Neues Kinderbildungsgesetz auf dem Weg
Noch ein beitragsfreies Jahr

WEsterkappeln -

Vier Westerkappelner Kindergartenleiterinnen haben kürzlich in der Sitzung des Schulausschusses Berichte über ihre jeweilige Einrichtung abgegeben. Überwiegend machten sie auf Kapazitätsengpässe und fehlendes Personal aufmerksam. Die Erzieherinnen treibt vor allem aber das neue Kinderbildungsgesetz, kurz Kibiz genannt, um. „Das Gesetz bereitet uns Sorgen“, erklärte Elke Ursinus, Leiterin der AWO-Kindertagesstätte I am Königsteich, in der Ausschusssitzung. Ähnliche Bedenken äußerten auch ihre Kolleginnen.

Donnerstag, 28.11.2019, 17:44 Uhr aktualisiert: 28.11.2019, 17:46 Uhr
Für Kitas soll ab dem kommenden Jahr mehr Geld zur Verfügung stehen. Damit könnten mehr Erzieher eingestellt werden – allein: Fachkräfte fehlen auch in diesem Bereich.
Für Kitas soll ab dem kommenden Jahr mehr Geld zur Verfügung stehen. Damit könnten mehr Erzieher eingestellt werden – allein: Fachkräfte fehlen auch in diesem Bereich. Foto: dpa

Gestern nun hat der nordrhein-westfälische Landtag das neue Kinderbildungsgesetz verabschiedet. Es sieht beginnend mit dem Kindergartenjahr 2020/21 eine zusätzliche Förderung in Höhe von jährlich 1,3 Milliarden Euro vor. Damit sollen unter anderem mehr Personal sowie ein zweites freies Kita-Jahr finanziert werden. Außerdem sollen in Zukunft flexiblere und längere Öffnungszeiten vor allem früh morgens und abends ermöglicht werden.

Diözesan-Caritasdirektor Heinz-Josef Kessmann begrüßt das neue Gesetz, wie er auf WN-Nachfrage sagt. Nach seiner Ansicht reicht es aber nicht aus, nur mehr Mittel für Personal zur Verfügung zu stellen. Vielmehr müsste auch das Budget für Sachmittel erhöht werden. Dieses sei seit Mitte der 1990-er Jahre nicht mehr fortgeschrieben worden. Der Caritasverband ist der Dachverband der katholischen Wohlfahrtspflege, zu der auch Kindertagseinrichtungen wie der St.-Barbara-Kindergarten in Westerkappeln gehören.

Kessmann gibt außerdem zu bedenken, dass Kitas unter einem Fachkräftemangel leiden. „Hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden“, erklärt der Diözesan-Caritasdirektor und verweist auf die relativ neue Möglichkeit einer praxisintegrierten Ausbildung zur Erzieherin, die eine Alternative zu der bisherigen, hauptsächlich schulischen Ausbildung darstellt. Mit einer Kampagne sollen zudem mehr Fachkräfte angeworben werden. Bis 2025 müssen allein in NRW Prognosen zufolge 100 000 zusätzliche Betreuungsplätze geschaffen werden.

Die Einführung eines zweiten beitragsfreien Kita-Jahres – ebenfalls vorgesehen im neuen Kibiz – sieht Kessmann kritisch. „Davon profitieren nicht nur ärmere Familien, sondern auch ein sehr gut verdienender Chefarzt“, sagt er. „Sozial gestaffelte Beiträge“, ergänzt der Diözesan-Caritasdirektor, „wären besser gewesen“.

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