Umweltausschuss berät über Nachhaltigkeitsstrategie
Visionär und realistisch zugleich

Westerkappeln -

Nachdem der Rat einen Antrag der Grünen, die Gemeinde möge einen Klimanotstand ausrufen, mit großer Mehrheit abgelehnt hat, soll für Westerkappeln nun eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt werden. Über einen entsprechenden Vorschlag der Verwaltung berät am Donnerstag der Umweltausschuss.

Dienstag, 26.11.2019, 20:00 Uhr
Wenn es nach der Verwaltung geht, soll für Westerkappeln eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt werden. Über den Vorschlag berät am Donnerstag der Umweltausschuss.
Wenn es nach der Verwaltung geht, soll für Westerkappeln eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt werden. Über den Vorschlag berät am Donnerstag der Umweltausschuss. Foto: FH

In der Sitzung erläutert Carlo Schick von der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW (Lag 21), wie ein solcher Bericht mit Unterstützung der Lag 21 erarbeitet werden kann. WN-Redakteurin Katja Niemeyer hat den Projektmitarbeiter gefragt, wofür eine Gemeinde wie Westerkappeln eine Nachhaltigkeitsstrategie benötigt und mit wie viel Arbeit die Erstellung verbunden ist.

Münster hat eine, aber auch Solingen und Bad Berleburg. Welchen Nutzen hat eine Nachhaltigkeitsstrategie für Zivilgesellschaft und Verwaltung?

Schick: Eine solche Strategie zeigt einer Kommune auf, vor welchen Herausforderungen sie steht. Der Bericht enthält eine Bestandsaufnahme und bildet einen Orientierungsrahmen für künftige Entscheidungen. In Gemeinden wie Westerkappeln geht es zum Beispiel sehr stark um das Thema Flächenverbräuche: Lässt sich die Ausweisung eines weiteren Gewerbegebietes mit den formulierten Nachhaltigkeitszielen vereinbaren? Ein weiteres Thema ist nachhaltige Mobilität.

In Münster haben Mitarbeiter von 22 Ämtern und Vertreter von 39 Institutionen zweieinhalb Jahre lang an dem Dokument gearbeitet: In Westerkappeln wäre der Aufwand wohl geringer. Auf wie viel Arbeit müsste man sich einstellen?

Schick: In Münster war der Prozess sehr intensiv, auch weil sämtliche Akteure an allen Zwischenschritten beteiligt waren. In Westerkappeln ist die Verwaltung sehr viel kleiner, und es gibt weniger Hierarchiestufen. Die Grundstruktur ist aber dieselbe: Auf der Agenda stehen fünf Treffen einer Steuerungsgruppe mit allen wichtigen lokalen Akteuren, bei denen inhaltliche Schwerpunkte festgelegt werden. Die Person, die den Prozess lokal verwaltungseitig koordiniert, muss sich darauf einstellen, dass sie im Durchschnitt zehn Stunden pro Woche benötigt, denn diese Treffen müssen gut vor- und nachbereitet und in die Kernverwaltung gespiegelt werden.

Es geht darum, Ziele zu formulieren. Etwa, dass der Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 auf 20 Prozent erhöht werden soll. Warum ist es wichtig, dass sich eine Kommune solche Ziele setzt?

Schick: Ziele müssen sowohl realistisch, als auch ambitioniert sein. Die übergeordneten Ziele sollten visionär, die daraus abgeleiteten Ziele konkret und messbar sein. Visionär wäre es zu sagen, dass die Kommune im Jahr 2030 klimaneutral sein soll und die Menschen davon in ihrem Alltag profitieren sollten. Ein messbares Ziel wäre die Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien. Die Ziele sind als klare Leitplanken für Politik und Verwaltung zu verstehen. So könnte etwa in jeder Verwaltungsvorlage erläutert werden, inwieweit sich die geplante Maßnahme an den Zielen orientiert. Der Kreis Unna hat die Ziele seiner Nachhaltigkeitsstrategie in den kommunalen Haushalt eingestellt.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit am Ende des Prozesses eine Strategie herauskommt, die Sinn macht und nicht in der Schublade verschwindet und nie wieder Beachtung findet?

Schick: Ausschlaggebend ist eine ämterübergreifende Zusammenarbeit. Das Kern-Team für die Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie muss einen Querschnitt der Verwaltung darstellen. Wichtig ist, dass darüber hinaus die Zivilgesellschaft insgesamt beteiligt ist, also auch Vertreter der Wirtschaft sowie engagierte Bürger. Dann wird die Strategie lebendig und verschwindet nicht in der Schublade.

Die Kosten betragen 35 000 Euro. Was bekommt Westerkappeln dafür?

Schick: Die Projektmitarbeiter der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 erstellen zu Beginn eine Bestandsaufnahme. Sie zeigen auf, welche Ziele womöglich schon erreicht wurden und wo man ansetzen kann. Im folgenden Prozess moderieren sie fünf Sitzungen, bereiten Treffen vor und nach. Im Prinzip liefert die Arbeitsgemeinschaft den wissenschaftlichen Hintergrund.

Welchen finanziellen Nutzen könnte eine solche Strategie für die Kommune haben?

Schick: Ganz konkret wird es dadurch leichter, Fördergelder zu beantragen. Das sehen wir ganz deutlich bei Kommunen, die bereits seit Längerem eine Nachhaltigkeitsstrategie haben. Sie sind handlungsfähiger geworden, können besser an Fördertöpfe andocken und somit leichter ihre Ziele erreichen.

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