Investor hofft auf Zustimmung für Seniorenwohngemeinschaft
Einzigartiges Konzept für Westerkappeln

Westerkappeln -

Braucht Westerkappeln wirklich kein Haus für eine Seniorenwohngemeinschaft? Thorsten Lorenz denkt ja und will eins bauen. Doch die Kommunalpolitiker in Westerkappeln haben ihm erst einmal einen Strich durch die berühmte Rechnung gemacht. Warum? Lorenz gibt aber nicht auf.

Mittwoch, 06.11.2019, 06:00 Uhr
Auf diesem Grundstück rückwärtig der Kreuzstraße möchte Bauunternehmer Thorsten Lorenz (Mitte) ein Haus für eine Seniorenwohngemeinschaft errichten (Ansicht Bild unten). Betreiben wollen die Einrichtung Pasqual Stille und Matthias Delfs (rechts), die Inhaber von „Mein ambulantes Pflegeteam Mettingen“.
Auf diesem Grundstück rückwärtig der Kreuzstraße möchte Bauunternehmer Thorsten Lorenz (Mitte) ein Haus für eine Seniorenwohngemeinschaft errichten. Betreiben wollen die Einrichtung Pasqual Stille und Matthias Delfs (rechts), die Inhaber von „Mein ambulantes Pflegeteam Mettingen“. Foto: Frank Klausmeyer/Entwurf: Architekt Bernhard Krause

So schwer hatte sich Thorsten Lorenz das nicht vorgestellt: Der Westerkappelner Bauunternehmer, der in der Vergangenheit im Ortskern schon etliche Gebäude saniert und mit Leben gefüllt hat, will an der Kreuzstraße ein Haus für eine Seniorenwohngemeinschaft errichten. Die Pläne sind fertig, der Bauantrag ist gestellt. Doch die hiesigen Kommunalpolitiker haben Lorenz Ende September einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aufgeben will Lorenz aber nicht.

Vielleicht, so der Westerkappelner, hätten den Politikern nicht genügend Informationen vorgelegen. Deshalb möchte er sein Projekt Mitte November im nächsten Bauausschuss gerne persönlich vorstellen – in der Hoffnung, die Mitglieder revidieren ihre Entscheidung.

Bauen möchte Lorenz – wie berichtet – auf einem gut 900 Quadratmeter freien Grundstück zwischen Restaurant „Kreta“ und der „Postenbörse“. Der Unternehmer ist nur der Investor, betreiben will das Objekt das Unternehmen „Mein ambulantes Pflegeteam Mettingen“. Die GbR wurde im März 2018 gegründet und kümmert sich mit mittlerweile knapp 30 Mitarbeitern um Pflegebedürftige in Mettingen und Umgebung.

Gebaut wird kein Pflegeheim

Die geplante Seniorengemeinschaft werde kein Pflegeheim, erklären die beiden Inhaber Pasqual Stille und Matthias Delfs beim Pressetermin. Das Konzept – in Westerkappeln bislang einzigartig – ist ein anderes: In dem Gebäude werden zwölf behindertengerechte Einzelzimmer eingerichtet – 15 bis 21 Quadratmeter groß. In einem Fall solle eine „Appartementsituation“ geschaffen werden, damit auch ein Ehepaar einziehen könne, berichten die potenziellen Betreiber. Jeder Mieter bekomme seinen persönlichen Rückzugsort, wo er selbstbestimmt leben könne. Ein Großteil des Alltagslebens solle sich im Gemeinschaftsraum, in der Küche oder im Garten abspielen.

Im Bauausschuss geäußerte Bedenken, Lorenz könne das Gebäude später mangels Nachfrage kurzerhand zu einem normalen Mehrfamilienhaus ummodeln, will dieser gleich entkräften. „Das Gebäude wird doch extra auf eine Nutzung als Senioren-WG zugeschnitten.“ Der Bedarf sei da. Schon jetzt gebe es aus dem Kreis der von seinem Pflegedienst betreuten Menschen eine Warteliste, erklärt Stille.

