Warum der Milchviehbetrieb Beyer angewiesen ist auf Telefon, Netzempfang und Internet
Gefangen im Funkloch

WEsterkappeln -

Handy-Empfang, Telefonanschlüsse und eine funktionierende Internetverbindung – Sabine Beyer findet, dass sie eigentlich nicht zu viel verlangt. Trotzdem fühlen sie und ihre Familie sich auf ihrem Bauernhof seit dem 1. Oktober abgeschnitten vom Rest der Welt.

Freitag, 15.11.2019, 16:14 Uhr aktualisiert: 17.11.2019, 11:24 Uhr
Kein Netz: Die Melkroboter auf dem Beyer-Hof verschicken bei einer technischen Störung automatisch Whats-App-Nachrichten. Weil sich der große Milchviehbetrieb in einem Funkloch befindet, kommen diese aber oftmals nicht rechtzeitig an.
Kein Netz: Die Melkroboter auf dem Beyer-Hof verschicken bei einer technischen Störung automatisch Whats-App-Nachrichten. Weil sich der große Milchviehbetrieb in einem Funkloch befindet, kommen diese aber oftmals nicht rechtzeitig an. Foto: privat

An dem Tag stellte die Telekom die Telefontechnik des Milchviehbetriebes von analog auf digital um. Seither ist es reine Glücksache, wenn Sabine Beyer oder die anderen Familienmitglieder in ihrem großen Haus das Läuten ihres einzigen Telefons hören. „Bevor die Technik umgestellt wurde, waren in mehreren Räumen Telefone angeschlossen. Die Anschlüsse sind aber nunmehr tot“, erläutert Sabine Beyer.

Und das hat weitreichende Folgen für den landwirtschaftlichen Betrieb: Nicht nur für die Menschen, die dort leben und arbeiten, sondern auch für die 270 Kühe, die in einem Stall rund 250 Meter vom Hauptgebäude entfernt stehen. Vier Roboter sorgen dort dafür, dass die Tiere regelmäßig gemolken werden. Fällt eine der Maschinen oder womöglich die gesamte Anlage wegen einer technischen Störung aus, löst dies automatisch einen Anruf sowie Whats-App-Nachrichten auf verschiedene Handys aus. Soweit so gut.

Wenn die Beyers das Festnetztelefon aber nicht hören und ihre mobilen Geräte keinen Netzempfang haben, bleibt der Ausfall der Melkroboter unbemerkt. „Und das sorgt jedes Mal für Chaos im Kuhstall“, erzählt Sabine Beyer davon, wie die Kühe unruhig werden, wenn sie nicht gemolken werden.

Das fehlende Handy-Netz führt bisweilen zu so absurden Situationen wie kürzlich, als die Landwirtin während eines Reitturniers in Riesenbeck eine Störungsnachricht von der Melkanlage auf ihrem Handy empfing. „Eine Stunde lang habe ich versucht, meinen Mann und die anderen Leute, die draußen auf dem Hof arbeiteten, zu erreichen – ohne Erfolg“, berichtet die 48-Jährige verärgert. „Schließlich habe ich mich ins Auto gesetzt und bin hingefahren.“

Auch für die Milchkühlung ist der Betrieb auf moderne Kommunikationstechnik angewiesen: Eine technische Störung löst auch dort Nachrichten aufs Mobiltelefon aus. „Weil wir kein Netz haben, ist es schon öfters vorgekommen, dass die Kühlung unnötig lange unterbrochen wurde. Ich musste die Milch dann wegschütten“, erläutert Sabine Beyer.

Neben den fehlenden Festnetzanschlüssen und dem Funkloch, in dem sich der Westerbecker Hof befindet, ist es die schwache Internetverbindung, die Sabine Beyer zur Weißglut treibt. „E-Mails kann ich zwar verschicken“, sagt sie, „aber nur, wenn sie keine Anhänge wie PDFs oder Fotos enthalten“. Und auch ihre Kinder seien zum Beispiel für Schularbeiten eigentlich aufs Internet angewiesen.

Um den Betrieb am Laufen zu halten, machen sich die Familienmitglieder deshalb immer wieder auf den Weg: „Wenn ich eine E-Mail mit Anhang versenden will, fahre ich die acht Kilometer bis nach Westerkappeln auf den Parkplatz vom Einkaufszen­trum“, erklärt die Mutter von drei Kindern. Für einen Handy-Empfang ist die Strecke kürzer. Meist muss sie dann nur zwei Kilometer bis zur Heerstraße zurücklegen. Auf mobile Apps, die die Arbeit von modernen Milchviehbetrieben vereinfachen, müssen Sabine Beyer und ihr Mann verzichten. „Es gibt Apps zum Beispiel zum Futterbestellen oder zur An- und Abmeldung von Kälbern. Wir können sie aber nicht installieren“, so die Landwirtin.

Damit die Kühe künftig wieder ohne Unterbrechung gemolken, E-Mails mit wenigen Klicks verschickt werden können und das Festnetztelefon gehört wird, wartet Sabine Beyer darauf, dass die Telekom einen Mobilfunkmasten aufstellt. Das Unternehmen erklärt auf WN-Anfrage, dass es „die entstandenen Unannehmlichkeiten“ bedauert und versuchen will, eine Lösung zu finden.

Vielleicht, so hofft die Westerkappelnerin, „verbessert sich die Situation aber auch, wenn wir einen Glasfaseranschluss bekommen“. Hierfür muss sie sich aber wohl in Geduld üben. Der Ausbau in den Außenbereichen startet am anderen Ende der Gemeinde, in Velpe.

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