Sozial engagierte Freiwillige sammeln Erfahrungen
Ein Jahr der Orientierung

Lotte/Westerkappeln -

Zeit zur persönlichen Orientierung bietet das Freiwillige Soziale Jahr, kurz FSJ. Wir fragten die FSJler in den Lotter Jugendtreffs „Bansen“ und „Sit In“, warum sie diese Form des Engagements vor Beruf oder Studium einschieben.

Freitag, 22.11.2019, 18:37 Uhr aktualisiert: 24.11.2019, 16:24 Uhr
Anna Lobenberg aus Westerkappeln hat den Dreh raus – auch beim Backen von Kartoffelpuffern im „Sit In“-Kochstudio. Auch Büroarbeit gehört zu den Aufgaben von Fabian Hemsing als FSJler im Alt-Lotter Jugendtreff „Bansen“
Anna Lobenberg aus Westerkappeln hat den Dreh raus – auch beim Backen von Kartoffelpuffern im „Sit In“-Kochstudio. Auch Büroarbeit gehört zu den Aufgaben von Fabian Hemsing als FSJler im Alt-Lotter Jugendtreff „Bansen“ Foto: Ursula Holtgrewe

Im Wersener „Sit In“ steht Anna Lobenberg gerade am Herd. Sie backt Kartoffelpuffer für hungrige Besucher, die sich für einen Euro beim Kochstudio zum Abendessen angemeldet haben. „Ich bin gern im Kochstudio“, versichert sie lachend und wendet einen Puffer. Der 18 Jahre alten Westerkappelnerin gefällt der Umgang der Treff-Besucher untereinander: „Wenn jüngere Kinder Fragen an die älteren haben, helfen diese gern.“

Sie finde es toll, dass sie so schnell das Vertrauen der jungen Menschen erworben habe, sagt Lobenberg: „Es macht mich glücklich, wenn ich beispielsweise einem Mädchen helfen kann, eine Lösung für Probleme zu finden.“ Es bereite ihr Freude, andere aufzumuntern – und es mache ihr Spaß, mit Kindern umzugehen. Lobenberg muss nicht lange überlegen, welches die bislang größte Herausforderung im FSJ war. „Die gibt es jeden Tag. Man weiß nicht, was kommt“, sagt sie. Anfangs, so berichtet sie, habe sie sich ein wenig zurückgehalten und sich einen Überblick über das Geschehen im Sit In verschafft. Dann sei sie „schnell drin“ gewesen. Ihr Fazit nach einem Vierteljahr: „Es ist eine Bereicherung für mich.“

Die Westerkappelnerin erwartet von ihrer Freiwilligenarbeit, dass die Monate ihr Orientierung bieten: „Ich möchte auch Blicke auf neue Themen lenken und Einblicke in neue Themen erhalten.“ Als kreativer Mensch könne sie sich durchaus vorstellen, etwas in Richtung Innenarchitektur zu studieren – oder eine Ausbildung in einer Verwaltung beginnen. „Dann habe ich mir nach dem Abi auf dem Mettinger Kardinal-van-Galen-Gymnasium doch überlegt, für ein Jahr etwas Soziales zu machen“, blickt Lobenberg zurück.

Ähnliche Motive hatte auch Fabian Hemsing , der sein FSJ im „Bansen“ absolviert: „Ich möchte die Zeit nutzen, um zu entscheiden, ob ich eine Lehre oder ein Studium beginnen werde.“ Der soziale Bereich sei für ihn interessant, weil er bislang darin keine Erfahrungen gesammelt habe. Der 19-jährige Halener hat am Ibbenbürener Berufskolleg sein Fachabi in Elektro- und Informationstechnik abgeschlossen. Für ihn sei derzeit nicht ausgeschlossen, eine Ausbildung im sozialen Bereich zu machen, sagt er: „Das FSJ ist für mich die Zeit, in der ich überlegen kann, in welche Richtung ich mich orientieren möchte.“

Was ihm an seiner Arbeit gefalle, seien gemeinsame Unternehmungen mit den jungen Treff-Besuchern. „Ich finde es schön, wenn sie Spaß an den Aktionen haben, vor allem dann, wenn sie Spiele selbst ausgesucht haben. Es kommt vor, dass ich mich von ihrer Begeisterung anstecken lasse“, berichtet der FSJler.

Auch Büroarbeit gehört zu den Aufgaben von Fabian Hemsing als FSJler im Alt-Lotter Jugendtreff Bansen.

Auch Büroarbeit gehört zu den Aufgaben von Fabian Hemsing als FSJler im Alt-Lotter Jugendtreff Bansen. Foto: Ursula Holtgrewe

Interessant sei es, dass Jugendliche mit Erwachsenen im gleichen Jargon sprächen wie mit Gleichaltrigen: „Ich habe damals eine andere Wortwahl gegenüber Erwachsenen angewendet als gegenüber Kumpels“, sagt er. Treffbesucher hingegen benutzten ihre Sprache ohne Filter: „Sie sagen: Chill mal deine base, wenn sie meinen: Komm mal wieder runter, oder: Was ist going on?, wenn etwas Chaotisches geschieht und sie fragen wollen: Was passiert denn hier? – egal, mit wem sie sich gerade unterhalten“, beschreibt Hemsing.

Gab es für ihn schon besondere Herausforderungen? „Na, da gibt es jeden Tag ganz unterschiedliche“, sagt auch er. Er sei als Ansprechpartner und Mitspieler vor allem bei Jungen sehr gefragt. „Das macht auf jeden Fall Spaß, besonders dann, wenn ich sie motivieren und anregen kann, mal etwas anderes als beispielsweise Playstation zu spielen“, sagt der FSJler. Auch sei er dankbar, dass er mit den Jugendpflegerinnen Ulla Tschauder und Bianca Feist pädagogisch versierte Fachfrauen an der Seite habe, die ihm Tipps und Ratschläge im Umgang mit den Jüngeren vermittelten.

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