die grüne Umgebung, die Nähe zu Osnabrück und Lotte oder die Einkaufsmöglichkeiten. Das Freibad gefällt ebenso wie das Vereinsleben. 55 Prozent der Befragten sind Mitglied in einem Verein, mehr als ein Viertel engagiert sich ehrenamtlich.

Was Jugendliche aber bemängeln, ist eine fehlende Wertschätzung und zwar dergestalt, dass sie sich an der Entwicklung der Gemeinde beteiligen möchten, dies aber anscheinend nicht in gewünschten Maße können. „Die Jugendlichen haben ganz, ganz viele Ideen und wollen mitgestalten“, betonte der Kreisjugendpfleger. Störend empfinden viele Jugendliche häufige Polizeikontrollen, zu wenige öffentliche Toiletten und mangelnde Sitzmöglichkeiten.

Vorndieck und die Mitarbeiter der Mediencooperative wollen die Ergebnisse der Regionalanalyse in Taten umsetzen. Ein Ansatzpunkt ist, Räume für junge Leute zu schaffen. Dabei geht es nicht nur um Jugendtreffs oder Kneipen, sondern auch um öffentliche Plätze. Diese gehörten für Jugendliche als Treffpunkte dazu, sagte der Kreisjugendpfleger. „Jugendliche halten sich oft dort auf, wo es ihnen gefällt und nicht, wo man sie nicht gerne hat. Das war schon immer so“, ergänzte Wolfgang Jonas (CDU). Um mögliches Konfliktpotenzial zu entschärfen, habe das Kreisjugendamt zusammen mit der Gemeinde einen Antrag auf die Förderung mobiler Jugendarbeit gestellt, berichtete Vorndieck. Von „Streetworkern“ spricht er ungern, weil dieser Begriff häufig mit der Drogenszene in Verbindung gebracht werde.

Bei der Jugendbefragung gab es Kritik, aber auch – wie hier zu lesen – viele positive Benotungen für die Gemeinde Westerkappeln. Foto: Frank Klausmeyer

Um Räume für junge Leute zu suchen und zu schaffen, ist eine – wieder so eine pädagogische Formulierung – mediengestützte Sozialraumerkundung geplant. Gemeint sind damit zum Beispiel Videodrehs oder Fotodokumentationen über mögliche Treffpunkte. Darauf aufbauend soll es einen Workshop geben. Auch einen „Marsch durch den Ort“ mit Jugendlichen, der Bürgermeisterin und Politikern würde die Mediencooperative dazu gerne organisieren.

Zwischen Politik und Jugendlichen möchte Vorndieck gerne eine „Dialogkultur“ schaffen. Denkbar seien Grill- und Kochabende oder eine Neuauflage des Kickerturniers, wie es vor zwei Jahren schon einmal im Schulzentrum veranstaltet wurde.

Schließlich ist beabsichtigt, die Beteiligungsmöglichkeiten Jugendlicher zu verbessern. Dafür brauche es Ansprechpartner. Vorndieck schlug vor, die Jugendtreffs auch als „Jugendbüros“ zu öffnen, in denen es einen direkten Draht zum Rathaus gebe.

Die Jugendzentren als solche sieht Vorndieck selbst weniger kritisch als es einige „Experten“ in den Interviews mit dem Begriff „Kellerloch“ taten. Die Räume seien eigentlich schön, befand der Kreisjugendpfleger. „Die Eingangssituationen sind allerdings grauenhaft.“ Auch die digitale Ausstattung sei nicht mehr zeitgemäß. Jonas forderte deshalb Voraussetzungen für offenes WLAN in den Jugendtreffs zu schaffen. „Das ist für junge Leute heute absoluter Standard.“

Eine weitere Aufgabe sei zudem, für mehr Mobilität zu sorgen, sagte Vorndieck zu den Busverbindungen, insbesondere aus und in die Außenbereiche.

Wünsche und Ideen zur Jugendarbeit, so wurde im Ausschuss deutlich, gibt es zuhauf. Für deren Umsetzung jedoch, so Vorndieck, „ist wichtig, dass wir jetzt loslegen.“

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