„Idee der Inklusion verwirklicht“
Behindertensportabteilung des THC Westerkappeln erhält Erich-Schröer-Bürgerpreis

Westerkappeln -

Die Behindertensportabteilung des THC Westerkappeln ist am Donnerstagabend vom SPD-Ortsverband mit dem Erich-Schröer-Bürgerpreis geehrt worden. „Der THC hat die Idee der Inklusion verwirklicht“, lobte Karl-Heinz Homburg, der damals den Anstoß für ein eigenes Sportangebot für bewegungs- und verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche gab.

Freitag, 06.12.2019, 16:00 Uhr
Gudrun Lüpping nahm die Ehrung stellvertretend für den THC-Vorsitzenden Sarioscha Butzke an, der krankheitsbedingt fehlte. Bei der Preisverleihung waren mehrere Vorstandsmitglieder des THC, Mitarbeiter aus dem Team des Förderzentrums Dialog sowie die Kinder des Alt-Bürgermeisters Erich Schröer dabei.
Gudrun Lüpping nahm die Ehrung stellvertretend für den THC-Vorsitzenden Sarioscha Butzke an, der krankheitsbedingt fehlte. Bei der Preisverleihung waren mehrere Vorstandsmitglieder des THC, Mitarbeiter aus dem Team des Förderzentrums Dialog sowie die Kinder des Alt-Bürgermeisters Erich Schröer dabei. Foto: Anke Beimdiek

Inklusion war vor 25 Jahren für die meisten Menschen noch ein Fremdwort. Beim Turn- und Handballclub (THC) Westerkappeln wurde schon damals daran gearbeitet, was seit der UN-Behindertenrechtskonvention von 2008 verbrieftes Menschenrecht ist: die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben. Mitte der 1990er Jahre gründete der THC auf Initiative des Logo- und Motopäden Karl-Heinz Homburg eine eigene Behindertensportabteilung. Seither treiben Menschen mit und ohne Handicap gemeinsam unter dem Dach des Vereins Sport – das ist bis heute in der deutschen Vereinslandschaft keine Selbstverständlichkeit.

Für dieses besondere Engagement ist die THC-Behindertensportabteilung am Donnerstagabend von der SPD Westerkappeln mit dem Erich-Schröer-Bürgerpreis geehrt worden. Die Vorsitzende des Ortsvereins, Ulla Kropf, überreichte der THC-Spartenleiterin Gudrun Lüpping in der Aula des Schulzentrums die Auszeichnung. Musik gab es bei der Feierstunde von den „Kellerasseln“, einer Band mit Bewohnern des Wohnbereichs Westerkappeln der Ledder Werkstätten, die mit ihrer Spielfreude begeisterte.

Erich-Schröer-Bürgerpreis

Seit 2007 zeichnet der Ortsverein der SPD Bürger, Vereine oder Institutionen aus Westerkappeln für ihr besonderes ehrenamtliches Engagement mit dem Erich-Schröer-Bürgerpreis aus. Namensgeber der Auszeichnung ist der 2003 verstorbene langjährige Bürgermeister der Gemeinde, Erich Schröer. Er war 1986 vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker für seinen ehrenamtlichen Einsatz mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Der Erich-Schröer-Bürgerpreis wird alle zwei Jahre verliehen und ist mit 500 Euro dotiert.Bisherige Preisträger waren Helga Beimdiek (2007), die für ihr Engagement im Haus der Diakonie geehrt wurde, der Spielmannszug Velpe (2009), der Posaunenchor Westerkappeln (2011), das Team der Kleiderkammer „Bunter Knopf“ (2013), die Organisatoren des Kinderkulturprogramms „Kiku“ Ellen Kutschwalski und Horst Meyer (2015) sowie zuletzt Gemeindearchivar Dr. Gunter Böhlke (2017).

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Die Sozialdemokraten erinnern mit dem Preis an ihr früheres Mitglied und langjährigen Bürgermeister Westerkappelns, Erich Schröer. Dessen Sohn Werner war maßgeblich daran beteiligt, dass die jetzt ausgezeichnete Vereinssparte unter dem Dach des THC ins Leben gerufen wurde. Als Karl-Heinz Homburg vor rund 25 Jahren bei Gemeinde und Vereinen für seine Idee von einem eigenen Sportangebot für bewegungs- und verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche warb, rannte er damit bei Werner Schröer offene Türen ein. „In unserem Verein ist Platz für eine solche Abteilung“, habe der damalige Vorsitzende des THC gesagt, berichtete Homburg bei der Preisverleihung.

Dafür musste der Verein zunächst dem nordrhein-westfälischen Behindertensportverband beitreten. Übungsleiter wurden geschult, um die erforderlichen Trainerlizenzen vorweisen zu können. In der neuen THC-Abteilung etablierte Homburg, der später die Praxis Dialog eröffnete, die psychomotorische Förderung von Kindern und Jugendlichen. „Der THC hat die Idee der Inklusion verwirklicht“, lobte Homburg. Die Kooperation mit dem Förderzentrum Dialog, wie die Praxis heute heißt, besteht seit vielen Jahren.

Wie das Angebot nach und nach erweitert wurde, berichtete Gudrun Lüpping. „Wir brauchen Bewegung für jeden, der möchte“ – unter dieser Prämisse nahm der Verein den Reha-Sport zuerst im Bereich Orthopädie und später in der Neurologie auf. Einer Schlaganfallgruppe folgte die Parkinsongruppe. Seit 2014 gibt es das Angebot „Sport und Demenz“ in Zusammenarbeit mit dem Haus der Diakonie. Gerne würde der THC eine Gruppe für Demenzkranke, die Zuhause leben, gründen sowie eine Herzsport-Gruppe. Diese müsste allerdings ein Arzt begleiten, sagte Lüpping.

Der Vorsitzende des Kreissportbundes Uli Fischer lobte den THC-Behindertensport in seiner Laudatio als „Vorzeigeprojekt“. Noch immer gebe es viele „reine“ Behindertensportvereine. „Menschen, die beeinträchtigt sind, wollen eine partnerschaftliche Anerkennung als vollwertige Menschen,“ sagte Fischer. Angebote wie die des THC, gebe es zu selten. Das mache den Verein „außergewöhnlich“, sagte Fischer. Er hoffe aber, dass sich Nachahmer fänden „und wir ,außer‘ bald streichen können“.

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