Pflegekräfte ziehen nicht ein

Anders als im Bauausschuss dargestellt, sollen keine Pflegekräfte mit einziehen. Wer Pflege benötige, könne den ambulanten Dienst in Anspruch nehmen, so Delfs. Rund um die Uhr werde es aber Mitarbeiter geben, die sich um die Anliegen der Bewohner kümmerten. „Wir haben einen viel besseren Personalschlüssel als ein Pflegeheim.“ Die WG aufstocken wollen sie nicht. „Das entspräche nicht mehr dem Konzept einer ambulant betreuten Pflegewohngemeinschaft.“ Lorenz denkt aber darüber nach, Dachgeschoss und Souterrain so auszubauen, dass dort weitere Mieter in Rahmen eines Betreuten Wohnens einziehen könnten.

Die Mitglieder des Bauausschusses hielten das Vorhaben zwar grundsätzlich für gut, lehnten Lorenz´ Pläne aber in erster Linie wegen der Parkplatzproblematik ab. Denn auf dem Grundstück selbst sollen nur sieben Pkw-Stellflächen sowie zehn Abstellplätze für Fahrräder geschaffen werden. Der Investor will darüber hinaus etwa 20 für eine Genehmigung erforderlichen Parkplätze bei der Gemeinde ablösen – dadurch, dass er eine Eintragung mehrerer Baulasten für die in seinem Besitz befindlichen anderen Immobilien im Ortskern vorhält. Laut Satzung ist dies für 3100 Euro pro Stellplatz möglich. Die Baulast wäre damit erloschen. Jürgen Schulte (Bürgergemeinschaft) hatte den Vorschlag als „Frechheit“ bezeichnet. Lorenz kann so eine Kritik nicht verstehen. Die Möglichkeit der Ablöse sei doch in der Satzung verankert.

Bauunternehmer kompromissbereit

Der Bauunternehmer ist aber kompromissbereit. Im Gespräch mit der Bürgermeisterin habe er angeboten, noch mehr Parkplätze abzulösen. Dadurch könne die Gemeinde höhere Einnahmen generieren und gegebenenfalls den seit Jahren geplanten Parkplatz an der Alten Poststraße realisieren. Alternativ könne er auch weitere Parkplätze auf einem ihm gehörenden Grundstück an der Friedensstraße gegenüber dem Fahrzeughaus Klaas schaffen.

Den Bau einer Tiefgarage auf dem Grundstück an der Kreuzstraße, wie im Bauausschuss angesprochen, hält Lorenz nicht nur aus bautechnischen Gründen für kaum umsetzbar. Die Mieten für eine ambulant betreute Pflegewohngemeinschaft seien gedeckelt. „Wir müssen deshalb so preiswert wie möglich bauen.“ Matthias Delfs gibt zu bedenken, dass die Bewohner der Senioren-WG meistens kein eigenes Auto haben. Und da der Großteil der Mieter sich aus dem Ort rekrutieren werde, seien Parkplätze für Angehörige nicht in großer Zahl erforderlich.

„Grüne Bedenken“

Lorenz will nach eigenen Angaben auch auf „grüne Bedenken“ eingehen. So werde eine Luft-Wärme-Pumpe eingebaut. „Außerdem wollen wir Lademöglichkeiten für E-Bikes, E-Scooter und E-Autos schaffen.“ Der Bauunternehmer hofft, dass er mit all diesen Argumenten doch noch ein gemeindliches Einvernehmen bekommt.

Dafür müsste der Rat jedoch zusätzlich eine Ausnahme von der im Ortskern geltenden Veränderungssperre gestatten. Durch diese soll das Unterlaufen einer vorgeschriebenen gewerblichen Nutzung von Räumen im Erdgeschoss verhindert werden. Lorenz hält es für wenig sinnvoll, in zweiter Reihe neue Ladenflächen zu schaffen. „Damit bauen wir nur Leerstand.“

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